Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/38/
Benützung verletzt wird. Weiter wirb dann im Gesetze 
verordnet, daß die einzelnen Wasserrechte durch Mark 
oder Haimstöcke zu begrenzen sind. Beschädigungen an 
Wasserwerken werden nach Umständen bis zum Betrage 
von 100 fl. bestrast. Desgleichen stehen alle Bewässe- 
rungs- und Entwässerungsanlagen unter der Leitung und 
Beaufsichtigung der Regierung. Die Entwässerung und 
damit in Verbindung stehende Güterregulirung wird durch 
Stimmenmehrheit der beteiligten Grundbesitzer beschloßen; 
jedoch müssen die dafür Stimmenden überdies den grö 
ßeren Theil der im Entwässerungsgebiet liegenden Grund 
fläche besitzen. Die Kosten der Entwässerung und Re- 
gulirung werden auf alle jene Grundstücke vertheilt, wel 
che durch die Entwässerung an Werth gewinnen oder 
vor einer. Abwerthung geschützt werden. E. 
Vorarlberg. Die Eisenbahnfrage ist der Lösung 
nahe. Laut Ministerialerlaß vom 6. Juli hat die kaif. 
Regierung in den Bau der Bodenseegürtelbahn gewilligt 
gegen Erstellung einer Zweigbahn Feldkirch- IW. Dy- 
Grund dieses Zugeständnisses war der, daß die Schweiz 
bestimmt erklärte, sie könne sich nicht zum Bau einer 
Linie Bregenz-Feldkirch herbeilassen. Uebrigens wird zu 
gestanden, daß der Ball dieser Linie im Reichs- und 
vorarlbergischen Interesse sehr wünschenswerth gewesen 
wäre. Die näheren Bedingungen sollen auf der Münch 
ner Konferenz festgestellt werden. Die Gürtelbahn wird 
übrigens durch die Sackbahn Rüti-Feldkirch nicht aufge 
wogen. Jedenfalls hätte das Interesse des industriellen 
Vorarlbergs mehr Rücksicht verdient. Die Baukosten 
dieser Zweigbahn sind sicherlich rein ins Wasser gewor 
fen» indem die natürlichen Verhältnisse gewiß einstens den 
BM einer Vorarlberger-Bahn erzwingen werden. 
Dann aber liegt Rüti-Feldkirch außer dem natürlichen 
Strome der Verkehrsrichtung; für diesen Anschluß an 
die Schweizerbahn spricht gar kein einziges volkswirth- 
schaftliches Motiv; er wurde durch die augenblickliche 
Richtung der politischen Grenze Oestreichs diktirt. 
— Die Feldk. Zeitg. bringt in Nr. 59 die Adresse 
unseres Landtags zum Abdrucke. Sie hebt besonders die 
Stellen hervor, welche von der Genehmigung sämmtli 
cher Beschlüsse des 1. Landtags und von der Anerken 
nung des verfassungsmäßigen Strebens unserer Regierung 
handeln. Die Vorarlberger waren mit ihrem Landtage 
nicht so glücklich wie die Lichtensteiner. Von den Be 
schlüssen des Bregenzer Landtages haben viele die kais. 
Genehmigung nicht erhalten, so daß wir uns nicht wun 
dern, wenn man dort das Resultat unseres Landtages 
merkwürdig findet. Auch die schöne Eintracht, welche bei 
uns zwischen Fürst und Volk herrscht, wird anerkannt 
und die Feldkircher Nachbarin meint, daß der König von 
Preußen in unserm Ländchen ein Gegenstück finden könnte 
zu den traurigen Zuständen seines Landes. Wir glauben 
nicht, daß der Preußenkönig zu uns in die Schule gehen 
wird, er will in solchen Dingen nichts mehr lernen. 
