Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000079678/251/
Rechtsstaatliche Verfahrensgarantien 3. Anspruch auf rechtliches Gehör Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs leitet sich aus der Rechts­ gleichheit gemäss Art. 31 Abs. 1 Satz 1 LV ab und ist in Art. 6 Abs. 1 EMRK in Gerichtsverfahren ausdrücklich geschützt43. "Dieser An­ spruch gründet in der Auffassung, dass die einzelnen in einem staatli- 1 chen Verfahren nicht blosse Objekte, sondern Verfahrenssubjekte sind und in dieser Eigenschaft durch aktives Mitwirken ihre Rechte wahren können"44. Der Anspruch auf rechtliches Gehör garantiert dem einzel­ nen, in einem Gerichts- oder Verwaltungsverfahren mit seinem Begeh­ ren angehört zu werden, Einsicht in die Akten zu erhalten und sich zu den wesentlichen Punkten eines belastenden Entscheids äussern zu kön­ nen, also sich zum Sachverhalt in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zu äussern45. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist in den Art. 64 Abs. 3 und Art. 81 Abs. 1 LVG zumindest für den Teilbereich des Verwaltungs­ verfahrens positivrechtlich verankert. So hält namentlich die letztere Bestimmung fest, dass die Regierung im Schlussverfahren ihre Ent­ scheidung nicht auf Tatsachen und Beweismittel stützen darf, von denen den beteiligten Personen nicht Kenntnis gegeben und nicht Gelegenheit zu ihrer Äusserung, sei es im Ermittlungsverfahren oder sei es im Schlussverfahren, geboten worden ist. Das rechtliche Gehör umfasst folgende Aspekte46: - den Anspruch auf Kenntnisgabe und -nähme, d.h. Information von allen wesentlichen Tatsachen und Beweismitteln47; " Vgl. StGH 1992/8, Urteil vom 23.3.1993, Les 1993, S. 77 (79); StGH 1987/18, Urteil vom 2.5.1988, LES 1988, S. 131 (133); StGH 1991/12a und 1991/12b, Urteil vom 23.6.1994, LES 1994, S. 96 (98). Noch in StGH 1978/1, Entscheidung vom 12.6.1979, LES 1980, S. 25 ff. (28) hatte der Staatsgerichtshof nebenbei bemerkt, dass das Gehör kein verfassungsmässiges Recht sei. Die nicht eben geradlinige Entwicklung der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofs hat Höfling, S. 245—247 nachgezeichnet und kritisch beleuchtet, vgl. ferner Hoch, Verfahrens­ garantien, S. 115 f. " VBI 1994/20, Entscheidung vom 13.7.1994, LES 1994, S. 135 (136); ähnl. auch StGH 1996/6, Urteil vom 30.8.1996, LES 1997, S. 148 (152). "5 Vgl. StGH 1991/12a und 1991/12b, Urteil vom 23.6.1994, LES 1994, S. 96 (98); StGH 1996/6, Urteil vom 30.8.1996, LES 1997, S. 148 (152); StGH 1992/8, Urteil vom 23.3.1993, LES 1993, S. 77 (79); VBI 1994/20, Entscheidung vom 13.7.1994, LES 1994, S. 135 (136); VBI 1996/74, Entscheidung vom 10.1.1997, S. 11, Erw. II.c), nicht ver­ öffentlicht; VBI 1996/5, Entscheidung vom 3.4.1996, LES 1996, S. 142 (144). <6 Vgl. die etwas kürzere Liste bei Höfling, S. 248. 4? Vgl. Art. 81 Abs. 1 LVG; Höfling, S. 248. 251
        

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