Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/86/
treibung der Dänen vom deutschen Boden. Bis das ge 
schieht setzt man einstweilen die Sammlungen für die 
vertriebenen Beamten, Lehrer, Geistliche:c. fort, wobei 
sich alle deutschen Stämme von den Alpen bis zur 
Kordsee rühmlichst betheiligen. 
Sind auch die Regierungen verschiedener Ansicht, das 
Volk ist eines Sinnes. — Dänemark wird indeß etwas 
nachgiebiger; es kennt die deutsche Langsamkeit zu gut 
und wartet eben auf bessere Zeit. So ist die neue Ver 
fassung, wodurch Schleswig-Holstein mit Dänemark ver 
schmolzen werden, auf Antrag des dänischen Neichsraths 
vorläufig außer Wirksamkeit gesetzt worden. Das sind 
aber nur Winkelzüge — die jedoch von den deutschen 
Diplomaten gewöhnlich für puren Ernst genommen wer 
den. — Der Wiener Gemeinderath hatte eine Audienz 
beim Kaiser, um für Schleswig-Holstein ebenfalls sein 
Wort einzulegen. Allein der Kaiser war nicht besonders 
erfreut mit den Herren Gemeinderäthen und meinte, sie 
thäten besser, wenn sie in ihren eigenen Mauern gute 
Ordnung hielten. — Der König von Baiern ist auf 
den Wunsch der Münchener Bürgerschaft von Rom nach 
Haus gereist, um in dieser dringlichen Lage das Regi 
ment selbst zu führen. — In Würtemberg ist zum Ge 
setz erhoben, daß Christen und Juden gleiche politische 
Rechte haben und daß die Ehe zwischen Christen und 
Juden zulässig sei. — Die Italiener rechnen im nächsten 
Frühling auf die Eroberung Venetiens. — Der polni 
sche Aufstand ist im Absterben; kein Wunder, denn der 
rüstigste Theil des Volkes ist fast verschwunden; theils 
auf dem Schlachtfeld geblieben, theils eingekerkert oder 
verbannt. 
Vaduz. Zolleinigung zwischen Zollverein 
und Oestreich. Gegenwärtig tagt in Berlin eine Ver 
sammlung von Vertretern der Zollvereinsregierungen, 
deren vorzüglichste Aufgabe die Erhaltung des Zollver 
eins ist. Die Sachen sollen nicht mehr so schlimm stehen, 
es sei Aussicht auf Verständigung zwischen Süd- und 
Nord-Deutschland. Preußen ist etwas nachgiebiger und 
die Süddeutschen finden, daß der französische Vertrag 
doch auch einzelnes Gute hat. Wenn man es nur auch 
dahin bringt, daß Oestreich als Bruderland und nicht 
als Ausland bebandelt wird: so mögen wir am Ende 
noch eine volkswirtschaftliche Einigung des ganzen 
Deutschlands erleben. Haben wir dies nur einmal 10 
Jahre lang praktizirt, so wird damit ein neuer Zwang 
auch zur politischen Einigung gewonnen sein. Indeß ist 
Oestreich nicht müßig und legt einen neuen Zolltarif vor, 
der den gegenseitigen Interessen möglichst Rechnung trägt. 
In demselben sind die jetzigen Zollsätze bedeutend ermä 
ßigt; der höchste Satz wäre 150 fl. per Ztr., während 
z. B. die Seidenwaaren gegenwärtig noch 350 fl zah 
len; ferner werden viele Gegenstände des gemeinen Be 
darfs bedeutend ermäßigt oder gar zollfrei. Im Gegen 
satz aber zu dem preußisch-französischen Vertrag ist eine 
bessere Rücksicht auf den Schutz der einheimischen Webe- 
und Wirkwaaren genommen. — So viel verlautet, ist 
bei dem liechtensteinischen Zollvertrage schon Rücksicht ge 
nommen auf die allfällige Zolleinigung mit Deutschland. 
