Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/11/
ReichSrath , Graf Auersperg, (A. Grün,) erhielt aus 
Graz eine Vertrauensadreße für seine freimüthige Rede 
im Herrenhaus. — Baden hält seine Truppen marsch 
bereit und protestirt gegen das bundeswidrige Gebaren 
Oestreichs und Preußens. Baiern und Sachsen wollen 
den Durchmarsch östreich. Truppen nach Holstein ver 
weigern. — Von fremden Staaten erregt Frankreichs 
Volksvertretung besonderes Aufsehen. Thiers, ver be 
rühmteste Franzose der Gegenwart, hielt eine Rede in 
der Kammer, die in ganz Europa widerhallt. Für einen 
rechtschaffenen, wohlgeordneten Staat verlangt er: Na 
tionalsouveränität, Ordnung und Freiheit: 
Grundsatze, auf denen die moderne Gesellschaft ruhe und 
zu denen er sich von jeher bekannt habe. Für die innere 
Politik Frankreichs verlangt er eine Entwicklung der 
Staatseinrichtungen im Sinne einer gemäßigten, regel 
mäßigen Freiheit und stellt fünf wesentliche Grundbedin 
gungen des nothwendigen Maßes der Freiheit auf: 1. 
persönliche (individuelle) Freiheit, 2. Preßfreiheit, 3. 
Wahlfreiheit, 4. Freiheit der Nationalvertretung. 5. end 
lich die Hauptfreiheit, welche darin besteht, daß der Sou 
verän stets über den Debatten und der Diskussion fremd 
bleibt, und daß die Minister, Staatsdiener :e , für ihre 
Handlungen verantwortlich seien. 
Thiers schloß seine glänzende Rede mit den propheti 
schen Worten, daß die Nation die ihr gebührenden Frei 
heiten verlangen würde, wenn die Regierung sie ihr 
nicht aus eigenem Antriebe bewillige. 
Die Tribünen waren mit Zuhörern angefüllt, die mei 
sten Senatoren und die gesammte Diplomatie hatten sich 
eingefunden und als der berühmte „kleine Mann" seine 
glänzende Rede geschlossen hatte, sei es manchem franzö 
sischen Staatsmanne im Vorgefühl der Zukunft unheim 
lich zu Muthe geworden. 
— Seit heute Morgen nimmt die Kälte ab. Mor 
gens 8 Uhr 8", Mittags 0" Abends 6 Uhr 4" Kälte. 
— Dr. Rechbauer verdankt die Adreße der Vorarl 
berger und Liechtensteiner und erklärt: Für Schleswig- 
Holstein, „für die Wahjrung der Ehre und Wür 
de der deutschen Ration" einzutreten, „erachte ich 
auf dem Posten, zu welchem das Vertrauen meiner Mit 
bürger mich berufen, für das Gebot der Pflicht." 
— Der hiesige Leseverein genehmigte in seiner letzten 
Versammlung vom 19. die Jahresrechnung pro 1863. 
Die Einnahme betrug 157 fl., der baare Cassarest 31 
fl. Der Verein zählt gegenwärtig 28 Mitglieder; der 
Jahresbeitrag eines Mitgliedes besteht in 6 fl. Oe. W. 
derselbe wurde für 1864 auf 4 fl. ermäßigt. 
