Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/115/
Liechtensteiner -Landeszeitung. 
Zweiter 
Vaduz, Samstag 
Rro. SÄ. 
den 8. Oktober 1864. 
Dieses Blatt erscheint monatlich regelmäßig 2mal, nur zur Zeit der Landtagsverhandlungen öfter, und kostet für da< 
Fürstentum Liechtenstein ganzjährig 1 fl., auswärts 1 fl. 50. Einrückungsgebühr für die gespaltene Zeile 4 Nkr. -> 
Man bestellt die Zeimng in Vaduz bei der Redaktion und in Feldkirch bei derlöbl. Wagner'schen Buchhandlung. — Gesetze 
und Verordnungen, sowie die Landtagsverhandlungen erscheinen in Beilagen, wofür ganzjährig 50 Nkr. ferner zu bezahlen sind. 
Rundschau. 
Napoleon versteht's, die Welt zu überraschen und 
hat es wieder einmal mit einem Vertrag gethan, den er 
mit Viktor Gmanuel abgeschlossen hat. Die Parole 
des jungen Italiens war: auf nach Rom! und die Front 
desselben Italiens war gegen dasselbe Rom gerichtet; 
denn Rom sollte des italienischen Königreiches Haupt- 
und Residenzstadt werden, der Papst seine weltliche Herr 
schast verlieren. Der Anfang dazu war gemacht, als 
Viktor Emanuel 1859 dem Papste ein paar Provinzen 
wegnahn und seinem Reiche einverleibte. Plötzlich hat 
Napoleon die Front des italienischen Heeres verändert 
und die Feinde des Kirchenstaates in die Schützer des 
selben verwandelt. Viktor Emanuel hat sich verpflichtet, 
den Kirchenstaat nicht anzugreifen und sogar ihn gegen 
jeden Angriff von anderer Seite zu schützen; er hat sich 
ferner verpflichtet, seine Residenz nicht nach Rom, son 
dern nach Florenz, der Hauptstadt Toskana's zu ver 
legen und für die dem Papste abgenommenen Provinzen 
eine gute Portion der päpstlichen Schulden zu überneh 
men. Dagegen hat sich Napoleon verpflichtet, seine 
Truppen, die seit 1848 Rom besetzt halten, binnen zwei 
Jahren zurückzuziehen. Beide, Napoleon und Viktor 
Emanuel, verpflichten sich gemeinschaftlich, jede Inter 
vention in den Kirchenstaat zurückzuweisen, d. h. z. B. 
keine Oesterreicher einrücken zu lassen. Die Turiner sind 
über den bevorstehenden Wechsel der Residenz so ausge 
bracht, daß es zu Unruhen gekommen, bei denen Blut 
geflossen ist. Das Militär schoß aus die Bürger und 
mehr als 100 Personen kamen dabei ums Leben. 
Dänemark schafft sich zum englischen Schwiegersohn 
einen russischen an, den russischen Thronfolger. In den 
Friedensverhandlungen in Wien soll man die beiden 
Schwiegersöhne bereits spüren; die Zeitungen des Hrn. 
v. Bismark gestehen unumwunden ein, daß die Lage sich 
verschlimmert habe und daß Dänemark die Verhandlungen 
in die Länge ziehe. Auch der Moniteur in Paris pro 
phezeit', daß die Friedensverhandlungen länger dauern 
werden, als man anfangs geglaubt babe. 
Statt aus Jütland zurückzukehren, wie die listigen 
Dänen verlangt haben, legen die Preußen den Islän 
dern Da um schrauben an, was sehr nöthig ist, da 
mit die Friedensverhandlungen in Wien vorwärts kom 
men. 1) legen sich 30,(100 Mann Preußen in Jütland 
ins Winterquartier und 2) ist durch strengste Maßregeln 
j gesorgt, daß diese 30,000 Mann aufs Reichlichste ver- 
' pflegt werden ohne Entschädigung. 3) muß alles, was 
von dänischen Inseln eingeführt wird, versteuert werden 
und 4) dürfen die jütischen Beamten zc. von der däni 
schen Regierung keinerlei Befehle annehmen — bei Strafe, 
dem Kriegsgericht zu verfallen. 
Die Schweiz hat den französischen Handelsvertrag 
angenommen. Fast wäre dieser friedliche Vertrag für 
die Eidgenossen zu einem Zankapfel geworden. Im Ver 
trag ist bedungen, daß die schweizerischen und französischen 
Juden sich in Frankreich und in der Schweiz überall frei 
niederlassen dürfen. Einige Kantone: Luzern, Schwyz 
zc. wollen davon nichts wissen und leisteten Widerstand 
gegen den Vertrag — aber ohne Erfolg. 
Der König von Würtemberg hat die von seinem 
sel. Vater ererbten Minister entlassen. Was damit gut 
oder schlecht gemacht wurde, werden die Schwaben bald 
genug erfahren. Uebrigens sind die Zustände in Wür 
temberg so gesund, daß auf einen Ministerwechsel nicht 
viel ankommt. 
Es zieht gegenwärtig ein unheimliches Wesen durch 
Länder und Städte, das manchen Millionär über Nacht 
zum Bettler macht. Es ist die Geldkrisis, wie es die 
Handelsleute nennen — auf deutsch: „Geldnoth". In 
London, Hamburg, Berlin, Wien, München und vielen 
andern Orten sind viele Bankerotte vorgekommen. Viele 
Tausend sind hin und noch viele andere wird es nach 
ziehen. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 5. Oktober. Am nächsten Sonntag wird 
das Geburtsfest Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten 
in allen Landeskirchen gefeiert. 
— Am 1. Oktober wurden die beiden neuerrichteten 
Zollämter Vaduz und Schaan eröffnet. Der Verkehr 
mit den benachbarten Schweizerorten wird dadurch we 
sentlich erleichtert. 
— Am 28. September ist der diesjährige Landtag ge 
schlossen worden. In der letzten Sitzung wurde noch 
der Antrag auf Vornahme einer Steuerreform und einer 
Landesvermessung angenommen. Wir werden über die 
sen Gegenstand in einer Beilage ausführlich berichten. 
Vorarlberg Der hochw. Hr. Dr. Feßler, Bischof 
von Nyssa und Generalvikar für Vorarlberg wurde zum 
Bischof von St. Polten ernannt. Als sein Nachfolger
        

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