Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/23/
Vorarlberg. Die„Feldk. Ztg. "vom 13. d. meldet ein 
rühmliches Beispiel religiöser Duldsamkeit. Mittwoch Nach 
mittags 2 Uhr fand "das' feierliche Leichenbegängniß der 
verstorbenen Frau Katharina Rohrer, Gattin des Gast 
gebers zum Ochsen Herrn Ulrich Rohrer statt. Den Lei 
chenzug eröffnete die städtische Blechharmonie. Hierauf 
folgten: Der Knabe mit dem Grabkreuze, der vorarlber 
gische protestantische Pfarrer im geistlichen Ornate, die 
Leiche , die nächsten Angehörigen der Verblichenen, die 
Mitglieder des vorarlberger protestantischen Kirchenrathes 
nebst etwa 50 Protestanten, ferner ein unerwartet großes 
Publikum aus der Stadt und der nächsten Umgebung. 
Auch den protestantischen Frauen, mit welchen der Zug 
endete, hatten sich ungemein viele katholische angeschlossen. 
Der Anfang des LeichenzugeS hatte schon die Hauptwache 
passirt, als sich die Letzten vom Marktplatze erst in Bewe 
gung setzten. Mitglieder fast sämmtlicher Behörden und 
Aemter hiesiger Stadt, des Magistrates und Bürgeraus 
schusses, der Herr Bürgermeister waren beim Kondukte 
anwesend. Auf dem Friedhofe angelangt, sprach der pro 
testantische Herr Pfarrer zuerst das feierliche Weihgebet über 
die künftige Ruhestätte, woraufhin Quardet der hiesigen Lie 
dertafel das ergreifende Lied Uhlands: „DaS ist der Tag 
des Herrn", vortrug. Hatte schon die Einweihungsrede 
in den Zuhörern eine tiefernste Stimmung hervorgebracht, 
so war dies noch mehr bei der Leichenrede selbst der Fall. 
Nicht blos bei vielen Mitgliedern des Frauengeschlechtes, 
selbst bei manchen Männern gab das feuchte Äuge Zeug 
niß von dem ergreifenden Eindruck der Ansprache. Ein 
.Trauerlied schloß den ganzen feierlichen Akt. 
Hamburg, 18. Mai. Der Militärausschuß der 
Bürgerschaft, hat einen Bericht erstattet der ebenso die 
Stellvertretung wie das Werbesystem verwirft, dagegen 
die allgemeine Wehrpflicht ebenso als Recht wie als Ehren 
sache für alle fordert. Der Ausschuß beantragt die Ein 
führung der Schweizer Wehrverfassung, modificirt nach 
der Bundeskriegsverfassung, und legt einen Gesetzentwurf 
vor nach welchem die bewaffnete Macht aus dem Linien 
militär und der Bürgergarde bestehen soll, und jeder Ham 
burger zu einem sechsjährigen Dienst im Militär und zu 
einem ebenso langen in der Bürgergarde verpflichtet ist; 
dabei sollen nur eine Anzahl von Offizieren, Unteroffizie 
ren und Spielleuten Militärs von Beruf sein, während 
alle übrigen nach erlangter Vorbildung in den Volksschu 
len und in Kursen (Unterricht im Turnen und Ererziren 
durch Berufsunteroffiziere) im ersten Dienstjahr drei Mo 
nate, im zweiten einen Monat, im dritten und vierten 
zehn Tage zu Uebungen herangezogen werden; für die 
zweijährige Präsenzzeit sowohl als für die letzten Jahr 
gänge soll ein umfassendes System von Beurlaubungen 
stattfinden. (Z. f. R.) 
Bolkswirthschaftlicher Theil. 
Die Rheinschutzbauten 
haben in den letzten Jahren auch in unserm Landchen so 
bedeutende Dimensionen angenommen, daß sie in ganz 
abnormen Verhältnissen zur Kraft der Bevölkerung stchen. 
