Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/104/
legenen Berghöhe an. Eine ungeheure Menschenmenge 
begleitete den Armensünderzug bis auf die Richtstätte, 
wo schon eine Unmasse Leute versammelt waren. Im 
ganzen mochten, wie uns erzählt wird, bei 5—6000 
Menschen anwesend sein, worunter viele aus der Schweiz, 
aus dem angrenzenden Deutschland und aus Liechtenstein. 
Auf dem Wege nahm Gasser zweimal einen Trunk Wein 
und einmal Wasser zu sich. Zuweilen blickte er durch 
die Wagenlucken ins Freie auf die Volksmenge hinaus. 
Oben angekommen, verließ Gasser festen und raschen 
Schrittes den Wagen, blickte flüchtig und wie neugierig 
nach dem verhängnißvollen Balken hin, an dem er bald 
sein Leben enden sollte. Der Galgen war etwa 80 Fuß 
inS Gevierte mit Stangen umfriedet. Etwa 5 Schritte 
vom Galgen entfernt wurde G. vom Abgeordneten des 
Gerichts dem Freimann übergeben, worauf ihm sogleich 
die Ketten abgenommen, vom Scharfrichter der Strick 
um den Hals gelegt und die Hände an die Schenkel ge 
bunden wurden. Gasser benahm sich bei dieser schauer 
lichen Prozedur sehr ruhig, leistete nicht den geringsten 
Widerstand, ja er legte sich selbst den Strick am Halse 
ein bischen zurecht. Pater Vinzenz sprach ihm fortwäh 
rend zu. Ziemlich fest bestieg dann Gasser die vier Stu 
fen zum Galgen, stellte sich dort, den Rücken parallel 
mit der Balkenfläche und gegen dieselbe gekehrt, vor den 
Galgen unter den Nagel hin und blickte noch rasch ein 
mal links und rechts über die Volksmenge. Nur wenige 
Momente, und seine Füße waren mit dem Stricke um 
wunden, der mit einer kleinen eisernen Winde unten am 
Balken in Verbindung stand, der Strick am Halse in 
den vorspringenden Hacken eingehängt, ein „Jesus" und 
die Swfen sind unter den Füßen weggezogen, die Winde 
unten rasch angetrieben und in derselben Sekunde ver 
irdischen Gerechtigkeit Genüge geleistet. Nach dem fürch 
terlichen Akte wurden laut 5 Vaterunser gebetet und 
vom Pfarrhelfer eine ergreifende Standpredigt abgehalten. 
^Bis Sonnenuntergang blieb der Delinquent am Galgen, 
worauf derselbe auf dem Richtplatze ein Grab erhielt. 
„F. Ztg." 
— Anleitung zum Kirchenbesuch. Zu Rag- 
gal in Vorarlberg lebt ein Mann, der die Kirche längere 
Zeit nicht besuchte. Eines Tages erhält der Gemeinde- 
weibel von der vereinigten geistlichen und weltlichen Orts 
obrigkeit folgenden schriftlichen Auftrag: „Da es bekannt 
ist, daß N. N. von Raggal seit vielen Jahren die Kirche 
nicht mehr besucht, so erhaltet Ihr den Auftrag, Euch 
in die Wohnung desselben zu begeben und denselben in 
die Kirche zu führen. Sollte er sich weigern zu gehen, 
so nehmt noch zwei Männer und führt ihn mit Gewalt 
in die Kirche. Dort bleibt neben ihm stehen, und wenn 
er sich ohnmächtig stellt und niederfällt, so laßt ihn lie 
gen, sollte er aber Geräusch machen, so gebt ihm als 
Medizin 10—15 auf den 
Als König Mar von Baiern gestorben und König 
Ludwig II. zur Regierung gekommen war, bestand der 
sehr verdiente Justizminister Freiherr v. Mulz er darauf, 
daß er seine Vorträge dem König persönlich erstatte und 
nicht mehr, wie früher, durch den geheimen Kabinetsrath. 
