Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/83/
in das brennende Haus zu wagen. Da stürzt ein 14 
jähriger Knabe nach der Thür des Hauses; allein die 
Löschmannschaft hält ihn zurück und bemerkt, daß man 
sich nur mit nassen Kleidern den Flammen aussetzen dür 
fe. Schnell wirft sich der Knabe in einen nahen Bach, 
eilt alsdann ins Haus, findet glücklich das Zimmer, des 
sen Thür er einsprengt und mit dem Kinde herauseilt. 
Aber die Flammen versperren ihm den Rückweg; da zum 
Glück zeigt sich eine Wandöffnung, hervorgebracht von 
dem Wasserstrahl der Spritzen, und die beiden sind ge- 
rettet und werden vom Jubel der Menge begrüßt. 
Hamburg. Im Hafen gerieth ein Auswanderer 
schiff in Brand. Bei dem Drängen der Reisenden, das 
Schiff zu verlassen, stürzten viele ins Wasser, wurden 
aber wieder aufgefischt. Das Schiff wurde aus dem 
Hafen gezogen und auf den Grund gesetzt, daß es nicht 
gänzlich verbrannte. 
Schweiz. St. Gallen, 8. Dezember. Der große 
Rath hat mehrere wichtige Beschlüsse gefaßt. Für die 
Bodenseegürtelbahn wurde die Konzession ertheilt, die An 
gelegenheit mit den Vereinigten Schweizerbahnen (Bei 
tritt zu dem sogenannten Konsolidirungsprojekt— Sicher 
stellung des Obligationskapitals dieser Gesellschaft) be 
reinigt, eine Reorganisation der Kantonsschule angenom 
men, wodurch die langjährigen konfessionellen Zänkereien 
wegen dieser Schule endlich einmal beigelegt sind, endlich 
der Verkauf der Bäder Ragaz und Pfä fers genehmigt. 
Das Verkaufsprojekt erlitt mehrere Angriffe, besonders 
wurde beantragt, daß der Verkauf nur auf bestimmte Zeit 
stattfinden solle, etwa so, daß die Quellen nach 100 
Jahren wieder an den Staat zurückfallen. 
— Der Oberländer Anzeiger schreibt aus Werden- 
berg: Bekanntermaßen hat das Fürstenthum Liechten 
stein den Zollvertrag mit Oestreich erneuert, nach wel 
chem das Gebiet des ersteren Staates abermals für 12 
Jahre der östreichischen Zollzone einverleibt wird. Je 
doch soll der neue Vertrag insoweit günstiger lauten, als 
die östreichische Zolldirektion in demselben im Interesse 
der Verkehrserleichterung für die mittleren werdenbergi- 
schen und die mittleren lichtensteinischen Gemeinden zwei 
neue Zollämter, nämlich an den Rheinfähren Buchs- 
Schaan und Sevelen-Vaduz, bewilligt hat. Dadurch 
dürfte der Wochenmarkt in Buchs, der seit Abschluß des 
ersten obgenannten Zollvertrages und seit Eröffnung der 
Eisenbahn eher ab- als zugenommen hat, wieder etwas 
mehr Leben erhalten. 
Aarg au. Die Regierung von Aargau hat sich ge 
nöthigt gesehen, die Abhaltung von Viehmärkten im gan 
zen Kanton, wegen der großen Verbreitung der Klauen 
seuche in demselben, zu untersagen. 
Schaffhausen. Hr. Moftr zum Charlottenfels hat 
der Lehrer-, Wittwen- und Waisenkasse ein Geschenk von 
10,000 Fr. gemacht. 
Waadt. Eine Petition, welche verlangt, daß das 
Minimum der Besoldung der Volksschullehrer 1000 Fr. 
betrage, wurde vom Großen Rath dem Staatsrath em 
pfehlend überwiesen. 
