Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/17/
Licchtenstci 
Vaduz, Samstag 
Nro. S. 
den 6. Juni 1863. 
Dieses Vlatt erscheint monatlich regelmäßig 2mal, nur zur Zeit der Landtagsverhandlungen öfter, und kostet für das Fürsten- 
thum Liechtenstein ganzjährig t fl., auswärts 1 fl. 50. — Einrückungsgebühr für die gespaltene Zeile 4 Nkr., im Wiederholungsfalle 
S Nkr. Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion. — Gesetze und Verordnungen erscheinen in einer Beilage, wofür 
ganzjährig 50 Nkr. ferner zu bezahlen find, — alle amtlichen Anzeigen und Bekanntmachungen werden im Hauptblatt abgedruckt. 
Politische Umschau. 
Der preußische Landtag ist, wie erwartet, am 27. 
Mai geschlossen worden. Ein ferneres Zusammengehen 
der zweiten Kammer mit den Ministern war unmöglich. 
Die Abgeordnetenversammlung wandte sich in einer Adresse 
an den König und verlangte die Entfernung dieser Mi 
nister, für welche augenscheinlich die Verfassung keine Be 
deutung hat. Der König erklärt: „Die Minister haben 
mein Vertrauen, ihre Handlungen meine Zustimmung. 
Ich danke ihnen, daß sie der Machterweiterung des Hau 
ses entgegengetreten sind." Durch diesen Akt des Königs 
ist der Verfassungsstaat auf gleiche Stufe gestellt mit dem 
Nichtversassungsstaat. Es ist nicht abzusehen, wie sich 
die preußische Regierung gegenüber dem klaren Buchsta 
ben des Gesetzes mit ihrem guten Gewissen abfinden 
kann. Was die Gegner auch sagen, soviel ist gewiß, die 
Abgeordneten reisen in die Heimath mit dem sichern Be 
wußtsein der Zustimmung ihrer Wähler. Während dieser 
Kammer im Lause von 4 Monaten 318 Vertrauens 
adressen mit ^ Mill. Unterschriften zugegangen sind, 
kamen ihr nur 9 Mißtrauensadressen mit 4000 Unter 
schriften zu. Es ist nicht wahr, daß diese Kammer nach 
Machterweiterung strebte, sie hielt sich streng auf die Ver 
theidigung ihres Rechtes beschränkt; es waren keine Bar 
rikaden von diesen Männern zu erwarten. Die preußi 
sche Regierung aber verfolgt eine selbstmörderische Politik; 
sie verlor das Vertrauen der Mächte, sie brachte sich um 
alles Ansehen in Deutschland und sie bereitet dem Ge- 
sammtvaterland die schwersten Unglücksschläge. „Gott 
schütze das Vaterland", waren die letzten Worte des Prä 
sidenten Grabow. — 
Der polnische Aufstand dauert fort nach allen Nie 
derlagen und nach den ungeheuersten Opfern welche er 
von der Nation fordert. Dieser untilgbaren Vaterlands 
liebe , dieser Tapferkeit kann man die Anerkennung nicht 
versagen. Kein Pole machte von der Verzeihung deS 
Kaisers Alexander Gebrauch, mit erneuter Kraft begann 
der Kampf. „Polen muß und wird frei werden! Im 
Namen GotteS, vorwärts! Es lebe Polen! Sieg oder 
Tod!" Das sind die Schlußworte einer Ansprache an 
die polnischen Streiter. Und doch ist der Stand der pol 
nischen Angelegenheit noch immer derselbe hoffnungslose. 
Die Aussicht auf eine Unterstützung von Seite Frank 
reichs ist äußerst schwach. 
Deutschland. Fikstenthum Liechtenstein. (Land- 
tagsverhandlungen. Fortsetzung.) Der Zehent für 
die ehemalige untere Hofkaplanei, nunmehr Curatie Va 
duz, umfaßt die gewöhnlichen Feldfrüchte, d. i. Wein, 
Körner, Erdäpfel, Obst, Hanf zc., wovon die h. Herr 
schaft ^ und die Vaduzer Curatiepfründ ^ bezieht. 
Von dem Neubrüchzehent der Vaduzer Feldlagen bezieht 
die h. Herrschaft /z und das Domkapitel in Chur als 
pAroeliusl Iisbituali« in Schaan 2/z. 
Von dem Zehent auf Rothenboden, Gemeinde Tries- 
nerberg, bezieht die Vaduzer Pfründ U, die Schaaner 
Pfarre ^/g und die TrieSnerberger Pfründ ^/g. An dem 
Zehent zu Vaduz diesseits des Mühlbaches an Walzen 
und Korn gebührt den Johann Rheinberger'schen Erben 
ein Antheil, den sie in jährlichen 6 fl. R.W. beziehen. 
Der Zehent in Schaan besteht in Wein, Strohkorn, 
Türken, Erdäpfel, Hanf, Rüben und Obst. Von diesem 
Zehent hat die Schaaner Pfarrei in allen ältern Feldern 
der Gemeinde Schaan die Curatie Vaduz ^ und 
die h. Herrschaft Von den Reubrüchen in Schaan, 
Vaduz und Planken hat die h. Herrschaft ^ und das 
Domkapitel in Chur welche dem Pfarrer in Schaan 
überlassen sind. Alleinzehentherr ist die Pfründ Schaan 
von dem Zehent im Vaduzer Aeule, dann vom Obstze- 
hent zu Schaan und Planken. Sie bezieht ferner 
von dem übrigen Vaduzer Zehent. Das Domkapitel in 
Chur bezieht den Zehenten allein von den Früchten in 
der Vaduzer Au, dann vom Schaaner Neugut, Neufeld 
und Mühleholz. Der Weinzehent in Schaan gehört der 
Pfarre allein, mit Ausnahme des Weingeländes im Neu 
gut, wo der Pfarrer U und die fürstl. Domänenver 
waltung i/z bezieht. 
Vom Weinzehent in Vaduz bezieht die sürstl. Do 
mänenverwaltung den 18. Theil zum Voraus; von dem 
Reste desselben hat sie noch ^/z, die Pfarre Schaan /z 
und die Vaduzer Curatie 
Von dem St. Johanner Fruchtzehenten in den alten 
Feldern von Schaan und Planken bezieht die h. Herr 
schaft V/ig; von dem Hanf und Flachszehent Con- 
decimatoren sind die Schaaner Pfarrpfründe mit ^ an 
Frucht und ^ an Hanf und Flachszehent; ferner die 
Curatie Vaduz mit ^ Frucht und Hanfzehent. 
Der Großzehent in Eschen, welcher ehemals dem 
Kloster Pfäfers gehörte, ist der Gemeinde im Jahre 1861 
gegen Uebernahme der darauf ruhenden Lasten überlassm 
worden. Den Kleinzehent hat die Gemeinde längst an 
sich gebracht und bezieht ihn selbst. 
Den Großzehenten in Mauren, an Halmfrüchten, 
Türken , Gerste zc. bezieht das fürstl. Rentamt hier mit 
dem Pfarrer in der Art, daß die ganze Zehentlage in
        

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