Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/74/
im Lande auf einer Hohen Stufe. Unsere Heute bauen 
.jahraus jahrein den herrlichsten Türken aus dem gleichen 
Äoden, von Fruchtwechsel keine Rede, höchsteNs wird ein 
anal mit Weizen oder Roggen abgewechselt. Diese Re 
sultate verdanken sie einzig dem vorzüglichen Verfahren 
m der Düngung des Maisfeldes, indem bei der Ansaat 
in jedes Saatloch ein Kübel voll Abtrittgülle ge 
gossen und dann das Samenkorn erst eingelegt wird. 
Im Sommer werden die Pflanzen mit dem gleichen Dün 
ger noch ein Mal begossen. Das Verfahren ist kostspie 
lig, aber von eclatantem Erfolg begleitet. Das ist ch i - 
nesische Landwirthschaft — seit den Forschungen Liebig's 
ist das ein Ehrentitel. 
Veesen, rothe und weiße, Waizen, darunter eine kleine 
Partie welscher Waizen mit Grannen; Gerste und Ha 
fer waren theils als schon zubereitete Saatfrucht, theils 
noch am Halm ausgestellt. Die Körner zeigten sich voll 
und an den Halmen zahlreich. In Getreidesamen hat 
ten besonders Triesenberg und Ruggell sich ausgezeichnet. 
Kartoffeln, vorherrschend weiße, lagen sehr viele 
und bereits aus allen Gemeinden auf. Sie zeichneten 
sich durchschnittlich durch Größe aus. Rothe Kartoffeln 
sah man nur selten. Mehrere Aussteller hatten früher 
reifende, sogenannte Aeugstler (Augustkattoffeln) ge 
bracht, einer amerikanische, deren Güte und reicher 
Ortrag auch in unserem Clima er sehr rühmte. Es 
dürfte gerathen sein, bei uns hiemit weitere Proben zu 
machen; die betreffenden ausgestellten Eremplare waren 
recht schön und groß mit feiner Haut. Die Bisquit- 
kartoffel, von einem Aussteller dieses Jahr hier zum 
ersten Mal gepflanzt und ausgestellt, zeichnet sich durch 
Feinheit aus, ist eine treffliche Kartoffel, namentlich zu 
Salat und zum Kochen und zeigte sich als recht ertrags 
reich; sie kann schon Mitte August ausgenommen wer 
den. 
Von der Kartoffelkrankheit zeigten die zur Ausstellung 
gebrachten Eremplare begreiflicherweise keine Spi^r; übri 
gens seien auch sonst verhältnißmäßig nur wenige kranke 
Kartoffeln vorgekommen, namentlich in trocken gelegenem 
Boden. Sehr große und mitunter recht feste Kohl 
köpfe (Krautköpfe) und etwas Köhl war zu sehen; 
doch waren beide Sorten der Zahl nach nur schwach 
vertreten. Runkelrüben von ungewöhnlicher Größe 
gabs viele; etliche Stücke große Randich und Rüben, 
Kohlraben, mehrere Partien sehr große schwarze 
Krfurter Rettige, kolossale Kürbisse lagen umher, 
darunter auch ein Riesen kürbis und zwei „Türken 
bund". Wir erwähnen letzterer zwei nur deswegen, weil 
deren Aussteller selbe, nach Aussage glaubwürdiger Man 
ner nicht selbst gepflanzt, sondern aus einem benachbar 
ten schweizerischen Dorfe gekaust habe, wahrscheinlich um 
sich damit ein Prämium zu erschleichen, was ihm auch 
gelang, da die Preisrichter natürlich den Ursprungsort 
deS Produktes nicht kannten und der Betrug sich erst 
später herausstellte. Wir geben hiemit diese Handlungs 
weise des oben Angedeuteten der wohlverdienten öffent 
lichen Verachtung Preis* 
* A. d. R. Wir können nicht für die Richtigkeit dieser 
Behauptungen eintreten, sondern überlassen die Vertretung 
derselben unserem Berichterstatter. 
