Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/112/
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tage des heurigen Sommers haben das Gewächs sehr 
zurückgehalten. Viel Schaden ist auch durch den stren 
gen Nachwinter verursacht worden. 
Vorarlberg. Es ist vielfach die Rede von einer 
neuen Eisenbahnlinie zur kürzesten und zweckmäßig- 
sten Verbindung Trieft's mit dem Bodensee. Die Linie 
würde über Innsbruck-Jmst-Bludenz-Feldkirch gezogen 
werden. Weniger vortheilhast für Oestreich und insbe 
sondere für Vorarlberg wäre ein Zug Jmst-Reute. zum 
Anschluß an die bairische Bahn Lindau-Augsburg. Und 
dennoch soll es in Tirol und Vorarlberg Leute geben, 
welche dieser letzten Linie das Wort reden. — Bezüglich 
der Bodenseegürtclbahn ist jetzt zwischen Oestreich und 
der Schweiz ein festes Abkommen getroffen worden: von 
St. Margarethen über Bregenz nach Lindau, von Bre- 
genz nach Dornbirn und von Rütti nach Feldkirch. Die 
Schweizer bauen diese Bahnen mit 2 Rheinbrücken ohne 
Zinsenqamntie von Oestreich und die Bahnen sind nach 
Ablauf der Conzession Eigenthum des Staates. 
— Herr Fröhlich, ein Bürger Feldkirchs, der im kauf 
männischen Geschäfte durch jahrelangen Fleiß Wohlstand 
errungen hat und zeitweise seine Ruhetage in Feldkirch 
zubringt, hat der dortigen Realschule ein Geschenk von 
3000 fl. zugewendet. Sicherlich hat dieser Ehrenmann 
auf seinem eigenen Lebensgang die vielfältige Ueberzeu 
gung gewonnen, welchen Vorschub die Realschulbildung 
im heutigen Erwerbsleben gewährt. 
In dem Feldzuge in Schleswig hatten einige preußische 
Bataillone sich Hunde angeschafft, von denen sie bei 
allen ihren Unternehmungen- begleitet wurden. Einer 
dieser treuen Begleiter zeichnete sich besonders durch Klug 
heit aus und wußte sich ganz vorzüglich nützlich zu ma 
chen, weshalb er auch häufig von Patrouillen mitgenom 
men wurde, um im Gestrüpp versteckte Feinde zu ent 
decken. Häufig blieb er bei verwundeten Soldaten zurück, 
leckte ihre blutenden Wunden und legte sich zu ihnen, 
sich an sie herankauernd und sie erwärmend. Obgleich 
dieser Hund, vom Glücke begünstigt, nie verwundet wurde, 
so hatte er doch eine merkbare Scheu vor Kanonenkugeln, 
und jedesmal machte er einen Seitensprung, wenn ein 
solches Geschoß an ihm vorbei sauste. Bei Erstürmung 
der Düppeler Schanzen spazierte er seinem Bataillon 
munter voran, und beim Hurrah auf die erste Schanze 
stürmte er in vollem Laufe den Berg und die Brustwehr 
hinan, so daß das ganze Bataillon hierdurch, trotz des 
ernsten Augenblicks, in die heiterste Stimmung versetzt 
wurde, und wirklich war auch der Hund der Erste, der 
auf dem Walle sichtbar wurde. Mancher wackere Soldat, 
dem guten Thiere mit Zärtlichkeit zugethan, wurde hier 
durch veranlaßt, seine Eile zu beflügeln, um seinem vier- 
füßigen Freunde zu Hülfe zu eilen. Beim Uebergang 
nach Alfen sollte der Hund zurückgelassen werden; allein 
er folgte schwimmend dem letzten Boote und kam wohl 
behalten auf Alsen an, wo cr in gewohnter Weise seinem 
Bataillone voraneilte und dasselbe bei allen Beschwerden 
in froher Laune zu erhalten wußte. Der „Hund des 
Bataillons" befindet sich noch bei seinem vielköpfigen 
Herrn. 
