Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/124/
mit dem heutigen vergleicht, wird mit uns übereinstim 
men, daß die Wirksamkeit des Hrn. Pfarrers Wolfinger 
in jeder Beziehung eine erfolgreiche wan 
Vor allem ausgezeichnet war seine Thätigkeit als Pre 
diger und Religionslehrer. Eine seltene Gewandtheit der 
Sprache, verbunden mit einer feinen Kenntniß des mensch 
lichen Herzens offenbarte sich in jedem seiner Kanzelvor- 
träge. Er bat es nie darauf angelegt durch rhetorische 
Kunstgriffe seine Zuhörer zu einer flüchtigen Rührung 
hinzureißen; ruhige Ueberlegung und nachhaltige Ueber 
zeugung waren ihm die Hauptsache. Und wer immer 
seinem Vortrage mit Hingabe und Aufmerksamkeit folgte, 
der war einer tieferen Anregung des Geistes und Ge 
müthes sicher. Wenn es mit zu den Kennzeichen eines 
vollendeten Predigers gehört, daß der Eindruck seiner 
Rede auch noch über die Dauer des Gottesdienstes hin 
aus fühlbar bleibt: so verdient Hr. Wolfinger dieses 
Prädikat in voller Wahrheit. Die aufrichtige, unge- 
heuchelte Anerkennung und der wärmste Dank seiner 
Pfarrkinder begleiten aber auch den greisen Herrn bei 
seinem Abschiede von hier. 
Ebenso erfolgreich war sein Bemühen als Landesschul- 
rath. Die neue Organisation des Elementarschulwesens 
in unserem Lande ist zum großen Theile seiner energischen 
und beharrlichen Mitwirkung zu verdanken. Unbeirrt 
von kleinlichen Rücksichten trat er auf für eine zeitgemäße 
Einrichtung der Schule, indem er gerade in einer besse 
ren Volksbildung ein hervorragendes Mittel erkannte 
zur sittlichen und ökonomischen Hebung seines Heimath- 
ländchens. Der freudige Fortschritt auf diesem Gebiete 
und die Liebe und Hochachtung des gesammten Lehrer- 
standes mögen ihm als ein kleiner Lohn seiner menfchen- 
frenndlichen Bestrebungen in dieser Hinsicht gelten. 
Aber auch feiner politischen Thätigkeit möge ein kur 
zes Wort gewidmet sein. Als ein entschiedener Anhänger 
konstitutioneller Regierungsformen, war sein Rath bei 
dem Aufbau unserer jetzigen Verfassung von anerkannter 
Bedeutung. Die Empfehlung mancher liberalen Bestim 
mungen der neuen Verfassung gerade durch ihn, trug 
vielleicht wesentlich zu ihrer Sanktionirung an entschei 
dender Stelle bei. Ein eifriger Patriot, stand er überall 
dazu, wo es galt, der gemeinsamen Noth zu steuern und 
das Beste des Volkes zu fördern. 
Erinnern wir zu alldem noch an seine strenge Wahr 
heitsliebe und an seinen unbestechlichen Sinn für Recht 
und Gesetzichkeit, so wird Jedermann, nicht nur in Vaduz, 
sondern im ganzen Lande, mit uns'das aufrichtige Be 
dauern theilen, welches wir bei seinem Abtritte vom 
Schauplatze des öffentlichen. Lebens fühlen. Wir wün 
schen von Herzen, daß ihm noch viele Jahre der wohl 
verdienten Ruhe geschenkt seien. Möge er aber auch, 
das wünschen wir eben so aufrichtig, würdige Nachfolger 
erhalten, denen Einsicht und Ausdauer gegeben ist, die 
von ihm begonnenen Pflanzungen glücklich weiter zu 
führen. 
Allerhand Neuigkeiten. 
