Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/69/
Liechtensteiner Landeszeitung. 
Vaduz, Sonntag 
Rro. R8. 
den 1. Nov. 18K3. 
Dieses Blatt erscheint monatlich regelmäßig 2mal, nur zur Zeit der Landtagsverhandlungen öfter, und kostet für das 
Fürstentum Liechtenstein ganzjährig 1 fl., auswärts 1. fl. 50. — Einrückungsgebühr für die gespaltene Zeile 4 Nkr. — 
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und Verordnungen erscheinen in einer Beilage, wofür ganzjährig k>0 Nkr. ferner zu bezahlen sind. 

Bericht über die 1. landwirtschaftliche Ausstellung im 
Fürstenthum Liechtenstein. 
Trauben und Wein. 
In diesen beiden Zweigen war die Auswahl geringer 
als beim Obst. Vaduz hatte sich am stärksten betheiligt; 
andere Weinbau treibende Gemeinden waren nur schwach 
oder gar nicht vertreten. Die zur Schau gestellten Trau 
ben ließen durchschnittlich bezüglich der Größe und Süßig 
keit nichts zu wünschen übrig; es waren meist ausgezeich 
nete Exemplare. Als Euriosität mag erwähnt werden, daß 
ein Oekonom des hochgelegenen Bergdörfchens Planken 
ein Muster selbstgezogener Trauben ausstellte; sie waren 
aber dem Zustande der Reife noch so ferne, daß der hier 
aus etwa gepreßte Wein dem berüchtigten „Neutlinger", 
der dem Prinzen Eugen so arg den Mund verzog, an 
Güte noch lange nicht gleichgekommen wäre. Uebrigens 
wollte genannter Aussteller nur zeigen, ob man sich in 
den Höhen noch auf den Weinbau einlassen dürfe. 
Die zur Ausstellung gebrachten Sorten waren meistens 
blaue Klevner und sogenannte weiße Burg au er; 
ein Aussteller hatte weiße, ein anderer blaue Mus 
kateller gebracht; einer Tram in er, durch Süßigkeit 
vor allen ausgezeichnet; auch blaue Portugieser 
und ungarische weiße und rothe Trauben waren 
zu sehen. 
Es wäre im Interesse unseres Weinbaues sehr zu 
wünschen, daß die bei uns vorkommenden Traubensorten 
endlich einmal von einem zuverläßigen Kenner beurtheilt 
und richtig benannt würden. 
Was die mit den Trauben ausgestellten Weine betrifft, 
so fanden die Preisrichter dieselben meist noch recht gut. 
Es standen aus den verschiedenen Gemeinden 24 Flaschen 
zur Schau und zum Genusse bereit, den Jahren 1861 
und 1862 angehörend. Nicht nur die Preisrichter, son 
dern namentlich auch ein Theil des Publikums wußten 
bald, welche Flaschen den besten Wein enthielten, und es 
waren dieselben in kurzer Zeit ihres Inhaltes ganz oder 
theilweise ledig; eine Flasche ausgezeichneten Strohweines 
ereilte dieses Schicksal in erster Linie. 
Im Allgemeinen war indeß die Weinausstellung nicht 
bedeutend, hauptsächlich wegen der vorgerückten Jahres 
zeit. Im August und September geben unsere Weine 
schon rückwärts und verlieren auffallend an Güte. Nur 
in kälterem Klima und in guten Kellern lassen sie sich 
länger, 2—3 Jahre halten. Es ist das die schlimme 
Seite unserer Weine. Die meisten der ausgestellten Sor 
ten waren schon empfindlich von der Jahreszeit ange 
griffen. Sollte man nicht Untersuchungen anstellen, um 
den Grund dieser Erscheinung aufzufinden? Vorher ist 
an keine Abhilfe zu denken. Wir können nicht unter 
lassen, das Urtheil eines rationellen Weinbauers aus 
dem Fränkischen hierherzusetzen, wie es uns durch die 
Gefälligkeit des Hrn. Oberlieutenants Rheinberger ver 
mittelt wurde; vielleicht ist es ein Fingerzeig zu weite 
ren Forschungen. „Wenn das Verhältniß des Gerb 
stoffes zum Zuckerstoffe in der Traube nicht das richtige 
ist, so kann kein haltbarer Wein erzeugt werden. Die 
Vaduzer Traube enthält zu viel Zuckerstoff und zu 
wenig Gerbestoff; der Most (junge Wein) klärt sich 
bald, der Wein ist in einem Jahre reif und geräth 
nach der Zeit leicht in neue Gährung durch klimatische 
Einflüsse (Föhn) und namentlich durch den Versandt. 
Das einzige richtige Mittel ist oftmaliges „Schönen", 
Abfüllen von einem Fasse ins andere, damit die Hefe 
zurückbleibt. Solcher Wein muß sorgfältig beobachtet 
und so wie er sich trübt, sofort in ein reines Faß ge 
bracht werden, jedoch nicht bei warmer Witterung und 
mit Verhinderung des Luftzutritts. 
Beim Keltern (Torkeln) der Traube ist zu beachten, 
daß die Kämme (Stiele) ordentlich mitgepreßt werden, 
da in ihnen viel Gerbestoff enthalten ist, der zwar den 
Most weniger angenehm macht, aber den Wein besser 
hält. — Das sogenannte Gallisiren, Zusatz von Trau 
benzucker, ist unzulässig." 
Wenn nnn unser Wein in dieser Beziehung im Nach 
theil ist, so zeichnet er sich in anderer wieder dadurch 
aus, daß er häufigere und bessere Ernten gibt. Die 
fränkischen (Main-) Weine gerathen im Verlaufe von 
6 Jahren kaum ein Mal ausgezeichnet und zwei Mal 
mittelmäßig nach Maß und Güte. Wir aber können 
jedes zweite Jahr auf einen guten Wein rechnen. 
Möchten unsere einsichtigeren Weinpflanzer diese Sa 
che im Auge behalten. Am meisten könnte jedenfalls 
durch die f. Domänenverwaltung in diesem Punkte ge 
schehen. Bei der großen Ausdehnung der f. Weinberge 
wäre es ein Leichtes, vergleichende Versuche anzustellen 
und das Beste zur Annahme zu empfehlen. Der Erfolg 
würde nicht auf sich warten lassen. 
Pferde, Rindvieh und Schweine. 
Wir betrachten auch diesen Theil der Ausstellung et 
was eingehend, um uns von den Vorzügen und Män 
geln zu überzeugen und eine Richte zu geben für die 
Zukunft. 
Es waren circa 90 Stuten im Alter von 11/2 bis 8 
Jahre ausgestellt, worunter sich viele von sehr gutem
        

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