England. Ueber die Beschäftigungen, welche in Eng 
land dem weiblichen Geschlechte offen stehen, gibt der 
letzte Census (Vermögensschätzung) interessante Enthüls 
lungen. Unter den Frauen Englands befinden sich die 
ser Quelle zufolge 10 Bankiers, 7 Geldverleiher, 274 
Handelsgehülfen (d. h. weibliche Commis), 25 weibliche 
Handelsreisende, 54 Makler, 29 Thierärzte, 419 Drucker 
u. s. w.; 13 Damen waren Aerzte, 2 Wundärzte, 17 
Zahnärzte, 6 Stenographen, 3 Gemeindeschreiber, 4 
Lehrer der Beredsamkeit, 4 Zauberer, 1 Astronom und 
9 Naturforscher. 
—2. Ein Liverpools Haus hat wieder einmal ein Sur 
rogat (Ersatzmittel) für Baumwolle erfunden, wel 
ches in Feinheit!, Elastizität, Stärke und Faserlänge in 
discher Baumwolle zum Wenigsten gleichstehen soll und 
in beliebiger Menge und zu billigem Preise produzirt 
werden kann. Es ist in Frankreich patentirt worden. 
Italien. 2. Schon seit längerer Zeit herrscht in den 
Marken und Umbrien, zum Theil auch in Toskana, die 
Rinderpest, und sowohl die unzweckmäßigen Regie 
rungsmaßregeln, als auch die unbotmäßige Haltung der 
Bevölkerungen leisteten dem Uebel stets Vorschub. Zu 
diesem Mißstand gesellt sich nun bei den Pferden der 
Rotz, welcher unter denen der Kavallerie und bei den 
Bespannungen der Artillerie schon sehr erheblichen Scha 
den angerichtet hat. Auch unter den Schweinen und 
Hühnern herrscht große Sterblichkeit, am meisten je 
doch werden die Schafe dahingerafft, die an einem Uebel 
leiden, welches mit Zittern in den Hinterfüßen beginnt, 
das in Bälde in Lähmung übergeht und dem Thiere 
schließlich unter Krämpfen den Garaus macht. Eine 
einzige Gemeinde hat an dieser Krankheit im Laufe von 
zwei Monaten 1500 Stücke verloren. Die mit den ge 
genwärtigen politischen Verhältnissen in Italien nicht 
zufriedene Geistlichkeit legt dieses Unglück der, nach ihrer 
Meinung, heidnischen Regierung und dem irreligiösen 
Zeitgeiste zur Last. 
Polen. Die an den Polen verübten Scheußlichkeiten 
Murawieffs übersteigen jede Vorstellung. Jüngst ließ 
der Bluthund die Schwiegermutter des Hingerichteten Jn- 
surgentensührers Grafen Sierakowski, die Frau Dalecka 
und deren Söhne nach Sibirien schleppen. Gleiches 
Schicksal sollte die Gemalin des Hingerichteten treffen, 
weil sie aber schwanger und kränklich war, willigte Mu- 
rawieff in das Verbleiben der Gräfin in Wilna ein. Als 
aber Ende Oktober die Entbindung herannahte, befahl 
sie der Unmensch sammt dem Bette auf die Eisenbahn zu 
bringen, das erwartete Kind ins Findelhaus zu Pskow 
zu werfen, die Gräfin aber ohne Aufschub ins Innere 
Rußlands zu schleppen. Der Gendarmerieoffizier will den 
Befehl vollführen, die Gräfin fällt wiederholt in Ohn 
macht, das Volk sammelt sich an und verflucht die russi 
schen Henker. Als die Frau zum Bahnhofe gebracht war, 
begab sich der Offizier zu Murawieff und rapportirte über 
seine Sendung und über die Entrüstung, welche diese her 
vorgerufen. Murawieff antwortet: „Eben deshalb, um 
die Bevölkerung Wilna's aufzureizen, ließ ich die kranke 
und schwangere Rebellenfrau ergreifen utld durch die 
Stadt schleppen, mit dem nächsten Zuge muß sie fort". 
Dem armen Opfer der scheußlichen Rache Murawieffs 
wurde eine russische Hebamme beigegeben, welche den Auf-
        

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