Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/82/
geisterung für die nordischen Brüder üus, ukd die Ueber 
zeugung war allgemein, daß kein deutscher Mann vor 
einem Opfer zurückscheuen dürfe, wodurch das Recht des 
Vaterlandes und seiner bedrängten Söhne in Schleswig- 
Holstein gewahrt werden könne. 
Es wurde beschlossen, zwei Hilfskomites zu bilden, 
von denen jenes für Vorarlberg die behördliche Erlaub 
niß einholen soll. Ferner einigte man sich dahin, an 
den Reichsrathsabgeordneten Dr. Rechbauer, welcher im 
östr. Reichsrathe die Sache Schleswig-Holsteins so männ 
lich vertreten habe, eine Adresse zu richten. Die anwe 
senden Mitglieder verpflichteten sich sodann zu monatli 
chen Geldbeiträgen zur Unterstützung der entsetzten Be 
amten :c. und versprachen in 8 Tagen die erste Ein 
zahlung zu machen. Schließlich wird noch folgender 
Antrag zum Beschluß erhoben: 
„Die hier anwesenden deutschen Männer erklären als 
ihre Ehrenpflicht, so gut es möglich ist, im Kreise ihrer 
Bekannten dahin zu wirken, daß der schleswig-holsteini- 
schen Sache durch Geldsammlungcn möglichst thatkräftige 
Unterstützung werde." 
Möge das Unternehmen gelingen und zum Sieg der 
guten Sache beitragen. Möge aber auch dieser erste 
Fall gemeinsamen Handelns zwischen Vorarlberg und 
Liechtenstein nicht der einz ige bleiben; der Anknüpfungs 
punkte zu gemeinsamem Wirken auch in andern Dingen 
wären noch viele! 
"Mauren, 3. Dezember. Die Kirche in Mauren hat 
einen künstlerischen Schmuck erhalten, auf den aufmerk 
sam zu machen um so mehr zu rechtfertigen sein dürste, 
als keine andere Kirche unseres Ländchens sich einer sol 
chen Zierde rühmen kann und der Gegenstand die erste 
Schöpfung eines sehr begabten, strebsamen Künstlers ist. 
Es ist dies das 18 Fuß lange und 13 Fuß breite Deck 
gemälde im Schiffe der Kirche. Durch die Wahl des 
Stoffes „Christi Himmelfahrt" hat der Künstler einen 
sehr glücklichen Griff gethan, der, für die Höhe der Kirche 
sehr richtig berechnet, auf das Auge des Beschauers 
äußerst günstig wirkt. Vom blauen sternbesäten Grunde 
hebt sich das umrahmte Bild. Der Himmel ist klar und 
durchsichtig gehalten und keine Wolkenmassen legen einen 
Schatten auf die Gruppen oder Landschaft. Der Künst 
ler hat dadurch gesucht, die Stimmung des Gegenstandes 
auch im Kolorite wiederzugeben. Die Lichtwirkung kon- 
zentrirt sich auf den der Erde entschwebenden Gottes 
sohn. Christus mit dem schönen ernsten Kopfe ist von 
hellen Gewändern umflossen, wodurch die göttliche Pracht 
mit den einfachen schlichten Farben der Gewänder der 
untern Gruppe in einen sehr wirksamen Gegensatz Le- 
^bracht^^s Jn der Gmppe^ seW finden wir alle Ge 
fühle, d:e das Scheiden des „Herrn" von seinen An 
gehörigen, die ihn als „Gottes Sohn" erkannten, kenn 
zeichnen; die höchste Verehrung und Anbetung, Staunen 
und Ueberraschung, Sehnsucht und Schmerz sind hier in 
männlichen und weiblichen Köpfen, in Bewegung und 
Haltung, sehr gelungen wiedergegeben. Die Decke des 
PresbyteriumS hat der Künstler mit der erhaben ernsten, 
großartig gedachten und durchgeführten Figur des „Gott 
Vater" als Gesetzgeber, geschmückt. Das geistige Moment 
ist in diesen zwei Gemälden klar und entschieden ausge 
sprochen, die Ausführung verständlich und bildgerecht. 