Dornbirn, 19. Jänner. Ich muß Ihnen über ein 
gräßliches Ereigniß berichten , das sich gestern im Dorfe 
Lautrach bei Bregenz zugetragen. Ein gewisser Gaffer> 
Bauer, jagte Sonntag Abends seine Frau und Kinder 
aus dem Hause. Seinem Nachbar, der die Ausgetrie 
benen ins Haus aufnahm, erschoß er gestern Früh sei 
nen Hund, worauf ersterer die Anzeige bei der Behörde 
machte. Als ein Gendarm zur zwangsweisen Vorfüh 
rung des Gasser in- der Nähe seines Hauses erschien, schoß 
er demselben eine Kugel durch den Kopf; ein zweiter 
Gendarm erhielt durch zwei Schüsse zwei schwere Wun 
den in Kopf und Genick. Ein Vetter des Gasser, der 
aus Schwarzach gebürtig, in Lautrach zufällig anwesend 
war, wagte es mit der Bemerkung: mir wird er wohl 
nichts thun, sich dem Hause zu nähern, um die Leiche 
des Gendarmen zu holen, augenblicklich aber stürzte er 
von einer Kugel durch den Kopf getroffen auf den Tod 
ten hin. Gegen 4 Uhr langte in Bregenz die Nachricht 
an, daß ein Federnhändler durch einen Schuß in den 
Kopf geködtet sei. Allgemeine Bestürzung herrschte be 
greiflicher Weise in der Umgebung, die Bregenzer Feuer 
wehr versammelte sich und fuhr nach der Stätte des Un 
glücks, wohin auch ich mich begab. Als ich in die Nähe 
kam, hörte ich ununterbrochen schießen. Gendarmen, Fi 
nanzwächter, Bauern fchoßen in das Haus des Mörders, 
der mit 6 bis 7 Gewehren und reichlicher Munition ver 
sehen sein soll, und herausschoß. Kaum 5 Minuten 
dort, sah ich, wie der Schneidermeister Keil einen Schuß 
durch die Schulter erhielt. Abends war man des Ver 
brechers noch nicht habhaft geworden. Die Spritzen ste 
hen am Platze, weil man fürchtet, der Wüthende werde 
zuletzt noch Feuer legen. 
Feldkirch, 19. Jänner. Obigen Bericht sind wir 
in der Lage dahin zu ergänzen, daß heute Morgens die 
in Hörbranz befindlichen Kanonen zur Stelle geschafft 
und acht Schüße auf das Haus abgefeuert wurden. Um 
Mittag wurde die Behausung gestürmt. Zwei ehemalige 
Kaiserjäger Fröwis und Jbele aus Bregenz und Sieg 
wein von der Finanzwache drangen zuerst ein. Den 
verbrecherischen Vertheidiger fand man kraftlos unter der 
Stiege, da er sich die Ädern geöffnet. Sein Bett war 
voll Blut. Gegen 6 Uhr Abends wurde er in die Frohn- 
fefte nach Bregenz gebracht. Im Laufe der Affaire 
wurde auch noch ein Finanzwachmann verwundet. 
(F. Ztg.) 
Berlin. Im preußischen Abgeordnetenhaus wurden 
auch im Etat pro 1364 die Mehrkosten der Armeeor 
ganisation im Betrage von 5,ß25,634 Thalern, dem 
Antrage der Kommission entsprechend, abermals gestri 
chen und es ist nur die Summe von 32,160,641 Thlr. 
mit 280 gegen 35 Stimmen verwilligt worden. 
Das Militär verschlingt so große Summen, und doch 
fehlt es dabei noch manchmal am Allernothwendigsten. 
So sah sich letztlich der preußische Landrath des Kreises 
Zingerrück zu einem Aufrufe veranlaßt, der die Bewoh 
ner beregen soll, für die nach Holstein marschirten Trup 
pen außer andern WinterbekleidungSgegenständen nament 
lich auch wollene Socken freiwillig zu beschaffen, indem 
viele dieser Soldaten keine Wintersocken, manche aber 
gar keine Socken hätten und statt derselben Leinwandlap 
pen oder Stroh in die Stiefel legen mußten und Ge 
fahr liefen, bei dem harten Froste ihre Füße zu erfrieren. 
Dieser Uebelstand, im Abgeordnetenhause zur Sprache 
gebracht, mußte selbst von dem Kriegsminister zugestan 
den werden. 
— Am 12. Jänner war Viehmarkt in Donauwörth. 
Viele Bauern au-S der Umgegend waren dahin gekom 
men und es begahen sich nach vollendeten Geschäften eine 
große Anzahl auf die Donau, um sich auf dem Eis zu 
belustigen: Plötzlich brachen 30 Bauern ein und kamen»
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.