Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1863
Erscheinungsjahr:
1863
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1863/12/
gers an. Knochen z. B. können ein sehr langsam oder 
sehr rasch wirkender Düngstoff sein; es kommt auf den 
Zustand der Löslichkeit an, in welchem sie zur Verwen 
dung kommen. Ein ganzer Knochen kann viele, viele 
Jahre in der Erde liegen, ehe er zum wirkenden Dünger 
wird; zu Mehl zerstoßen und dieses durch Schwefelsäure 
aufgeschlossen, macht er gewöhnlich gleich das erste Jahr 
überraschende Wirkung. 
Soll aber der Dünger beim Baume möglichst rasch 
wirken, so muß er nicht nur in leicht löslichem Zustande 
gegeben, sondern er muß auch denjenigen Organen des 
Baumes, durch welche dieser Nahrung aus der Erde auf 
zunehmen vermag, so nahe gebracht werden, daß die Auf 
nahme wirklich erfolgen kann. Diese Organe des Bau 
mes sind die Saug-, Haar- oder Faserwurzeln, an deren 
Enden die zur Ausnahme der dargebotenen Nahrung ge 
eigneten Wurzelschwämmchen mit ihren vielen Zellen sich 
befinden. Bemerkte Saugwurzeln liegen aber bei erwach 
senen Bäumen niemals in der Nähe des Stammes, son 
dern am Ende der Hauptwurzeln. Hieraus ergibt sich 
nun von selbst, wo der Dünger angebracht werden muß, 
wenn er dem Baume unmittelbar zu gute kommen soll: 
nämlich in der Nähe der Saugwurzeln. An an-, 
dern Orten zugelegt oder zugelassen, kommt der Dünger 
wohl dem Boden aber nicht unmittelbar dem Baume zu 
gut, da die im Dünger befindlichen mineralischen Bestand 
theile unbeweglich sind, also im Boden so lange an dem 
Orte, wo sie eingelegt wurden, verbleiben, bis sie durch 
Umarbeitung des Bodens an eine andere Stelle kommen. 
Gelangt nun durch weiteres Wachsthum zufällig eine 
Wurzel des Baumes später an einen solchen Ort, wo sich 
derartige unbewegliche Düngerbestandtheile als: Kali, Kalk, 
Kiesel, Phosphor u. a befinden, oder werden genannte 
Bestandtheile durch mechanische Bodenbearbeitung in die 
Nähe der Wurzeln gebracht: so hat der Baum davon 
Nutzen; aber dies ist sehr unsicher und vom Zufalle ab 
hängig. Wir aber wollen den Dünger nicht vergeuden 
oder seine Wirkung dem trügerischen Spiele des Zufalles 
anheimstellen; wir wollen, uns dessen bewußt, und 
des Erfolges gewiß, ein sicheres Ergebniß ha 
ben. Darum bringen wir die Düngstoffe an den Ort, 
wo sie wirken müssen und sogleich wirken, an 
die Saugwurzeln des Baumes nämlich. 
Zu diesem Zwecke nun, um den Dünger an die Saug 
wurzeln bringen zu können, wird auf die halbe Kron 
weite rings um den Baum ein kleiner Graben aufge 
worfen oder es werden auf genannte Entfernung mehrere 
Löcher gegraben oder mit einem Pfahle eingestossen und 
in den Graben oder die Löcher wird der Dünger einge 
gossen oder eingelegt; nachher werden die Vertiefungen 
mit der aufgeworfenen Erde wieder zugedeckt. Beim Auf 
graben sind die Saugwurzeln möglichst zu schonen. Zum 
leichteren Verständniß füge ich noch Folgendes bei. Hätte 
z. B. die Krone eines Baumes nach einer Seite hin 6 
Fuß Ausdehnung, wäre also die ganze Kronweite 6 Fuß, 
so würde etwa auf 3 Fuß Entfernung vom Stamme 
der ewähnte kleine Graben gezogen; denn hier würde 
man schon auf viele Saugwurzeln treffen. Bei alten 
Bäumen wird der Graben verhältnißmäßig weiter vom 
Baumstamme entfernt zu ziehen sein. Zum Behufe völ 
liger Sicherheit können auch zwei solcher Gräben, etwas 
entfernt von einander, gezogen werden. 
Es geschieht noch häufig, daß man den Bäumen im 
Vorwinter Dünger gibt und denselben unmittelbar um 
den Stamm legt. Welchen Werth dieses Verfahren hat 
ist nach dem Vorausgegangenen klar. Der Dünger wirkt 
in dieser Jahreszeit nicht, weil die Lebensthätigkeit des 
Baumes geschlossen ist; er kommt aber auch später dem 
Baume nicht zu gut, weil er nicht an die Saugwurzeln 
desselben gelangt. Wer überflüssig Dünger hat und von 
demselben keine bestimmte Wirkung haben will, der mag 
in solcher Weise fortfahren. Wer aber seinen Dünger 
zu Rathe halten will und muß und denselben für den 
gesetzten Zweck möglichst nutzbringend zu verwenden trach 
tet, der möge darüber nachdenken, auf welchem der an 
gedeuteten Wege dies am ehesten zu erwarten ist. Eigen 
ist es übrigens: Beim Weinstocke, dem Mais (Türken), 
der Kartoffel verwendet man den Dünger ganz richtig 
nach dem Grundsatze: Man muß die Pflanze düngen, 
indem man den Dünger nahe an die Saugwurzeln legt; 
nur beim Baume macht man noch so vielfache Ausnahme 
hievon und verwendet dabei den Dünger noch meist un 
zweckmäßig und nutzlos, während man allerwärts über 
Mangel an Dünger klagen hört! 
Vaduz, 12. Mai 1863. Hingr, Oberlehrer. 
Anzeige n. 
Bekanntmachung. 
Von der fürstlichen Domänenverwaltung wird hiemit 
bekannt gemacht, daß Mittwoch den 27. dies Mo 
nats in dem f. Haus zu Guttenberg bei Balzers 
mehrere Jnventargegenstände, wie: Küchengeschirr, Glas 
waaren, Leinwand, Fußteppiche, Betten, Roßhaar- und 
Federmatratzen, gereinigtes Roßhaar, Bettstellen, Bett 
schränke, Sesseln, Eßbesteck, Bücher u. dgl. gegen gleich- 
baare Bezahlung an die Meistbiether hintangegeben 
werden. 
Kauflustige werden hiezu mit dem Beifügen einge 
laden, daß die Versteigerung am genannten Tage Vor 
mittags 9 Uhr beginnen wird. 
Vaduz, den 12. Mai 1863. 
Urbanek, Verwalter. 
Silberkurs. 
Freitag, den 8. Mai 110.75 
Mittwoch> den IS. Mai 110.2s 
Herausgegeben von G. Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: Dr. Schädler. 
Druck von Z. Graff'S Wittwe in Feldkirch.
        

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