Hr. Kaspar Kögler — das ist der Name des Künstlers 
— ist ein Schüler der Münchener Akademie, ein tüchti 
ger gewandter Zeichner, glücklich in der Farbe, und 
ebenso trefflich in Behandlung der Massen als im Detail, 
welch letzteres auch seine mit staunenswerther Liebe und 
Zartheit ausgeführten Illustrationen zu Uhlands Gedich 
ten bekunden. 
Dieser geniale junge Mann wird hiemit der Aufmerk 
samkeit des Publikums wärmstens empfohlen; möge er 
recht oft Gelegenheit finden, sein Künstlertalent zu erpro 
ben und seinen Künstlerruhm immer in weitern Kreisen 
zu begründen und zu rechtfertigen! 
Auch wird unter Einem den hochverehrten Gönnern 
und Wohlthätern, — sämmtlich der Stadt Feldkirch an 
gehörig, — durch deren bedeutende Beiträge dieses groß 
artige Werk zu Stande gebracht wurde, der tiefgefühlteste 
Dank ausgesprochen. — 
I. N. 
Vorarlberg. Es war früher die Nachricht ver 
breitet, das Gymnasium zu Feldkirch solle den Jesuiten 
abgenommen werden; dies bestättigt sich jedoch nicht, in 
dem auch für das heurige Jahr vom Staate die übli 
chen Zuschußgelder geleistet wurden. — Der Redaktor 
der Feldkircher Zeitung wurde endgiltig in einen Arrest 
von 6 Wochen und in den Cautionsverlust von 60 fl. 
verurcheilt, wegen Ehrenbeleidigung an dem Conzepts- 
praktikanten Thurnherr in Feldkirch. — Die Kranken 
pflege im städtischen Spital zu Feldkirch wurde vom 1. 
Dezember an dem Orden der barmherzigen Schwestern 
überantwortet. — Die evangelischen Einwohner des vor 
arlberger Oberlandes beabsichtigen die Bildung einer ei 
genen Kirchengemeinde. 
Feldkirch, 3. Dezember. Daß man hier nicht blos 
Worte für das bedrängte Bruderland Schleswig-Holstein 
hat, beweist die Thatsache, daß eine Tischgesellschaft von 
11 jungen Männern gestern Nachmittag in Mauren ^8 
fl. hiefür zusammenlegte. Verdient Nachahmung. F. Ztg. 
Frankfurt. 2. Vor einiger Zeit wurden von Frank 
furt aus die deutschen Feuerspritzenfabrikanten zu einem 
Wettkampf mit den amerikanischen Dampffeuerspritzen 
aufgefordert. Mechaniker Metz von Heidelberg nahm 
die Aufforderung an. Der Wettkampf fand am 21. 
November zu Frankfurt statt. Die Feuerspritzen des 
deutschen Meisters errangen durch Zweckmäßigkeit, 
Schnelligkeit und zuletzt selbst durch Höhe des Wasser 
strahls den Sieg über die nordamerikanischen Dampf 
spritzen (die deshalb dennoch ihren eigenthümlichen Werth 
als unermüdlich arbeitende Maschinen behalten). Metz 
ward mit Jubel begrüßt und ihm noch auf dem Platze 
ein Lorbeerkranz überreicht. Bei seiner Rückkehr nach 
Heidelberg ward ihm ein feierlicher Empfang bereitet. 
Der Turnverein, die Feuerwehr, die Musikvereine erwar 
teten ihn am Bahnhofe und begleiteten ihn nach seinen 
Werkstätten. 
Braunschweig. Bei einem Brande bemerkte man 
ein Kind am Fenster des obersten Stockes, welches an 
den Fensterscheiben spielte. Niemand hat den Muth sich
        

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