Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/105/
kommis, der sehr dumme Streiche gemacht hatte. Der 
trotzige und verzagte Sohn ging ihm aus den Augen 
und — ins Wasser und ertränkte sich. Vorher hatte er 
aber noch in einem langen Brief seinem Vater die 
Schuld und Verantwortung ins Gewissen geschoben. 
In London fand eine Eselsschau mit Prämien statt. 
Prinz Wales gewann mit einem aus Egypten eingeführ 
ten Esel den ersten Preis: eine silberne Vase. Der 
Prinz soll auch schon als Jagdhundzüchter den ersten 
Preis bei einer Hundeschau gewonnen haben. 
Kaiser Napoleon sitzt auf einer Sandbank und sein 
Finanz- und Chatoulminister zerbricht sich vergeblich den 
Kopf, wie er ihn flott macht. In allen Kassen des Kai 
sers ist furchtbare Ebbe, nicht einmal das letzte prächtige 
Feuerwerk am Napoleonsfeste konnte bezahlt werden. 
Die Sache ist deshalb ärgerlich, weil das kaiserliche Sy 
stem nicht darauf eingerichtet ist, zu sparen, sondern Geld 
zum Fenster hinaus zu werfen. Bitter lächelnd sagte 
neulich der Kaiser zu seiner verschwenderischen Gemahlin: 
jetzt kannst Du Deine Pilgerreise nach Rom und Jeru 
salem machen; denn ich kann Dir weiter nichts mitge 
ben als einen Pilgerstab und eine Tasche. 
Napoleon gehe mit dem wichtigen Plan um, den 
Volksschulunterricht obligatorisch zu machen, aufgemun 
tert durch die guten Resultate des Zwangsunterrichts in 
der Schweiz und Deutschland. Er wird zwar noch 
manches Vorurtheil zu überwinden haben; allein erhoffe 
auch da zu siegen. 
Der verstorbene König von Württemberg soll ein Pri 
vatvermögen von 60 Millionen Gulden hinterlassen ha 
ben. Vom Staat bezog er jährlich an Geld'850,000 
Gulden, also per Tag zirka 5000 Franken — und fer 
ner an Naturalien 4500 Ztr. Kernen, 4300 Ztr. Rog 
gen, 800 Ztr. Gerste, 4i,200 Ztr. Hafer, 1400 Klaf» 
ter buchenes und 800 Klafter tannenes Holz, dieß alles, 
ohne die Benutzung vieler Domänen und des Königs 
palastes. 
Land- und Hauswirthfchaftliches. 
Ueber die Viehzucht i« Vorarlberg. 
(Schluß.) 
aä 3. 
Ist allerdings nicht zu bestreiten, daß das Vieh schwe 
ren Schlages, wenn es gut gemästet worden, theuer 
bezahlt wird; aber wenn man erwägt, daß es erstens als 
Rind im Ankaufe um ^ Theil mehr gekostet, und zweitens 
von da ab bis es zur Schlachtbank geführt wurde, um 
Vs wehr an Nahrung bedürfte, so ist leicht zu berechnen, 
daß dieser Vortheil ein nur scheinbarer ist. 
Es bleiben jetzt nur noch einige Worte zur Würdi 
gung des kleinen Rindviehschlages zu sagen: 
Es gilt in Rücksicht auf Alpenwirthschaft von diesem 
dassebe, was von dem großen gesagt wurde, nur in noch 
höherem Grade, nämlich daß er in dieser Beziehung dm 
mittlern Schlage weit nachstehe. 
Wenn derselbe auch im Ankaufe sowohl, als in der 
Nahrung billiger zu stehen kommt, so fällt feine Nutzbar 
keit sowohl in Beziehung auf Milchertragniß, als auf 
die Schlachtbank — gegen den Mittelfchllag gehaltet? — 
in einem viel größern Verhältniß ab, und wenn man 
Kosten und Nutzen gegen einander abwiegt, erweisen sich 
vielfältig Stücke dieses Schlages (wenn auch billig beim 
Ankaufe) beim Wiederverkaufe für den Verkäufer als die 
kostspieligsten. Zum Beweise dessen mag dienen, 1. daß 
der Ankaufspreis des kleinen Schlages wenn auch selbst 
verständlich merklich, doch bei weitem nickt im umgekehr 
ten Verhältniß geringer ist, als der Werth des mittleren 
Schlages nach dem Nützen, den der letztere abwirft — 
steigt. 
2. Das Nahrungsbedürfniß ist bei diesem Schlage 
allerdings ein geringeres, aber das Mlchertragniß noch 
in einem viel auffallendem Verhältniß, in der Art, daß, 
wenn dieß Verhältniß, wie es beim Mittelschlag statt 
findet, auf den in Rede stehenden übertragen — der 
Nutzen immerhin ein bedeutend größerer sein würde. 
3. Fällt dieser Schlag als natürliche Folge seiner An 
lage, wenn auch durch Jahre gut gefüttert, auf der 
Schlachtbank immer zu wenig in's Gewicht, um — gegm 
den Mittelschlag gehalten die Kosten des Ankaufes 
zu decken, wie dieß wohl aus dem oben gesagten leicht 
erklärlich ist. 
Aus dem Gesagten geht nach der Ansicht des Gefer 
tigten unwiderleglich hervor, daß der Rindviehschlag mitt 
lerer Gattung für die Bewirthschaftung im Lande Vor 
arlberg im Allgemeinen und Einzelnen bei weitem der 
nützlichste sei, und es beantwortet sich die zur Lösung ge 
stellte Frage: welcher im Lande befindliche Rindviehschlag 
ist für die Bewirthschaftung daselbst der zweckmäßigste? 
daher wohl von selbst, sowie auch jene, ob es räth 
lich sei, die Einführung eines einzigen im ganzen Lande 
Vorarlberg zu fördern oder nicht, insoferne nicht auch 
auf das Renommee des ganzen Landes durch einzelne 
Viehzüchter herbeigeführt — ein größerer Werth gelegt 
werden wollte. 
Bekanntlich besitzt der Montafoner und auch beziehungs 
weise Klosterthaler schon einmal den wohlverdienten Ruhm 
eines vorzüglichen Viehzüchters; er berücksichtiget keine 
Kosten und scheut keine Strapazen, wo es sich um Ver 
besserung des Rindviehschlages handelt. Und wenn auch 
allerdings der große Schlag dem Lande Vorarlberg in 
Bezug seiner Alpenwirthschaft selbst unmittelbar nicht zu 
Gute kommt, darf doch nicht außer Acht gelassen wer 
den, daß diesem in Paris und in neuester Zeit wieder 
in Hamburg so schöne Anerkennungen zu Theil gewor 
den, wodurch das Renommee nicht bloß so fast auf die 
betreffenden Bezirke, als vielmehr das ganze Land Vor^ 
arlberg zurück wirkte, und zu den daselbst stattfindenden 
Viehmärkten Käufer aus den entferntesten Gegenden her 
beiführen dürste. 
Gerechte Würdigung dessen ließe sonach die Einfüh 
rung eines einzigen Rindviehschlages im ganzen Lande 
nach Ansicht des Gefertigten nicht als zweckmäßig erschei-
        

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