Aus Würz bürg. Papst Pius IX. schickte der Ge 
neralversammlung der katholischen Vereine in Würzburg 
seinen von Antonelli unterzeichneten apostolischen Gruß. 
Der elektrische Strom vermittelte diesen ältesten aposto 
lischen Gruß und rief elektrische Wirkung hervor. Kol 
pin g aus Köln sprach über und für seine 400 Gesellen 
vereine, die Deutschland wie ein Netz umspannen. Der 
Glockengießergeselle Klaus brachte seinen Dank im Na 
men von 100,000 Mitgliedern des länderumspannenden 
Gesellenbundes. Der Geselle sprach schön, die Stimme 
des Glockengießers hat Metall, klingt weich und melo 
disch. Er zitirt das schöne Lied von der Glocke und 
entschuldigt sein Auftreten damit, daß erst dann ein har 
monisches Geläute entsteht, wenn alle Glocken und Glöck- 
lein harmonisch zusammenstimmen. M ejer aus Ungarn 
sprach davon, daß nur das katholische Christenthum in 
dem Streite zwischen Ungarn und Oesterreich vermitteln 
könne, der Katholizismus müsse über die Nationalitätö- 
leidenschast siegen. Er brachte ein Hoch der Nation 
der Bayern, dem Herd einer uralten Civilisation; Oester 
reich und Ungarn verdankten Bayern die edelste Perle: 
die Kaiserin von Oesterreich und Ungarn, „die wir als 
unsern guten Engel, als die Mutter des ungarischen 
Volkes verehren. 
Im Handel und Wandel gehts wunderlich zu. 
Einem Viehhändler wurden beschnittene Goldstücke als 
Zahlung aufgenöthigt; er nahm sie an; denn der Schuld 
ner war schlecht unv er dachte: besser etwas als nichts. 
Bald darauf kaufte er Vieh von Bauern ein und prä- 
sentirte seine Goldstücke. Die nehmen wir nicht, sagten 
die Bauern, sie sind zu leicht! Was? zu leicht? antwor 
tet er: — eine Goldwage her und Ihr werdet schon 
sehen, wie wenig fehlt! — Die Goldwage wurde ge 
bracht, der Händler legte in die eine Schale das Nor 
malgewicht, in die andere das leichte Goldstück sammt 
einem Kreuzer und siehe, das Zünglein in der Wage 
stand. Nun, fragte er. — Ja, das ist etwas Anderes, 
sagten die Bauern, wenn der Unterschied nur einen Kreu 
zer beträgt, so machts uns nichts aus! Und sie nahmen 
das Gold. 
Der Deutsche Müller, der in London einen Kaufmann 
im Eisenbahnwagen ermordete, nach Amerika entfloh und 
am Lande verhaftet wurde, hat einen Mitschuldigen be 
kommen. August King hat sich in einem Londoner 
Wirthshause freiwillig als Theilnehmer am Morde be 
kannt', nach seiner Verhaftung aber wieder geläugnet; 
er sei trunken gewesen, sagte er, und „Trunkenheit sei 
ein kleiner Wahnsinn". 
Die letzte Volkszählung in den Vereinigten Staa 
ten von Nordamerika im Jahr 1860 ergab 1,300,000 
Deutsche, darunter 227,000 Preußen, 150,000 Bayern, 
113,000 Badener, 95,000 Hessen, 81,000 Württemberger, 
25,000 Oestreicher. 10,000 Nassauer und 598,000, bei 
denen die nähere Heimath nicht angegeben war. Der 
deutsche Sauerteig muß aber noch kräftiger wirken. 
In Richmond, der Hauptstadt der amerikanischen 
Südstaaten, kostet ein Kohlkopf 2. 20—7 ff., das Quart 
Zwiebeln fl. 3. 30 kr., das Quart Kartoffeln fl. 3—7, 
ein Huhn fl. 5—11, eine Ente fl. 14—18, Butter fl. 
14—15 das Pfund, Eier das Dutzend fl. 11—13, 
frisches Fleisch fl. 7—9 das Pfund.
        

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