Die Preußen haben auch eine Verfassung. Ohne Bei 
stimmung des Landtags dürfen dort keine Gesetze gemacht 
und darf kein Geld ausgegeben Werden. Das steht ge 
druckt zu lesen in der preußischen Verfassung. Und doch 
kümmern sich die Minister nicht im Geringsten um das 
beschworne Berfassungsgesetz. Sie Mächen neue Gesetze, 
wie es gerade paßt und verwenden Steuern und Abga 
ben nach ihrem Sinne. Wenn dann ein Zeitungsschrei 
ber oder ein Anderer ein Wörtchen über solche Wirth 
schaft verliert, so wird er eingesperrt oder mit großen Geld 
strafen gebüßt. 
Wien, 21. Juli. Die Regierung beabsichtigt eine 
Herabsetzung der Zölle. Sie glaubt, daß dem 
Gewerbe und der Industrie auf andere Weise ebenso 
viel Unterstützung gewährt werden könne, als durch hohe 
Zölle. Solche Unterstützungen sollen hauptsächlich in 
einer sorgsamen Pflege des technischen Unterrichts, in 
Gewährung von Prämien und andern Auszeichnungen 
bestehen u. s. f. Als ein Hauptgrund für die Herab 
setzung der Zölle gilt aber der Schmuggel,. welcher 
durch hohe Zölle unfehlbar erzeugt wird. Kein deutscher 
Staat leidet in finanzieller und sittlicher Beziehung unter 
dem Schmuggel wohl in solcher Weise wie Oestreich. 
In den östlichen und südöstlichen Theilen des Reiches 
wird z. B. fast nur selten kaiserlicher Tabak geraucht. 
Es ist auch nicht zu wundern, denn dieser Tabak ist 
nicht nur theurer, sondern auch schlechter als der ge 
schmuggelte: da man den ersteren aus eine bestimmte 
Art beizt, um ihn von dem geschmuggelten zu unterschei 
den. Diese Beize ist aber der Güte des Tabaks nach 
theilig. Aehnlich wie mit dem Tabaksschmuggel verhält 
es sich auch mit dem anderer Waaren. (A. Z.) 
— Der König von Preußen ist in Salzburg einge 
troffen. Man glaubt, der Kaiser werde ihm einen Be 
such in Gastein machen. 
Wien. Man will erfahren haben, daß Oestreich in 
seinen Buttdesrefdrmvorschlägen das Prinzip der De- 
legirtenversammlung beibehalten werde. Wenn sich das 
bestätigt, dann versprechen wir uns keinen bessern Erfolg 
von diesen Anstrengungen, als von den früheren. Mit 
halben Maßregeln wird die Sache nur noch mehr ver 
wickelt, und zu entscheidenden hat man den Muth oder 
den Willen nicht. 
— Nach dem östreichischen Staatsvoranschlage für 
1864 betragen die Ausgaben 612 Mill, die Einnahmen 
520 Mill. Die Mehrausgabe von 92 Mill. soll durch 
Erhöhung der Steuern, der Stempel und Gebühren und 
durch ein Anlehen von 33 Mill. gedeckt werden. 
— Der polnische Diktator Maryan Langiewicz hatte 
beim östreichischen Reichsrath eine Petition eingereicht, 
dahin zu wirken, daß er aus der Festung Josefstadt, wo 
man ihn festhält, nach der Schweiz entlassen werde. 
Der Reichsrath hat nun beschlossen, sein' Gesuch der 
Regierung zu empfehlen. 
Baiern wird, wie es scheint aus Mangel an Theil 
nahme der andern Staaten, die Sonderkonferenz in der 
Zollfrage nicht zu Stande bringen. Es wird vor 
allem die von Preußen einberufene Konferenz beschicken. 
Die Stimmung in Preußen ist etwas versöhnlicher ge 
worden. 
Frankfurt a/M. Füx das Jahr 1863 beträgt nach 
den Standeslisten das deutsche Bundesheer 735,599 M. 
mit 112,131 Pferden, also fast U Mill. Krieger. Das 
ist eine respektable Ziffer, die sich leicht verdoppeln ließe. 
        

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