Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/80/
- K« - 
England. London. Eine grauenhaste That wurde 
vor einigen Tagen in London verübt. Zwischen 8 und 
9 Uhr Abends nahm ein Mann in Gesellschaft einer 
Frau und zweier Madchen im Alter von 5 und 7 Jah 
ren am Bahnhof eine Kutsche und ließ sich nach einem 
bestimmten Orte fahren. Unterwegs ließ er halten und 
sich aus einem Wirthshaus ein Glas Bier an den Wa 
gen bringen, welches die Insassen gemeinschaftlich aus 
tranken. Kurze Zeit darauf ließ er zum zweiten Mal 
halten und stieg aus, indem er dem Kutscher die Wei 
sung gab, die drei im Wagen Zurückgebliebenen nach 
dem früher angegebenen Orte zu befördern, und ihm zu 
gleich das Fahrgeld bezahlte. Der Kutscher fuhr fort 
und als er am Bestimmungsort angekommen war, fand 
er 3 Leichen im Wagen. Sie waren mit Blausäure 
vergiftet worden. Der Thäter wurde in wenigen Tagen 
aufgegriffen; es war ein Handlungsreisender, der im 
Unfrieden mit seiner Frqu lebte. Als er verhaftet wur 
de, vergiftete er sich selbst und starb unter den Händen 
der Polizei. 
Amerika. Eine Verschwörung der Sonderbündler hat 
sich zu dem schändlichen Zwecke gebildet, alle Dampfschiffe 
auf dem Missisippi zu verbrennen. Kein Tag vergeht, 
ohne daß ein solcher Dampfer durch Feuer zerstört wird; 
die ruchlosen Brandstifter schleichen sich als Passagiere, 
Heizer oder sonst auf den Schiffen ein. Ihre Freveltha 
ten haben bereits Hunderten von Menschen, Weibern und 
Kindern, das Leben gekostet, die mit den Schiffen ver 
brannt oder bei Rettungsversuchen umgekommen sind. 
— Dr. Sandfort von Boston hat zur Entdeckung 
eines Mörders die Pupille (den Augenstern) des Gemor 
deten vermittelst einer Belladonna-Auflösung erweitert, 
dieselbe dann photographirt und bei mikroskopischer Un 
tersuchung dieser Photographie, nicht nur Figur und 
Kleider des Verbrechers, sondern auch die Steine, mit 
denen das Verbrechen begangen wurde, herausgefunden. 
O. Az. 
Verschiedenes. 
Die Biene. 
Im Haushalte der Bienen spielt auch das Wasser eine 
nicht unbedeutende Rolle, sie brauchen es zur Verdün 
nung des Honigs und zur Bereitung des Futtersaftes 
für die Brüt. Im Winter vertritt der Brodem (Wasser 
niederschlag) im Stocke selbst die Stelle des Wassers. 
Im Sommer saugen sie bei feuchter Witterung schon mit 
dem Honigsafte wässerige Theile aus den Blumen. Zur 
Zeit der Trockenheit, oder wenn noch keine Blumen blü 
hen, holen sie das Wasser aus nahegelegenen Gräben, 
Bächen und Pfützen. 
Die Hauptbeschäftigung der Biene außerhalb des Sto 
ckes besteht aber im Einsammeln des Honig- und Wachs 
stoffes und des Blütenstaubes. Fertigen Honig finden 
sie wohl nicht, wohl aber den Stoff dazu. Erst in dem 
Vormagen, in der Honigblase, wird der eingesammelte 
süße Stoff verarbeitet, und nach Absonderung der fremd 
artigen Theile zum wirklichen Honig. Die Biene sammelt 
mittelst ihres langen behaarten Rüssels den Honigsast. 
Ist die Honigblase voll, so fliegt sie geraden Wegs in 
den Stock zurück, legt den gesammelten Saft in eine 
Zelle, und fliegt wieder fort, um neuen Vorrath zu hoh> 
len. Merkwürdig ist, daß die Biene nicht leicht verschie 
dene Blumen, sie bleibt gewöhnlich bei ein und derselben 
Gattung. An einem Tage können volkreiche Stöcke um 
^—5 Pf., und zur Zeit der Rapsblüthe sogar um 10 
Pf. schwerer werden. Wunderbar ist noch, daß bei die 
sem beständigen Aus- und Einfliegen der Stock doch nie 
mals weder zu leer, noch zu sehr angefüllt ist. Außer 
dem Honigsafte sammeln die Bienen auch den Wachs 
stoff. Dieser wird in 4 Paar häutigen Säckchen, welche 
an der Unterseite des Hinterleibes liegen, zu Wachs ver 
arbeitet. Hier schwitzt die Biene das Wachs aus. 
Der Blütenstaub ist für den Stock von großer Wich 
tigkeit. Die Bienen sammeln denselben an ihren Hinter 
füßen in Form von kleinen Bällchen ein. Den neuesten 
Erfahrungen zufolge können die Bienen wohl 10—12 
Tage auch ohne Blumenstaub nur von Honig die Brüt 
erziehen, werden aber, wenn dies länger anhält, krank 
und sterben endlich sammt der Brüt. Daß der Blumen 
staub zur Ernährung der Brüt und zur Wachserzeugung 
nothwendig ist, geht schon daraus hervor, daß, während 
die brütenden und bauenden Bienen immer schwer bela 
den mit Blumenstaub zurückkehren, diejenigen, welche 
Honig sammeln, ganz schmächtig und leichten Fluges sind. 
Auch den Blumenstaub sammeln die Bienen fast immer 
auf gleichartigen Blüten, gar selten sieht man sie mit 
zwei verschiedenfarbigen Bällchen an den Füssen zurück 
kommen. 
Eine weitere Beschäftigung der Bienen ist das Ein 
sammeln des Kittes zum Verstopfen aller Ritze und zu 
fälligen Oeffnungen, und zum Ueberziehen der inneren 
Fläche des Stockes. Dieser Kitt ist eine Art Harz, zähe 
und von balsamischem Gerüche. Sie sammeln ihn von 
den Knospen verschiedener Bäume, bisweilen stehlen sie 
Propfwachs und machen daraus Kitt. 
Endlich gehört noch das Aufspüren neuer Wohnungen 
zu den Verrichtungen der Bienen außerhalb des Stockes. 
Einige Tage bevor ein Schwärm auszieht, suchen ge 
wisse Bienen — Spurbienen genannt — einen Platz 
aus, den der neue Schwärm als Wohnung einnehmen 
soll. Daher findet man gar oft Bienen in hohlen Bäu 
men, Felsrissen und andern hohlen Räumen. 
Balzer, Hoskaplan. 
5? H 
Rothschild. Kürzlich wurde das Vermögen der 
sämmtlichen Rothschilde in Paris, London, Frankfurt, 
Wien, Neapel auf 750 Millionen Franken geschätzt. 
SiberkurS. 
SamStag, den 14. November N7. 
Mittwoch, den 18. Nov t2!.25 
Herausgegeben von G. Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schävler. 
Die nächste Nr. erscheint Samstag den 12. Dezemb« 
Druck von I. Graff'S Wittwe in Feldtirch.
        

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