Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/43/
43 - 
— In einem französischen Städtchen hat sich kürzlich 
bei einer landwirtschaftlichen Versammlung ein abson 
derliches Ereigniß Zugetragen. Bei dem üblichen Zweck 
essen wollte der dortige große Gutsbesitzer Estancelin der 
allerdings bei den letzten Wahlen Oppositionskandidat 
(Gegner der Regierung) war. einen Toast ausbringen. 
Mein der an der Tafel thronende Unterpräfekt 
(ein Regierungsbeamter) gab ihm das Wort nicht, und 
als, durch den Zuruf der Versammlung aufgemuntert, 
Estancelin dennoch sprechen wollte, marschirte auf Befehl 
des Unterpräfekten eine Abtheilung Spritzenmänner (Pom- 
pier) in den Saal und übertäubte durch anhaltenden 
Trommelwirbel die Stimme des Redners. 
Polen. England, Frankreich und Oesterreich sind zum 
zweiten Male abgewiesen worden, als sie Gerechtigkeit 
für die Polen verlangten. Am Schönsten war die rus 
sische Antwort nach Paris. Der französischen Regierung 
wurde geradezu der Vorwurf gemacht, daß sie haupt 
sächlich an dem polnischen Aufruhr Schuld sei, indem 
die Rebellen von Paris aus Geldunterstützung erhielten. 
(Auch die geheime polnische Regierung soll in Paris 
ihren Sitz haben). Der Kaiser Napoleon war über 
diese russischen Grobheiten sehr aufgebracht, er würde 
gerne Vergeltung üben, aber der Krieg mit Rußland im 
Winter ist ein gefährlich Ding; das weiß er noch vom 
alten Napoleon. So wird also zugesehen bis zum Früh 
ling — und dann wird Polen eine menschenleere Wüste 
sein! 
— Der General Murawieff greift zu den schrecklich 
sten Mitteln, um den Aufstand zu erdrücken. In neue 
ster Zeit hat er verordnet, daß den russischen Bauern 
für jeden eingefangenen unbewassneten Rebellen 3 Sil- 
berrubel (a 1 fl. 50.), für einen bewaffneten 5 Silber- 
rubel ausgezahlt werden; den eingefangenen Rebellen 
soll keine Gnade zu Theil werden, sondern sie müssen, 
besonders wenn sie Adelige, Bürger und Geist 
liche sind, binnen 24 Stunden mit dem Tode bestrast 
werden. 
Murawieff weiß sehr wohl, daß die Dolche der pol 
nischen geheimen Polizei auf ihn gezückt sind. Aber er 
laßt sie sich nicht ankommen. Von Angesicht zu Ange 
sicht kennt ihn Niemand in Wllna, wo er sein Regiment 
' führt. Noch Niemand hat ihn seinen Palast verlassen 
sehen. Meldet sich Jemand zu ihm, so wird er zuerst 
bis aufs Hemd visitirt, ob er nicht Waffen bei sich führe. 
Dann wird er in's Sprechzimmer geführt. Hier sitzen 
drei schwarz vermummte Personen. Eine davon ist sicher 
der General, aber welche? Hierüber bleibt der Vorge 
lassene im Ungewissen, denn er erhält aufsein Begehren von 
allen dreien die Antwort. Einen Stock darf Niemand 
in Wilna tragen, denn es könnte ein Degen darin ver 
borgen sein. 
Rußland. Der Kaiser hat die Kronbauern frei ge 
geben. Zwei Millionen Bauern werden dadurch zu freien 
Eigenthümern des Bodens, den sie früher nur gegen 
Frohndienste und hohe Abgaben zum Lehen besaßen. 
Amerika. In New-Nork war ein Aufstand auSge- 
brochen infolge der Rekrutirung. Die Wuth des Ge- 
sindels richtete sich hauptsächlich gegen die Neger, viele 
wurden getödet. Die Unruhen dauerten mehrere Tage, 
sind aber glücklich unterdrückt 
Voltswirthfchaftlkher Theil. 
Von der Brandversicherung. 
(Fortsetzung.) 
Von den versicherten Beträgen fallen auf die' 
Gemeinde Balzers mit Mels . . . fl. 150,012.— 
„ Triefen . . . . . . „ 60,541. — 
„ Triesenberg . .... „ 28,923.— 
„ Vaduz und Mühleholz . . „ 274,124.— 
„ Planken ... . . „ 9,939. — 
„ Eschen und Nendeln . . „ 129,358.-- 
„ Mauren und Schanwald . „ 118,563.— 
„ Gamprin . . . . . „ 47,860.— 
„ Schellenberg „ 26,850.— 
Ruggell „ 70,858 — 
Zu den Aktiengesellschaften zahlt man jährlich durch 
schnittlich vom 100 des versicherten Werthes circa 14 
Nkr., während die tirolische Landesassekuranz 
im Jahre 1853 von 100 fl. Versicherung 45^ Nkr. 
„ 1854 „ 251/2 „ 
„ 1855 „ 12 „ 
„ 1856 „ 45^2 „ 
.1857 „ ' 151/2 „ 
' „ 1858 „ 20 „ 
„ 1859 „ 40 „ 
„ 1760 „ 28 „ 
„ 1861 „ 461/2 „ 
„ 1862 „ 431/2 „ 
mithin in den letzten 10 Jahren durchschnittlich jährlich 
29 Nkr. erheben mußte. 
Die hohen Umlagsbeträge und die seit dem Jahre 
1848 andauernde Entwertung der östr. Banknoten, in 
welcher Valuta die Brandschäden von der tirolischen An 
stalt ausschließlich gedeckt werden, im Vereine mit den 
weitem seiner Zeit bezeichneten Mängeln haben zur Folge, 
daß alljährlich viele, besonders liechtensteinische Mitglie 
der, aus derselben in die Aktiengesellschaften übertreten. 
Nach dem Vorausgeschickten komme ich auf den eigent 
lichen Zweck der gegenwärtigen Zeilen, welcher darin be 
steht, jene Liechtensteiner, welche ihre Gebäude oder Fahr 
nisse versichern, aufmerksam zu machen, was sie beim 
Eintritt in die Versicherungsanstalt, während der Versi 
cherung und im allfälligen Unglücksfalle vorzüglich zu 
beobachten haben, damit nicht die heilsame Wirkung der 
Versicherung vereitelt, und für die betreffenden Versicher 
ten oder wohl gar ganzen Gemeinden gefährlich werde. 
Wer sein bewegliches oder unbewegliches Hab und 
Gut gegen Feuersgefahr versichern will, hat vor allem 
die Anstalt zu wählen, welcher er beizutreten gedenkt. 
Diese Wahl ist für den Versicherungswerber von gro 
ßer Wichtigkeit, indem nicht nur die Anstalten in wesent 
lich verschiedene Klassen zerfallen, sondern auch die Be 
stimmungen derselben, unter welchen den Versicherten der 
erlittene Brandschaden ersetzt wird, sehr von einander ab 
weichen.
        

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