- Auch in Vorarlberg ist das Ergebniß der heurigen 
Weinernte im Ganzen, namenllich aber in Bezug auf 
Güte, viel besser, als man erwartet hatte. — Gleiches 
berichtet man auch aus Maienfeld, dort erntete man nur 
gegen voriges Jahr, der Saft zeigte aber auf der 
Mostwage 80 Grad. 
Schweiz. Im Laufe des heurigen Winters sollen na 
hezu 700.000 Fr. auf die Rheinkorrektion verwendet 
werden. — Ein Lehrer im Kanton Luzern besitzt Kar 
toffeln, wovon 80 Stück auf den Zentner gehen. Das 
größte wiegt über 2 Pfund; es ist 7" lang und hat 1 
Fuß im Umfang. — In Rorfchach sind ungeheure Mas 
sen von Getreide gelagert, daß es an Räumlichkeiten 
mangelt, um die neuen Zufuhren unterzubringen. Man 
hat deshalb Nothdächer errichtet. Die Preise sind fort 
während im Sinken. — In einigen Orten des Kantons 
Luzern hätte es beinahe eine Revolution der Dienstboten 
gegeben. Es verlautete, daß die Dienstboten den heuri 
gen Wein trinken müßten, während die Herrschaften den 
Most für sich behalten würden. Es muß ein prächtiger 
„Suser" sein, wenn er die Dienstboten so zur Verzweif 
lung bringen konnte. — Im Kanton Zürich gibt es 131 
Seidenfabrikanten mit 30,000 Webstüblen. Den jährlichn 
Arbeitslohn, den diese Fabrikanten zahlen, schätzt man 
auf 12 Millionen Franken. -— Der Züricher Großrath 
hat die Todesstrafe abgeschafft und lebenslängliche Zucht 
hausarbeit an deren Stelle gesetzt. 
— Der Friede mit Dänemark ist unterzeichnet und 
wird in 3 Wochen ratifizirt. Deutschland hat mit die 
sem Federstrich einen Zuwachs von 341 Quadratmeilen 
mit mehr als 1 Million Einwohnern gewonnen, über 
welche seither Dänemark zu verfügen hatte, das sich dem 
deutschen Volke bei jeder Gelegenheit als feindselig er 
wiesen hat. Wer aber der künftige Herrscher dieses Lan 
des sein wird, das ist noch nicht ausgemacht. Vorder 
hand hat es Preußen und nachher wirds auch preußisch 
bleiben. 
— In Deutschland sammt Oestreich sind 1862 über 
345 Mill. Briefe und über 185 Mill. Zeitungsblätter 
durch die Post versendet worden. Das macht auf den 
Kopf nahezu 5 Briefe und nahe 3 Zeitungen. Die 
meisten Briefe schreibt man in Baden, 7 auf den Kopf, 
in Oestreich die wenigsten, nur 3. Zeitungen hält man 
die meisten in Baiern 8, und die wenigsten Bremen und 
Oestreich noch nicht 1 auf den Kopf. In England tref 
fen 21 Briefe und 20 Zeitungen, in Frankreich 7 Briefe 
und 6 Zeitungen, und in der Schweiz 13 Briefe und 
9 Zeitungen auf den Kopf. 
— In Krakau wird nächstens ein großer Prozeß zur 
Verhandlung gelangen, bei welchem ein östreichischer Fi 
nanzbeamter die Hauptrolle spielt. Derselbe soll 3 Mil 
lionen 2kreuzer-Cigarren, sodann 1 Million Cuba, 60,000 
Java, 20,000 Cabannos, 1^ Million Päckchen Rauch 
tabak, 49 Zentner Schnupftabak und für 23,000 fl. 
Stempel- und Briefmarken unterschlagen haben; alles in 
7 Jahren. 
— In das Zimmer eines Lehrers in Berlin tritt eine 
junge schöne schwarzgekleidete Dame und fragte: Kennen 
Sie mich noch? — Der Lehrer tritt einen Schritt zurück 
und antwortet: Ich werde Sie doch nicht vergessen ha 
ben, gnädiges Fräulein! Aber was führt Sie zu nur? —^
        

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