Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000079678/262/
Grundsätze des Verwaltungsverfahrens ständig, so leidet die getroffene Verfügung, unabhängig vom Inhalt der angefochtenen Entscheidung, an einem derart schweren Mangel, dass sie gar nie entstehen konnte: Sie ist nichtig108. Die Nichtigkeit ist von Am­ tes wegen109 oder auf Parteiantrag110 nur noch festzustellen; sie kann stets geltend gemacht werden111. Hat eine unzuständige Instanz eine Entscheidung gefällt, so kann die zuständige Instanz diesen Mangel nicht einfach mit ihrer Zustimmung zum Entscheid heilen: Ein nichtiger Verwaltungsakt kann nicht durch nachträgliche Zustimmung der zu­ ständigen Instanz in einen gültigen verwandelt werden112. Die 
sachliche Zuständigkeit einer Behörde umfasst die Behandlung und Erledigung derjenigen Sachaufgaben, die ihr durch Gesetz und Ver­ ordnung aufgegeben sind. Das Unterscheidungskriterium ist also ein in­ haltliches, indem das Gesetz entweder in einer Generalklausel alle Auf­ gaben zuweist oder taxativ bestimmte Aufgaben in einer Behörde fest­ legt. Die 
örtliche Zuständigkeit bestimmt den Aufgabenkreis einer Behörde nach räumlichen und geographischen Gesichtspunkten. Diese jeweils von der Rechtsordnung festgelegte Zuständigkeitsordnung ist keine Befugnis, welche "die Behörde nach subjektivem Belieben aus­ üben oder nicht ausüben kann"113. Deshalb kann die Zuständigkeit grundsätzlich nicht auf eine andere Instanz übertragen werden. Davon gibt es freilich die Ausnahme der 
Delegation und des 
öffentlichrecht- 108 Vg|. Art. 106 Abs. 1 lit. b LVG und dazu VBI 1996/22, Entscheidung vom 20.6.1996, LES 1997, S. 50 (54); VBI 1995/35, Entscheidung vom 30.8.1995, LES 1995, S. 144; VBI 1993/60, Entscheidung vom 30.3.1994, LES 1994, S. 119 (120); StGH 1982/117, Urteil vom 9.2.1983, LES 1985, S. 5; VBI 1994/46, Entscheidung vom 23.11.1994, LES 1995, S. 45 (46); LGVK G 20/76, Entscheidung vom 10.11.1976, ELG 1973-78, S. 108 (110); StGH 1987/10, Urteil vom 2.5.1988, LES 1988, S. 102 (105); vgl. ferner den Sachverhalt bei VBI 1984/32, Entscheidung vom 3.10.1984, LES 1985, S. 44; StGH 1974/1, Urteil vom 27.5.1974, ELG 1973-78, S. 364 (365). 109 Vgl. Art. 100 Abs. 5 LVG und dazu VBI 1995/27, Entscheidung vom 10.5.1995, LES 1995, S. 83 (84); VBI 1996/11, Entscheidung vom 29.5.1996, LES 1997, S. 46 (48); VBI 1996/22, Entscheidung vom 20.6.1996, LES 1997, S. 50 (53). Ein Beschwerdeantrag ist zur Nichtigerklärung nicht erforderlich, so auch generell zum Verfahren vor der Ver­ waltungsbeschwerdeinstanz, vgl. VBI 1995/48, Entscheidung vom 10.7.1995, LES 1995, S. 144. 110 Vgl. VBI 1995/35, Entscheidung vom 30.8.1995, LES 1995, S. 144 (147). 111 Vgl. StGH 1982/117, Urteil vom 9.2.1983, LES 1985, S. 5, der die Verfügung nichtig zu erklären hat. Diese "Erklärung" ist aber rein deklaratorisch; die Verfügung ist nie gültig entstanden. 112 Vgl. Ernst Forsthoff, Lehrbuch des Verwaltungsrechts, 9. Aufl., München/Berlin 1966, S. 219; VBI 1995/35, Entscheidung vom 30.8.1995, LES 1995, S. 144 (147). 113 Antoniolli/Koja, S. 333 f. 262
        

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