Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1864
Erscheinungsjahr:
1864
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1864/101/
23. August wurden auf einer Alpe des Unterlandes ein 
Mädchen und 3 Kühe vom Blitze erschlagen. — Am 18. 
September wird in Hohenems das Sängerfest des Vor 
arlbergs Sangerbundes abgehalten, am 19. September 
in Bludenz die landwirthschaftliche Ausstellung für Vor 
arlberg. 
Das Bauen ist in Eassel ein noch größeres Kunst 
stück als anderswo; denn zu jedem Bau in der Stadt 
bedarf es der Genehmigung des Kurfürsten und diese ist 
meist schwer zu erlangen. Also vor dem Thore! dachte 
ein spekulativer Bürger, der eine Reitschule errichten woll 
te. Er holte die polizeiliche Genehmigung ein und kaufte 
ein Grundstück, auf welchem der Bau errichtet werden 
sollte. Er hatte aber die Rechnung ohne den Wirth ge 
macht: ein höchstes Reskript untersagte den Bau. Der 
Minister unterschrieb zwar das Reskript als gegen die 
Gesetze verstoßend nicht, aber der Polizeidirektor mußte es 
respektiren und den Bau verbieten. Der Kurfürst schließt 
so: Es ist das Recht des Staats, die Schulen und den 
Unterricht zu regeln und zu überwachen, folglich auch die 
Reitschulen und den Reit unterricht. 
Im Akklimatisations-Garten in Paris sind ein paar 
chinesische Schafe, die sich durch ungemeine Frucht 
barkeit auszeichnen. In einem Jahre sind 2 Würfe, je 
desmal von 3 Lämmern, erhalten worden. Für die Fleisch 
produktion ist diese Thatsache von Wichtigkeit. Das chi 
nesische oder tartarische Schaf hat einen großen Wuchs, 
ist kräftig gebaut, mit kurzen Beinen und kurzem Halse, 
kleinem Kops und hängenden Ohren. Das Fell ist voll, 
kurz und glänzend und eignet sich zu groben Wollenwaa 
ren sehr gut. Das Fleisch ist saftig und wohlschmeckend, 
so daß es die Fremden in China bald allem anderen 
Fleische vorziehen. 
Die „Disentiser Zeitung" erzählt von einer Zeitkuh 
in der Cristaliner Alp, welche in eine Gletscherspalte fiel 
und sechs Tage unter dem Schnee verborgen blieb und 
darauf hervorgezogen wurde. Sie war stark verkältet, 
ist jetzt aber genesen. 
Ein Waadtländerblatt bringt folgendes Phänomen von 
der Pflanzenwelt: Man sieht zu Carouge, Pfarrei Me- 
zieres, Kt. Waadt, in einem Gartenbeet mitten unter 
Stangenbohnen aus einem Getreidekorn 105 Halme mit 
Aehren herauswachsen. Die Aehren haben durchschnitt 
lich 50 Körner, macht zusammen 5250 Körner. Die 
105 Halme sind 6 Fuß hoch, mehrere über 6^ Fuß. 
Es baben sich außer diesen noch kleinere Halme um die 
Pflanze angesetzt, deren Aehren jedoch noch nicht zum 
Blühen kamen; ist dies der Fall, kann man etwa 5600 
Körner rechnen — ein Fruchtsegen, der selbst unter Kö 
nig Pharao nicht vorkam. 
Professor Namias aus Venedig theilt der Akademie 
der Wissenschaften einen interessanten Vergiftungsfall 
mit; er erzählt, daß ein Schwärzer seinen'ganzen Kör 
per in Tabakblätter einwickelte, und als er über die 
Grenze gekommen, alle Symptome der Vergiftung zeigte. 
Durch rasche Anwendung von Opium und Branntwem 
wurde dieser Cigarren gewordene Mann wieder zu sich 
gebracht. 
Land- und Hauswirthschaftliches. 
Ueber die Viehzucht in Vorarlberg. 
Im vorigen Jahre war von dem landwirtschaftlichen 
Vereine in Vorarlberg die Preisfrage ausgeschrieben 
worden: 
„Welcher der im Lande Vorarlberg vorhandenen Rind 
viehschläge ist für die Bewirthschaftung daselbst der ge 
eignetste und ist es räthlich die Einführung eines einzigen 
Viehschlages im ganzen Lande zu fördern oder nicht?" 
Der Ausschuß des Vereins prüfte die 5 Bewerbungs 
schriften und fand, daß eigentlich keine dieser Schriften 
den Absichten des Vereins vollkommen entspreche. In 
deß wurde dennoch beschlossen die zwei ausgeschriebenen 
Preise zu vergeben und zwar den I. mit 6 Dukaten dem 
Hrn. Joh. Peter Schädler in Lingenau und den II. 
mit 5 Dukaten dem Hrn. Dr. Vonbun in Schruns. 
Die Preisschriften wurden in der Feldk. Z. veröffentlicht. 
Da die Boden- und Klimaverhältnisse, sowie der Wirth 
schaftsbetrieb in dem Nachbarlande Vorarlberg von den 
jenigen in unserm Lande nicht wesentlich verschieden sind, 
so wird es die meisten unserer Leser interessiren Einiges 
über die Grundsätze dieser Preisschriften und über die 
bezüglichen Absichten des dortigen landw. Vereins zu 
erfahren. 
Hr. Schädler sagt nach einer allgemeinen Einleitung: 
Bekanntlich eristiren im Lande Vorarlberg unter dem 
Rindvieh hauptsächlich drei Schläge, und zwar 1. ein 
großer, schwerer, 2. ein mittlerer, und 3. ein kleiner, 
welche drei Schläge sich übrigens in den angezogenen 
Bezirken nebeneinander vorfinden. 
Wenn ich bemerkt habe, daß die drei Schläge Rind 
vieh sich in den die Viehzucht auf verschiedene Bewirth- 
schaftungsarten betreibenden Bezirken des Landes neben 
einander finden lassen, so erzeugt doch unbestritten den 
großen schweren Schlag vorzüglich das Thal Montafon, 
und annäherungsweise auch Klosterthal. 
Diese Kolosse von Rindern, der Stolz des Montafons, 
und die Zierde seiner Märkte ziehen die Bewunderung 
manches reichen Dilettanten in der Nähe und Ferne auf 
sich, der an denselben nur den ungünstigen Einfluß der 
Masse auf die Schönheit bedauert. 
Allein der praktische Oekonom, der den Werth des 
Schlages nach dem Nutzen zu bemessen gewohnt, und 
meistens auch gezwungen ist, gebt auf dem Markte an 
diesem Schlage vorüber, und sucht sich Stücke des 
mittleren Schlages aus. 
In der That betreibt der Bewohner der schönen Thä 
ler Montafon und Klosterthal wenig Alpenwirthschaft, 
und sind seine Alpen fast nur Galtalpen und Heumäder, 
im Gegensatze zum Bregenzerwälder, dessen Nahrungs 
quelle eben die Erzeugung von Butter und Käse zc. 
bildet. 
Der Mittelschlag, der sich haupsächlich im Bregenzer 
walde und Klosterthale findet, ist es nun, den der Bre 
genzerwälder, und überhaupt der praktische Alpenwirth 
schaftsbesitzer für seinen Zweck am tauglichsten findet.
        

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