Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/33/
liechtensteinische Landeszeitung. 
Vaduz, Samstag den 18. Juli 1863. 
Dieses Blatt erscheint monatlich regelmäßig 2mal, nur zur Zeit der Landtagsverhandlungen öfter, und kostet für das Fürsten- 
thum Lnchtenstein ganzjährig 1 fl., auswärts 1 fl. 50. — Eittrückungsgebühr für die gespaltene Zeile 4 Nkr., im Wiederholungsfalle 
S Nkr. Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion. — Gesetze und Verordnungen erscheinen in einer Beitage, wofür 
ganzjährig 50 Nkr. ferner zu bezahlen sind, — alle amtlichen Anzeigen und Bekanntmachungen werden im Hauptblatt abgedruckt 
Die Lage in Preußen. 
Die preußische Regierung macht gegenwärtig den Ver 
such mit einem absoluten Regiment; sie probirt, ob sich 
gegen den Strom schwimmen lasse. Nach ihrer Ansicht 
und derjenigen der Junkerpartei geht die Sache vortreff 
lich. Man hat es ja in kurzer Zeit so weit gebracht, 
daß in ganz Preußen kein freies, offenes Wort mehr ge 
druckt und öffentlich gesprochen werden darf. Ob sich die 
regierenden Herren in Berlin nicht täuschen? Ein politi 
scher Schwimmer, ein solcher ist der preußische Minister 
von Bismarck, sollte doch wenigstens das A B C der 
Schwimmkunst verstehen! Der Lauf des Wassers läßt 
sich nicht hemmen und der Wille eines civilisirten (groß- 
jahrigen) Volkes nicht brechen. Wer diese Naturgesetze 
nicht kennt und nicht begreift, der kehrt den Spieß gegen 
sich selbst. Das wird der Herr v. Bismarck und mit 
ihm der König von Preußen noch erfahren. Die preu 
ßische Königskrone war vielleicht noch in keiner größeren 
Gefahr als gegenwärtig. 
Eine kluge Regierung geht mit der großen Mehrheit 
des Volks. Nur eine solche Negierung kann auf Dauer 
und gedeihliche Wirksamkeit rechnen. Das sehen wir gar 
herrlich am englischen Volke. Die englischen Minister 
wagen es nie, gegen die entschiedene, klare, öffentliche 
Meinung zu gehen. Und so sollte es bei jedem Volke ge 
schehen, welches eine öffentliche Meinung hat, welches 
nicht ein Volk von Leibeigenen ist. Auch der Kaiser Na 
poleon ist in der Beachtung der öffentlichen Meinung ein 
Muster. Auf der Kenntniß dieser Wahrheit ist sein Thron 
gebaut. Während der König von Preußen durch Benen 
nung derselben eiue längstbegründete Dynastie in Gefahr 
bringt, verstand es Napoleon dadurch eine Krone zu ge 
winnen und durch alle Stürme eines Jahrzehents zu be 
wahren. 
Deutschland. Fürstentum Liechtenstein. (Land- 
tagsverhandlungen.) Sitzung am t(). Juli. Auf 
der Tagesordnung steht zunächst die Berathung der Ant 
wortsadresse an Se. Durchlaucht. 
Präsident Dr. Schadler eröffnet die allgemeine De 
batte. Referent Keßler erhält das Wort und verkiest 
den Kommissionsbericht, welcher folgendermaßen lautete: 
Meine Herren! 
Der Standpunkt, den die Commission bei Entwerfuug 
der Adresse einnahm, war gegeben durch das glückliche 
Einverständm'ß, welches zwischen Fürst und Volk herrscht. 
Nachdem die Beschlüße des ersten außerordentlichen Land 
tages sämmtlich die Sanktion Sr. Durchlaucht erhalten 
haben, darf der gegenwärtige Landtag mit den srohesten 
Hoffnungen an seine Arbeit gehen und zufriedenstellende 
Resultate seiner Wirksamkeit erwarten. Die bereits vor 
gelegten oder doch angekündigten Gesetzentwürfe beruhen 
auf den Bedürfnißen des Landes und athmen den Geist 
besonnenen Fortschritts. Das nach den Grundsätzen des 
§. 22 der Verf. entworfene Gemeindegesetz wird die freie 
Wahl der Ortsvorsteher durch die Gemeindeversammlung, 
die selbstständige Verwaltung des Gemeindevermögens, 
Handhabung der Ortspolizei, die Behandlung und Ord 
nung des Armenwesens und der Schule, das Recht der 
Gemeinde zur Bürgeraufnahme, die Freiheit der Nieder 
lassung der Landesangehörigen in jeder Gemeinde sichern. Die 
weitern Gesetzentwürfe über Erwerbung und Verlust des 
Staatsbürgerrechts, über Wasserrecht u. über Gewerbewesen 
sind geeignet einem längst gefühlten Mangel der Landesgesetz 
gebung abzuhelfen. Die wegen Erneuerung des Zollver 
trags mit der kaiserl. österr. Regierung eingeleiteten Un 
terhandlungen sind zwar noch nicht in das Stadium ge 
rückt, daß sich das Ergebniß derselben schon bezeichnen 
ließe, allein wir haben allen Grund die Erwartung zu 
hegen, daß es der Umsicht der fürstl. Regierung gelingen 
werde, dieselben zu einem günstigen Abschluß zu bringen. 
Die Zolleinnahme ist und bleibt eine der wichtigsten 
Staatseinnahmen. Der 1864er Staatsvoranschlag läßt 
sich erst dann feststellen, wenn das Ergebniß der Zollver 
handlungen bekannt sein wird. Die Commission hält es 
daher für gerechtfertigt, daß das Budget erst später zur 
Vorlage'komme. 
Meine Herren! Es ist Ihnen allen wohlbekannt, daß 
es gegenwärtig zwei Fragen sind, welche ganz Deutsch 
land bewegen und einer baldigen Lösung entgegengehen, 
nämlich: die Erneuerung des deutschen Zollvereins unter 
Beitritt Oesterreichs und die Reform der deutschen Bun 
dcsverfassung. Das Fürstenthum ist zwar in solchen gro 
ßen nationalen Angelegenheiten auf eine sehr bescheidene 
Stellung angewiesen; allein als deutscher Bundesstaat 
hat es nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht 
seine Stimme geltend zu machen. Die Commission hält 
es daher für hinreichend motivirt, daß die Landesvertre-' 
tung ihren nationalen Wünschen unter Hinblick auf die 
geographisch-politische Lage, die es enge mit dem kaiser 
lichen Nachbarstaate verbindet, passenden Ausdruck gebe. 
Die constitutionelle Haltung der fürstl. Regierung ver 
dient die vollste Anerkennung auf Seite der Landesver 
tretung, weßhalb der entsprechende Passus in der Adresse 
l erscheint.
        

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