Sie smd jedoch durch die Nothwendigkeit geboten. Wie 
oft sahen wit kicht schott knt Schmerzen unsern Grenz- 
Feind^ die ihm im Winter und Frühjahr mit vielem 
Fleiße und großen Opfenl angelegten Fesseln und Ban 
den im Sommer wieder zerreißen un^ 
und Schrecken verbreiten oder gar verheerend in das Land 
einbrechen. Wir sahen, wie kleine Vernachlässigungen im 
Uferschutze oft unberechenbares Unheil nach sich gezogen 
haben. Es möge uns daher in diesem Blatte^) von 
Zeit zu Zeit über die Verhältnisse und wichtigsten Vor 
gänge bei Nheinbauten ein offenes Wort gegönnt sein. 
Am 8. und 9. Juni hat die Lichtenst. Wuhrkommis- 
sion die Rundschau über die pro 1863/63 angeordneten 
Rheinschutzbauten abgehalten. Mit Befriedigung hat dieselbe 
denn auch gefunden, daß die an die sieben wuhrpflichtigen Ge 
meinden gestellten Aufgaben mit nicht geringer Kraftanstren 
gung, beinahe ohne Ausnahme ganz ausgeführt worden 
sind. So verdient beispielsweise die Gemeinde Balzers 
für die gemachten großen Anstrengungen eine lobenswerthe 
Erwähnung. Sie hat nebst den bedeutenden Reparatu 
ren eine mehr als doppelt so lange Strecke (133 Klftr.) 
neues Korrektionswuhr gebaut, als die Kommission ihr 
zur Aufgabe stellte, und damit weit hinunter das alte 
schwache Ufer geschützt. 
Dagegen darf bei dieser Gemeinde auch nicht ver- 
jchwiegen werden, daß sie anderseits durch eigenmächtige 
Unterlassung früher ihr von der WuhrkommiKm angeord 
neter! Arbeiten sich selbst bedeutend geschadet hat. Die 
Folgen davon traten bei der am 11. d. M. stattgefunde 
nen, im Allgemeinen aber für unser Ländchen glücklich 
vorübergegangenen Rheingröße deutlich zu Tage. Wären 
z. B. die letztjährigen Korrektions- und Schutzbauten ge 
genüber Trübbach genau nach dem Willen der Kommis 
sion gebaut worden, so hätten sie zweifelsohne keinen 
Schaden genommen. Denn wäre der Binnendamm beim 
Ansageposten auf die gewünschte Höhe gebracht worden, 
dagegen aber das Wuhr um so viel niedriger geblieben, 
um dem Hintelwasser einen freien Abzug über dasselbe 
zu gestatten, so wäre eine Durchstechung der, unter sol 
chen Umständen die Gefahr einer Überschwemmung mit 
sich ziehenden Schwelldämme nicht nöthig geworden. 
^ Um derartigen Mißgriffen künftigZvorzubeugen, dürfte es 
vielleicht der Wuhrkommission angerathen erscheinen darauf 
hinzuwirken, daß nur diejenigen Bauobjekte mit Subsi- 
dien aus der Landeskasse bedacht werden, welche mit ein 
ander im Zusammenhang stehen und genau nach Anord 
nung der Kommission ausgeführt worden find. 
Der Pegelstand am Rhein erreichte am 11. d. Nachts 
11 Uhr in Vaduz dje Höhe von 8 Fuß 5 Zoll> d.h.er stund 
nun so viel höher als im Winter beim kleinsten Wasser. 
Bis zu dieser Stunde ist der Rhein bereits überall Um 
6 Zoll höher als am 7. Sept. 1862, wo er in Vaduz 
9 Fuß erreichte. WC. 
*) Wir öffnen unser Blatt recht gertte den Berichten der 
Wuhrkomnnssion und glauben utts dadurch deS Beifalls der 
LandeSbewohner zu versichern. ES ist nicht nut löblich, son 
dern eS ist eine Pflicht» daß die Kommission (sowie auch an 
dere) von ,wer Thyigkejt ö ff e n t l L chMchMchaft ablegen. 
Oesfetttlrch kelt m Allem unb ZedM ist eint Cardmalw- 
gend echt koMwtio neller Organe» DR.
        

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