Eine kurze Zeit setzte er es durch, machte sich aber ein 
flußreichen Personen unbequem und — erhielt einetr 
Nachfolger. 
In Berlin kamen früher jedes Jahr gegen 50 Er 
krankungen an Hundswuth vor. Seitdem man aber die 
Beißkörbe zu jeder Jahreszeit eingeführt hat, kommt kein 
einziger Fall mehr vor. 
Wilhelm Bauer, welcher das im Bodensee versunkene 
Dampfschiff Ludwig wieder aus der Tiefe hob, gedenkt 
unterseeische Kriegsfahrzeuge zu bauen. Zur 
vollständigen Herstellung eines solchen Schiffes würden 
etwa 100,000 preuß. Thaler erfordert. 
In Echtervingen (Württemberg) wurde am 1. Sept. 
ein Mann, der eine Sense trug, auf freiem Felde vom 
Blitze getödtet. Die Kleider wurden ihm vom Leibe ge 
rissen, fein Hut zerfetzt, seine Haare vom Kopfe gebrannt, 
und augenblicklicher Tod erfolgte. Andere in der Nähe 
befindliche Personen wurden auch zu Boden geschlagen, 
kamen aber mit dem Schrecken davon. 
Schweiz. Frankocouvert. Die vom Bundesrath 
zur Ergründung dieser Neuerung bestellten Erperten schla 
gen vor: Essollen so bald als möglich die Zehnrappen- 
Frankomarken abgeschafft und statt derselben für den 
gleichen Preis dem Publikum Briefsäcke angeboten 
werden, vermittelst deren jeder einfache Brief (10 Gramm) 
für die ganze Schweiz bereits als frankirt erscheint. Die 
Eidgenossenschaft käme ein solcher Briefsack höchstens auf 
Rp. zu stehen. 
— Auf einer Graubündtner Schafalp hat sich jüngst 
ein Bergamasker Schafhirt mit einem Bären herumge 
balgt, der ihm ein Schaf rauben wollte. Hirt und 
Schaf kam mit dem Leben davon, und der Bär ergriff 
die Flucht vor dem tapfern Vertheidiger. 
— Aus Genf erfährt man eine edle That, welche 
vielen Menschen das Leben rettete. Als man bei den 
jüngsten Unruhen auf die fliehenden Volksmassen mit 
Kartätschen feuern wollte, stellte sich der eidgen. Artille 
riemajor Perrier vor die Mündung des geladenen Ge 
schützes und war durch keine Drohung hinweg zu bringen 
Am 21. Juli fand zu Paris in der Akademie die fei 
erliche Verkeilung der Tugend preise statt. Von 20 
zu vergebenden Preisen für tugendhaftes Handeln fielen 
17 auf Frauen und Jungfrauen, 1 auf ein Ehepaar 
und 2 auf Personen männlichen Geschlechts. Hienach 
verhält sich also in Frankreich die Tugend des weiblichen 
Geschlechts zu der des männlichen wie 17^: 2^. 
Der Großherzog von Toskana ist in einer böhmischen 
Gemeinde zum Gemeindevorsteher erwählt worden. Der 
selbe hat die auf ihn gefallene Wahl angenommen. Auch 
Napoleon III. war ja s. Z. Gemeindevorsteher und Schul- 
kommisstons-Präsident im Thurgau. 
Im Jahre 1863 haben in den Kohlenbergwerken 
Großbritanniens 907 Bergleute das Leben eingebüßt, 
(um 226 weniger als im Jahre 1862). 
Mit den Herren Söhnen müssen die Eltern jetzt 
außerordentlich vorsichtig umgehen. „Geh' mir aus den 
Augen!" sagte ein sehr braver Vater nach einer Straf 
predigt zu seinem 19jährigen Sohne, einem Handlungs-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.