Liechtenstein wird dann als ein Theil des östreichischen 
Zollgebiets behandelt werden und mit diesem sich an dett 
deutschen Zollverein anschließen. 
Feldkirch, 15. Dez. In den letzten Tagen erzählte 
man sich von zwei Raubanfällen, und zwar soll in Mon- 
tafon einem aus der Fremde rückkehrenden Arbeiter seine 
ganze Baarschaft — wie es heißt 400 Francs — ab 
genommen worden sein, nachdem ihm der Thäter einige, 
zum Glück nur betäubende Hiebe versetzt hatte. Ein 
ähnlicher Anfall in Dornbirn soll nur an der kräftigen 
Gegenwehr des Angegriffenen gescheitert sein. F. Z. 
Augsburg. Sammlungen für Holstein. 
160 Bürger beschloßen einen Beitrag von der Größe 
ihrer Jahressteuern, welche 30,000 fl. betragen. — Ein 
Nürnberger Fabrikant hatte seinen Arbeitern 4000 fl. zu 
einer Festfeier geschenkt. Allein die Arbeiter verzichteten 
auf das Fest und steuerten diese 4000 fl. für die Schles 
wig-Holsteiner; der Fabrikant selbst, Cramer-Klett, spen 
dete noch weitere 5000 fl. — Die Arbeiter der Schnell 
pressenfabrik von König und Bauer bei Würzburg lie 
ferten ihren Wochenlohn mit 1000 fl. an das Hilfsko- 
mitö ab. — Ein Münchener Brauer zeichnete 25 fl. 
per Monat — ein Nürnberger einen Beitrag von 1 fl. 
taglich. A. A. Z. 
Kiel. Ein interessanter Zug, wie selbst die Kinder 
in Holstein patriotische Justiz ausüben, wird folgender 
maßen erzählt: Ein lljähriger Knabe fragt seine Mut 
ter, ob der Vater dem neuen König den Eid leisten 
werde. „Was geht das dich an", erwiedert die Mutter. 
„Ich muß es wissen, denn wenn der Vater den Eid 
leistet, werde ich morgen von meinen Kameraden durch 
geprügelt; heute haben wir den N. N. geprügelt, weil 
sein Vater geschworen hat." Daraus kann man schlie 
ßen, wie die Männer gesinnt sind. 
Schweiz. Graubünden. Die „Neue Bündnerzei 
tung" bringt eine Darstellung des EistransportS von 
Dovos im Engadein nach Paris. Das Geschäft wird 
jetzt auf kühnere Weise angegriffen als zuerst. Jetzt ist 
es des Pulvers Gewalt, welche die riesigen Gletscher 
thore öffnet. Während man früher mit Aerten und mit 
vieler Mühe Eisblöcke vom Gletscher trennte, sind so 
schon Stücke von acht Zentnern weggespr ngt worden. 
Ganz wie beim Steinsprengen werden zu diesem Behufe 
Löcher ins Eis gemeißelt oder gebohrt und dann mit Pul 
ver gefüllt und entzündet. Eine Vorstellung von der 
Größe des Verschleißes gibt die Thatsache, daß an einem 
Tage schon 121 Zentner auf 11 Fuhrwerken weggeführt 
worden sind. 
— Die Gemeinde Seewis hat die Brandruinen des 
Salis'schen Schlosses sammt dem dazu gehörenden Platz 
und Baumgarten für die Summe von Fr. 10,000 er 
worben. Aus diesen Ruinen sollen Rath-, Pfründ- und 
SchulhauS der Gemeinde hervorgehen. 
Schwyz. Außer den Schwalben der vorigen Woche 
sehe man hier noch die schönsten Nelken sowie als Sel 
tenheit für die weit vorgerückte Jahreszeit an einem sonst 
ganz entlaubten Bäumchen die zweiten Birnen; selbst Ro 
sen trifft man noch. Auch die Jäger prophezeien einen 
milden Winter, indem die zahlreich sich zeigenden Füchse 
sich noch zu wenig in ihre Burnus eingehüllt hätten und
        

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