Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/20/
-so- 
Vorarlberg. Der Redakteur der Feldk. Zeitung 
wurde in eine Geldstrafe von 20 fl. zu Gunsten des 
Armensondes der Stadt Feldkirch verurtheilt, wegen Preß 
vergehen, begangen durch „Zusätze und Bemerkungen" 
zu einer amtlichen Berichtigung von Seite des Rektors 
am Gymnasium zu Feldkirch. Der Angeklagte sowohl, 
als die Staatsbehörde haben die Berufung angemeldet.— 
Zu den Berathungen wegen Abänderungen des Konkor 
dats ging der Bischof der Diözese Vorarlberg, Hr. Dr. 
Feßler, vor wenigen Tagen nach Rom. 
— In Baden wird die Todesstrafe abgeschafft 
werden. Man hält diese Strafe weder für rechtmäßig, 
noch für zweckmäßig. Die Todesstrafe sei mit dem Chri 
stenthums in Widerspruch; man könne ein allfälliges Un 
recht nicht wieder gut machen, die Einsperrung genüge 
vollkommen und es gebe andre Mittel um vom Verbre- 
* chen abzuhalten, als die Todesstrafe, solche seien: zweck 
mäßige Strafanstalten, ein gutes Strafverfahren, beson 
ders aber eine sorgfältige Volkserziehung. 
Kurhessen. Zur Hebung der Obstbaumzucht hatte 
man in Kassel mit Genehmigung des Ministeriums eine 
Baumschule von 12 Acker (Zoch) angelegt. Da führt 
der Zufall den Kurfürsten in die Nahe des Gartens. 
Die Umzäunung erregt seine Aufmerksamkeit und er fragt, 
was das zu bedeuten habe. Als ihm erwidert wird, es 
sei die mit Genehmigung des Ministeriums angelegte 
Obstbaumschule, geräth er in heftigen Zorn, daß dies 
ohne seine Genehmigung geschehen sei, und er befiehlt, 
die Anstalt solle augenblicklich beseitigt werden. Wirklich 
ist auch alsbald den Ministerien ein entsprechender Be 
fehl zugegangen. 
Volkswirtschaftlicher Theil. 
Seidenbau. Die Aussichten auf die heurige Sei- 
denernte in Italien haben sich sehr getrübt. Die Rau 
pen, welche aus einheimischem Samen erzogen wurden, 
sind kurz nach dem vierten Schlafe, also vor der Ein 
spinnung, der Krankheit verfallen und abgestorben. Die 
Ernte wird kaum eine mittelmäßige werden. Die Rau 
pen aus schweizerischen Samen blieben dagegen gesund; 
das wird hoffentlich dazu dienen um diesen Samen wie 
der Credit zu verschaffen. Eine neue Seidenraupe, die 
man aus China eingeführt hat, Lomb^x eintki» genannt, 
ist von der Krankheit verschont geblieben. Diese Raupe 
lebt aber nicht von den Blättern des MaulbeerbaumeS, 
sondern von jenen des „Götterbaumes." Bei einem 
Hrn. Groß in Grüningen bei Zürich ist das Tausend 
einjähriger Pflanzen um 20 Frk. zu beziehen. Derselbe 
liefert auch Samen von dieser neuen Raupenart. Wer bei 
uns sich um Seidenzucht interessirt, kann jetzt eine aus 
gezeichnete schöne Raupenzucht bei Hrn. Kirchthaler in 
Vaduz sehen. Derselbe machte einen Versuch mit ^ 
Loth Samen; die Raupen sind schon theilweise am Ein 
spinnen. k. e. 
Verschiedenes. 
Beiträge zur Landesgeschichte. 
I. Geschichte der Sprache. 
Bekanntlich gehörte das Fürstenthum Liechtenstein im 
grauen Alterthum zum Lande der weitberühmten alten 
freien Rhätier. Ob diese das ursprüngliche oder er» 
sie Volk in den Rhätischen Gebirgen und Thälern ge 
wesen, oder ob sie früher Bewohner aus demselben ver 
drängt haben, steht dahin. So viel ist geschichtlich rich 
tig, daß die Rhätier von Nordosten, von den Donau 
Ebenen dem Jnn und Rhein entlang herauf in die Hoch 
gebirge und auch in unsere Thäler und Berge einge 
wandert sind. 
Die Frage:, zu welchem uralten Volksstamme die 
Rhätier gehört haben, wurde in früheren und späteren 
Zeiten, aber verschieden beantwortet. Eine alte, noch jetzt 
beliebte Meinung nennt die Etrusker in Mittelitalien 
als das Stammvolk der Rhätier. Von dorten heraus 
sei einstens eine große Schaar Etrusker, durch die ein 
gebrochenen Gallier aus ihren friedlichen und milden 
Gefilden vertrieben, unter einem Anführer Rhätus in 
die nördlichen Gebirge eingewandert und hätte diesem 
Gebirgslande den Namen „Rhätia" gegeben. 
Die Geschichtsforschung unserer Zeit hat nun diese 
alte Meinung verlassen und verworfen; sie nennt die 
Kelten als das Stammvolk der Rhätier. Die Ge 
schichte erzählt uns also: Noe oder Noah hatte bekannt 
lich drei Söhne: Sem, Cham und Japhet. Japhet's 
erstgeborner Sohn hieß Gomer; dessen Stamm und 
Nachkommen finden wir unter den Namen: Kumri, Ky- 
mer, Kimber zuerst im nördlichen Kleinasien. In der 
Folge theilte sich dieser Stamm in zwei große Stämme, 
wovon der eine Stamm den Namen Kymber beibe 
hielt, der andere aber sich Gälten nannte. Von die 
sen Gälten stammen her die Galen, Gallier, Galaten, 
Kelten. Die Kelten wanderten nach den Alpen und 
Taurenzüge, ließen sich theilweise nieder an der Donau 
und schieden sich wieder in andere Zweigstämme als Tau- 
risker, Wendelecher, Bojer, Noriker und Rhätier. Die 
Noriker blieben in Steiermark und Kärnten, die Bojer 
an der Donau, die Rhätier verließen die Ebenen der Do 
nau und wanderten den südlichen Gebirgen zu und grün 
deten in den nach ihrem Namen genannten Rhätischen 
Alpen ihre neue Heimath. (Fortsetzung folgt.) 
Offert. 
Bei Unterzeichnetem kann ein junger Mensch, welcher 
auch etwas Schulkenntnisse besitzt, unter annehmbaren 
Bedingungen sogleich oder später in die Lehre treten. 
Carl Adelung, 
Schuhmacher in Vaduz. 
Freitag, den 29. Mai 
Mittwoch, den 3. Juni 
Silberkurs« 
,10.35 
110.50 
Druck von Z. Graff'S Wittwe in Feldkirch. 
Herausgegeben von G. Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schädler. 
^>te nächste Nr. erscheint Samstaa den 2«. Juni.
        

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