Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/125/
- SS - 
Eine Bitte! Vater und Bruder sind in der Revolution 
gefallen, meine Mutter starb vor Kummer; ich stehe al 
lein. Unsere Güter sind konstszirt, aber ein großes Ka 
pital ist gerettet; das sollen Sie mir sichern helfen. — 
Der Lehrer war von Herzen bereit, die Unterredung wurde 
wärmer, stürmischer und endigte mit einer Umarmung 
und Verlobung. Das war schnell, aber doch nicht zu 
schnell; denn der Lehrer war fünf Jahre vorher Haus 
lehrer in der reichen gräflichen Familie in Polen gewe 
sen; er hatte die feurige Zuneigung seiner 16jährigen 
Schülerin wohl bemerkt und war dem Widerstreit zwischen 
der Liebe und der Pflicht durch schleunige Abreise aus 
dem Wege gegangen. 
- — Baron Rothschild in Paris hat alle israelitischen 
Offiziere, welche am großen Versöhnungsfeste (langen 
Tag), den Tempel besuchten, zum Mittagstisch nach dem 
Gottesdienste eingeladen. Es waren 160 Gäste anwesend. 
— Im fernen indischen Ocean hat ein furchtbarer 
Sturm über 100 Schiffe und mehr als 12,000 Men 
schen in den Wellen begraben. Ganze Strecken der Küste 
wurden überschwemmt; man berechnet den Schaden auf 
200 Millionen Franken. 
— Auf Ceylon ziekt der Gläubiger seinem Schuld 
ner bei der ersten Mahnung die Kleider vom Leibe; 
dann gibt er ihm bei Tag und Nacht einen Wachter 
bei. Hat der Schuldner nach abgelaufenem Termin 
nicht bezahlt, so bekommt er einen schweren Stein zu 
tragen. Ist nach dem zweiten, dritten Termin die Schuld 
nicht getilgt, so wird die Anzahl und das Gewicht der 
Steine verdoppelt und verdreifacht. Zugleich werden ihm 
die nackten Lenden mit Dornen umwunden und er muß 
lange Strecken mit dem Wächter spazieren gehen. Ganz 
zuletzt kommt der Gläubiger in Person zu ihm und droht, 
sich zu vergiften. Manchmal hält er Wort und dann 
wird der Schuldner als Mörder hingerichtet. 
— Die Hunde sind doch recht nützliche Thiere; wenn 
es keine Hunde gäbe, nähme Frankreich über 5 Millio 
nen Francs Steuern weniger ein. Jagd- und Lurus- 
hunde gibt es dort 495,322, Hofhunde 1,364,791; jene 
zahlen 3,456,000, diese 2 Millionen Francs Steuer. 
Vanö- «nd Hcrnstvirthschaftliches. 
Das Ausputzen und Reinige» der Obstbiinme. 
Iil. 
* Es soll nun weiter gezeigt werden, wie man bei 
diesen Verrichtungen zu Werke gehen soll. 
1. Aeste und Zweige sind möglichst nahe an ihrem 
Entstehungspunkte wegzunehmen, d. h. va, wo sich eine 
wulstige Erhöhung der Rinde und des Holzes, der so 
genannte Wulstring zeigt, damit keine Stumpen ste 
hen bleiben; denn die Wunde verheilte dann nicht, die 
Stumpen würden bald abdorren und in Fäulniß über 
gehen ; diese würde nach einiger Zeit die gesunden Theile 
des Baumes erfassen und hierdurch den Baum sehr be 
schädigt oder gänzlich zu Grunde richten. Auch geben 
solche stehen gebliebene Stumpen dem Baum ein häßli 
ches Aussehen und legen für den Baumputzer bezüglich 
der Kenntniß seines Handwerks kein günstiges Zeugniß ab. 
2. Zweige und kleine Aeste werden mit dem Baum 
messer oder Wasserschoßeisen sauber weggeschnitten; beim 
Abnehmen größerer Aeste bedient man sich der Baum 
oder gewöhnlichen Handsäge oder des Beiles. Um nun 
dabei den Baum nicht mehr als nöthig zu verwunden, 
säge oder haue man den Ast zuerst von der untern Seite 
etwas ein, und dann erst schneide man ihn von der obern 
Seite völlig durch. Wird diese Vorsichtsmaßregel un 
terlassen, so neigt sich der Ast, ehe er völlig durchschnit 
ten ist, vermöge seines Gewichtes rasch abwärts, bricht 
und reißt dabei gewöhnlich ein größeres oder kleineres 
Stück Rinde und Holz vom Stamme ab. wodurch der 
Baum eine arge Verwundung erleidet, die nicht wieder 
verwachsen will,weil dabei das Holz zersplittert wurde. 
Splitterwunden aber wollen in der Regel nicht verheilen. 
Wenn ganz starke Aeste entfernt werden sollen, thut 
man am besten, dieselben vorerst mit einer genügenden 
Stütze zu versehen und erst dann zu durchschneiden; denn 
bei ihrer bedeutenden Last würden sie, auch bei Anwen 
dung obgenannter Maßregel, doch vor der gänzlichen 
Trennung vom Stamme brechen und dadurch vorbemerkte 
starke Beschädigung des Baumes herbeiführen. 
3. Sehr wichtig ist. daß die dem Baume beim Aus 
putzen beigebrachten Wunden wieder verheilen, ver 
wachsen oder überwallen, d. h. daß sich darüber 
eine neue Rinde bilde. Um nun dieses zu bezwecken, müssen 
a) Die Säg- und Hiebwunden vor allem glatt 
und eben geschnitten werden sowohl auf der Fläche 
als am Rande; denn Wunden, die nicht glatt geschnit 
ten sind und besonders Sägwunden, überwachsen selten 
und schwer, meistens gar nicht, und das blosgelegte Holz 
wird nach und nach faul. Um das Ueberwallen der 
Wunden mehr zu befördern, runde man dieselben am 
Außenrande etwas ab und schneide im folgenden Früh 
jahr die angesetzte Ueberwallungsrinde nach dem Jnnenrande 
mit einem Messer etwas an; durch letzteres wird die 
Lebensfähigkeit der Rinde gereizt und das schnellere Ue 
berwachsen der Wunden bezweckt. Zum Glätten und 
Abrunden der Wundenstellen ist ein gut geschliffenes 
Steineisen sehr zweckmäßig; auch ein starkes Baummesser 
kann hiezu dienen; ersteres ist jedoch vorzuziehen und be 
schleunigt die Arbeit mehr, wenn man auf dem Baume 
oder auf der Leiter eine solche Stellung einnehmen kann, 
daß beide Hände zu der vorhabenden Verrichtung frei 
sind. 
b) Zum Behufe einer schnelleren Ueberwallung müssen 
die Wunden stets und baldmöglichst bedeckt 
werden, ehe sie zu sehr vertrocknen; durch die ausschwi 
tzende Narbensubstanz bildet sich dann unter der Bedeckung 
bald wieder eine neue Rinde. Bei unbedeckt gelassenen 
Wunden tritt der aussließende Saft an der Luft in die 
saure Gährung über, namentlich beim Apfelbaume, wo 
durch die naheliegende gesunde Baumrinde angegriffen 
und der Brand etzeugt wird. Das Holz der blosliegen 
den Wunde bekommt durch Einwirkung der Sonnen 
strahlen Sprünge, Luft und Regen dringen in die Ritzen 
ein und bewirken die Holzfäule, welche sich dem Innern
        

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