Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/2/
Gegenpartei, an deren Spitze Mieroslawski steht, kmrch 
gro^e Worte und kurzen Muth, aus dem Jahre tV48 
bekannt, der selbst Diktator fein wollte, verlassen und ver 
rathen und so von den Russen geschlagen. An selbem 
Tage flüchtete er nach Galizien in das gastfreundliche 
Oesterreich, das ihn einige Tage bewachte und dann frei 
gab. In den letzten Tagen sind noch mehrere bedeutende 
Insurgenten-Korps über die österreichische Grenze getre 
ten. Damit ist allerdings die polnische Erhebung noch 
nicht geendet; allein für den Erfolg schwindet die Hoff 
nung. Schon sammeln sich auch die diplomatischen Ra 
ben um die Leiche. Das Neueste ist die Nachricht, daß 
Frankreich vorschlage, aus Polen ein selbstständiges König 
reich und einen der jungen Herzoge von Leuchtenberg 
zum Könige Polens zu machen. Es wird wohl nicht 
so schnell gehen. 
Oesterreich, dem der neue Geist, der es beherrscht, 
auch seine glückliche, zwar neutrale, aber humane Stel 
lung zu Polen eingab, ist wie hier so auch in andern 
Angelegenheiten auf glücklicher Fährte. Es macht Wahr 
heit aus der Konstitution, es sucht die Rechte eigener 
Nationalitäten mit der Nothwendigkeit eines Gesammt- 
staates zü vereinigen; es behauptet mit Würde sein Recht 
in Deutschland, aus dem es sich nicht hinauswerfen läßt; 
es schreitet auf der Bahn neuen konstitutionellen Lebens 
unbeirrt vorwärts. Ein Zeugniß dafür, daß diese Si 
cherheit überall dort gefühlt und anerkannt werde, liegt 
in dem ruhigen und festen Verläufe der 17 Provinzial- 
^andtage, die nun daran sind geschlossen zu werden, und 
lbre Geschäfte gediegen und vertrauensvoll besorgten. 
Heute spricht das vor Kurzem zerschlagene und gedemü- 
tbigte Oesterreich im Rathe der Mächte wieder in voller 
Anerkennung mit. 
Dagegen hat Preußen durch seine Haltung in allen 
fragen, in allen inneren und äußeren, alle sich zu Fein 
den gemacht und Niemanden zum Freunde, selbst Ruß 
land, dem es sich zur Erdrückung der Polen ungerusen 
anbot. Es schloß mit Rußland gegen Polen eine Kon 
vention, deren sich Rußland -heute schämt und die Preu 
ßen heute verleugnet. Wahrhaft!, der Deutsche, der heute 
an Preußen denkt, muß schamroth werden. Absolutistisch 
gesinnt, kokettirt es mit den deutschen Radikalen; liberal 
in Bezug auf Italien, will es die Polen zermalmen; 
nach, der deutschen Herrschaft lüstern, schließt es mit 
Deutschlands Erbfeinden, mit Frankreich und Nußland 
Verträge; den Fortschritt im Munde, ist es. täglich lüstern, 
die Kammer der Abgeordneten zu sprengen! Und dieß 
Preußen sott bestimmt sein, an die Spitze Deutschlands 
;u treten! 
. Vom übrigen Deutschland ist heutz nichts Hervor 
ragendes zu erzählen. Es ist getheilt. .Ein Theil der 
deutschen Staaten verleugnet seine Sympathien mit PrM 
ßen nicht, - auch , da, wo es zum Schaden des ganzen 
Deutschland- seine Verträge- mit dem Wslayde schließt; 
der übrige, jedenfalls bedeutendere Wil hälh.>fest-an sei 
ner eigenen Selbststandigkeit und schließt sich allen?- Guten 
an, selbst. wÄn es-you Oestermch ko natür-^ 
dieser DtaateMuppe ist das.gutregievte ynd 
gWiche. Mery.^ ^ ^ ^ 
Deutschland. 