Hanfstengel von 9 und 42 Fuß Länge, schon vom 
Stengel gelöste Hanfsasern und etwas feiner Flachs 
waren ausgelegt. Auch sah man weißen Mohnsamen 
nebst daraus bereitetem feinem Speiseöl, Raps- u. Lein 
samen unter Beigabe von Leinöl und Rüböl (Rapsöl); 
von letzterem war eine Flasche Oel kalt geschlagen und 
als Speiseöl bezeichnet, 1 Flasche rassinirt, zum Brennen 
tauglich. Etwas gelbe Rüben von ungewöhnlicher 
Größe und eine reiche Auswahl sehr schöner Zwiebeln 
(hier Pöllen genannten), worunter auch weiße „ameri 
kanische" und die recht seine „blaßrothe Erfurter" Zwie 
bel, machten den Beschluß der ausgestellten Gärtener 
zeugnisse. 
Deutschland. 
Liechtenstein. Vaduz. Kurze politische Rund 
schau. Die Nürnberger Ministerberathungen sind 
zur völligen Zufriedenheit der Herren Minister ausge 
fallen. Von Volksparlament und andern zweckdienlichen 
Abänderungen der Reformakte ist keine Rede. Nur Scha 
de, daß dasjenige, was den Ministern gefallt, dem Volke 
keine Befriedigung gewährt. Da doch das Volk ein an 
erkanntes Recht zur Mitberathung der nationalen Ange 
legenheiten hat, so wäre das Vernünftigste, wenn man 
es eben mitrathen ließe; das rechte Maß würde sich als 
dann schon finden. Für eine oktroirte Bundesverfassung 
blühen keine Rosen. — Der östr. Reichsrath hat sich 
des Rechtes der Steuerbewilligung in der Hauptsache 
freiwillig begeben. Dem gegenüber wird man an Preu 
ßen erinnert, wo sich das Volk mit aller möglichen Zä 
higkeit dieses Recht zu wahren sucht. Die ganze Ver 
wirrung in Preußen gründet sich am Ende auf diese 
Frage. Wer bezahlt, will auch über die Verwendung 
der Gelder mitreden. — In Baden werden den Bezirks 
ämtern bürgerliche, wählbare Räthe beigegeben. Das ist 
ein großer Schritt auf dem Wege zur Selbstregierung. 
Die Sache ist übrigens nicht mehr neu. Die Priorität 
der Erfindung, wenn man will, gehört Liechtenstein an. 
Seit einem Jahre besitzen wir dieses Institut, indem un 
ser Regierungskollegium aus 1 Beamten und 2 bürger 
lichen, vom Fürsten ernannten Räthen (Landräthen) ge 
bildet ist. Alle wichtigeren Sachen werden im Kollegium 
behandelt. — Dänemark rüstet sich zum Widerstand 
und es kann in kurzer Zeit wieder zu einem Kriege in 
Schleswig-Holstein kommen. Wahrscheinlich hetzt Napo 
leon am dänischen Könige. — Die Noth der Baumwol- 
len-Fabrikarbeiter in England ist am Ende. In kurzer 
Zeit hofft man sie zu überwinden. Es wird aber auch 
jetzt allerorts Baumwolle gebaut, wo es nur Halbweg 
angeht, neuerlich auch auf den jonischen Inseln, ja sogar 
in der Moldau. — Der junge König von Griechen 
land ist auf der Fahrt nach seinem neuen Vaterlande; 
dort wird er nicht viel mehr Freude erleben, als der ver 
triebene Otto. Es ist beim Lichte betrachtet ein Aben 
teuer, wie es das mexikanische Kaiserthum nicht weniger 
ist. Dahinter müssen geheime Zauber verborgen sein, wel 
che sich dem gemeinen Menschen nicht entschleiern lassen. 
-- In Nordamerika steht wieder einmal eine ent 
scheidende Schlacht bevor, welche ebenso wenig entscheiden 
wird, als ein Duzend frühere.
        

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