Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/73/
Liechtensteiner Landeszeitung 
Vaduz, Samstag 
Rro. RK. 
den 7. Nov. 186S. 
Dieses Blatt erscheint monatlich regelmäßig 2mal, nur zur Zeit der Landtagsverhandlungen öfter, und kostet für das 
Fürstentum Liechtenstein ganzjährig 1 fl., auswärts 1 fl. 50. — Einrückungsgebühr für die gespaltene Zeile 4 Nkr. - 
Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion und in Feldkirch bei der löbl. Wagner'schen Buchhandlung. — Gesetze 
und Verordnungen erscheinen in einer Beilage, wofür ganzjährig 5V Nkr. ferner zu bezahlen sind. 
Bericht über die 1. landwirtschaftliche Ausstellung im 
Fürstentum Liechtenstein. 
Rindvieh und Schweine. 
Rinder im Alter von i bis 2 Jahren befanden sich 
circa 50 Stücke auf dem Festplatze. Dabei waren meh 
rere sehr schöne Stücke von unserm Landesschlag, die in 
ihrem regelrechten Knochenbaue, ihrer Größe und in der 
gesuchten Farbe den glücklichen Erfolg der vom Lande 
angestrebten Zuchtverbesserung nicht verkennen ließen. 
Möchte man diese Thiere nur mit Zuchtstieren, welche 
die nöthigen Eigenschaften im hohen Grade besitzen (nicht 
mit Bastarden) paaren, die so erzeugten weiblichen Thiere 
zur ferneren Züchtung benutzen und die Stierlein noch 
einige Jahre von derselben ausschließen, so würde die 
Rindviehzucht-Verbesserung im Lande sicherlich schneller 
fortschreiten, als es bis anher der Fall war. 
Unverhältnismäßig klein war die Zahl der auf dem 
Schauplatze befindlichen Kühe und Zeitrinder, kaum 40 
Stücke, und wenn sich unter den aufgestellten Kühen 
auch manch schönes Stück befand, so ist es doch gewiß, 
daß so zu sagen in jeder Gemeinde, namentlich aber am 
Triesnerberg, mehrere Kühe sich befinden, welche mit den 
Aufgestellten konkurrirt oder aber denselben wohl gar die 
Preise streitig gemacht hätten. 
Der Grund, warum so wenig Kühe ausgestellt worden 
sind, obgleich das Land deren ca. 1700, ja die Gemeinde 
Triesnerberg allein über 400 Stücke zählt, dürste wohl 
darin gesucht und gefunden werden, daß viele Thierbe 
sitzer von dem bei uns neuen Unternehmen keinen rich 
tigen Begriff hatten, oder aber sich durch böswillige 
Menschen, welche die Ausstellung durch Bekrittlung und 
Spötteleien zu untergraben oder wenigstens lächerlich zu 
machen suchten, von der Ausstellung ihrer Thiere abhal 
ten ließen. Nun haben aber jene Spötter und deren 
Anhänger weder der Ausstellung und noch viel weniger 
den Ausstellern, sondern lediglich sich selbst geschadet, in 
dem sie durch Nichtausstellung ihrer schönen Thiere den 
Ausstellern die Preise selbst aus weniger schöne Habe 
sicherten. Vielleicht werden sie bis zur nächsten Ausstel 
lung klüger. 
Sehr ordentlich vertreten sowohl der Menge als Be 
schaffenheit nach war das Borstenvieh. Es fanden sich 
20 Mutterschweine mit circa 40 Stück Jungen und 11 
Stück Eber auf dem Ausstellungsplatze. Vorzüglich 
zeichneten sich die Mutterschweine aus. Deren Körperbau 
verband mit einer ansehnlichen Höhe, eine bedeutende Län 
ge und starke gesunde Füße. Es ist dieses unstreitig der 
nützlichste Schlag für unsern Landmann, indem er ver- 
mög seiner Größe auch das bedeutendste Quantum Fleisch 
und Fett liefert. Auch unter den Ebern fanden sich sehr 
schöne Stücke von dem gleichen Schlage. 
Nebst diesen war ein Päärchen Schweine, nämlich ein 
trächtiges Mutterschwein und ein Eber von angeblich 
englicher Ra?e ausgestellt, welche sich durch ihre schwarze 
Hautfarbe, ihren nackten, borstenlosen, kurzen gerundeten 
Körper, breiten Rücken, durch kurze starke Füße und auf 
fallende Fettigkeit auszeichneten. Diese Schweine sollen 
sehr gefräßig und von Natur an jede rauhe und gehalt 
lose Nahrung gewöhnt sein, daß sie selbst mittelst Grün 
futter oder anderer schwacher Nahrung wohlleibig und 
fett erhalten werden können. Es sollen übrigens diese 
Thiere auch eine ansehnlichere, ja dem beliebten Landes 
schlage annähernde Größe erreichen. Sofern sich diese 
letztern Eigenschaften wirklich bewähren sollten, so ver 
diente diese Race in unser Land eingeführt und gezogen 
zu werden. Im Uebrigen hat der Landschlag so gute 
Eigenschaften, daß es bedenklich sein würde, denselben 
mit fremden Racen zu kreuzen. Was Größe und Mast 
fähigkeit anbetrifft, steht er den vorzüglichsten Schlägen, 
selbst den englischen kaum nach. 1jährige Thiere 
erreichen bei guter Behandlung ein Gewicht von 200 
—250 Pfund und erst vor wenigen Tagen hörten wir 
von einem 1^ jährigen Schweine, welches auf 3 Etr. 
W. G. geschätzt wird. Namentlich aber liefert das hei 
mische Schwein ein sehr schmackhaftes und wohl noch 
vorzüglicheres Fleisch als die englische Race. Hiemit 
sollen aber die Versuche mit fremden Schlägen nicht ab- 
gerathen oder gar getadelt werden, wir empfehlen nur 
Vorsicht und genaue Vergleiche. 
Acker- und Gartenerzeugnisse. 
In den genannten Zweigen war die Betheiligung groß, 
ja sehr groß; dies gilt namentlich vom Mai s (Türken). 
Ruggell und Eschen hatten hierin am meisten geleistet; 
kleinere Partien waren bereits von allen Gemeinden aus 
gestellt. Durchschnittlich waren es prachtvolle Maiskol 
ben, woraus die sorgsame Pflege, welche man dieser für 
uns so wichtigen Fruchtgattung angedeihen läßt, wohl 
zu erkennen ist. Mehrere Aussteller hatten ihre diessall- 
sigen recht schönen Produkte auf Riedboden erzeugt, der 
erst letztes Frühjahr wieder kulturfähig gemacht worden 
war; und wurde dadurch ein glänzender Beweis für die 
Vortheile der Entwässerung geliefert. Gelben Mais 
hatte nur ein einziger Aussteller gebracht; sonst war lau 
ter weißer vorhanden, aber dieser in mehrerlei Sorten 
rücksichtlich der Reifezeit. Die Türkenkultur ist überhaupt- 
WW-»
        

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