I Fürstenthum Liechtenstein. (Landtagsver- 
' handlungen.) Der Schluß des ersten Landtags steht 
bevor. Bisher waren wir durch den Mangel einer eige 
nen inländischen Zeitung gehindert, über die Verhand 
lungen ausführlicheren Bericht zu geben. Die Landes 
zeitung gibt uns nun Gelegenheit, eine Pflicht zu erfül 
len, welche uns das durch die Verfassung vom 26. Sept. 
v. I. eingeführte konstitutionelle System auferlegt. 
Am 29. Dezember 1862 wurde der Landtag von 
dem landesfürstl. Kommissär, Herrn Landesverweser Hau 
sen mit folgender Anrede eröffnet: 
Hochgeehrte Versammlung der Landtagsabgeordneten! 
Von Seiner hochfürstlichen Durchlaucht durch eine 
besondere h. Vollmacht am 5. Dezember 1862 beauftragt, 
habe ich die Ehre, in höchst dessen Namen den Landtag 
auf Grund des neuen Verfassungsgesetzes zu eröffnen. 
Das befriedigendste Gefühl sowohl für die Organe 
der Regierung als auch für jene des Landtages ist hie- 
bei ohne Zweifel, daß die Erwartungen und Wünsche 
des Landes bei der neuen Ordnung der Verfassungsan- 
gelegenheiten so sehr mit den landesväterlichen Absichten 
unseres durchlauchtigsten Landesfürsten übereinstimmten, 
daß es Höchstdemselben möglich war, dem Verfassungs 
werke die Ausbildung angedeihen zu lassen, welche der 
Regierung und der Landesvertretung ein so entsprechen 
des, sich gegenseitig ergänzendes Gebiet von Rechten und 
Pflichten überweiset, das bei einem gegenseitigen Zusam 
menwirken das Gedeihen der Wohlfahrt des Fürsten- 
thumes verbürgt. 
Die Regierung ist hiedurch zu ihrer eigenen Genug 
thuung in die Lage versetzt, ihre Wirksamkeit öffentlich 
darzulegen und über ihr Gebaren im Staatshaushalte 
gegenüber dem Landtage Nachweise zu liefern, den Herrn 
Abgeordneten wird aber anderseits die Gelegenheit gebo 
ten, ihre vielseitigen Erfahrungen zur Unterstützung der 
Regierug und zum Nutzen des Landes in ersprießlichster 
Weise anzuwenden. 
Stets ihrer aufhabenden Pflichten bewußt, ist die Re 
gierung von der Ueberzeugung durchdrungen, daß sie 
Nichts versäumte, um in Allem den ernstlichen Willen, 
das geistige und materielle Wohl der Bevölkerung zu för 
dern, bethätigt zu haben. Sie hat gethan, was in ihren 
Kräften stand, um die wichtigsten Landesfragen der Ge 
genwart entweder einer allgemeinen befriedigenden Lösung 
zugeführt zu wissen, oder doch deren baldige Realisnung 
zu ermöglichen. 
Und wie bisher, wird sie auch in der Zukunft be 
müht sein, für die Interessen des Landes sowohl im Ver- 
! kehre mit auswärtigen Regierungen als auch nach Innen 
, thatkräftig einzustehen, und auf die Hebung des vdlks- 
! wirthschaftlichen Wohlstandes unseres kleinen Staates 
dllrch die allmähliche Verbesserung der Gesetzgebung, durch 
j eine möglichste Herabminderung der Staatsauslagen"und 
durch Aufsuchen neuer Einkommenquellett hinzuwÄKD 
Wollen Sie daher, meine Herren Abgeordneten dör 
i fürstlichen Regierung eine wohlwollende MjeWtzuü'AM 
Theil cherven lassen und ^ ihrHre schweren WkHtett durch 
ein' vettMen.^ ^rleichÄtt. ,
        

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