Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000079678/247/
Rechtsstaatliche Verfahrensgarantien Art. 13 EMRK. Danach darf das Beschwerderecht nicht nur formeller Art sein, sondern muss einen tatsächlich wirksamen Gehalt in Form ei­ ner Sachentscheidung haben17. Formelle Rechtsverweigerung liegt vor, wenn ein Anspruch auf ein Verfahren besteht und die Behörde sich weigert, dieses trotz des Begeh­ rens eines Berechtigten an Hand zu nehmen und zu behandeln. Sei es, dass die Behörde die Behandlung des Begehrens ablehnt oder sei es, dass sie das Gesuch stillschweigend nicht behandelt18. Das Verbot der Rechtsverweigerung erfasst die schlichte Untätigkeit einer Gerichts­ oder Verwaltungsbehörde, die ein Urteil, einen Beschwerdeentscheid oder einen Verwaltungsakt erlassen müsste. Eine 
Rechtsverweigerung kommt aber nicht nur zustande, wenn die Behörde untätig bleibt, sondern auch, 
wenn sie nicht im gesetzlich geforderten Mass tätig wird. Dies trifft zu, wenn der entscheidungs­ relevante Sachverhalt überhaupt nicht oder fehlerhaft abgeklärt wird19 oder die Kognition unzulässigerweise beschränkt wird20. So muss die Verwaltungsbeschwerdeinstanz alle Tatsachen-, Rechts- und Ermessens­ fragen überprüfen (Art. 100 Abs. 2 LVG)21. Eine rechtliche oder fak­ tische Bindung an vorinstanzliche Entscheide würde eine formelle Rechtsverweigerung beinhalten22. Gleichwohl bedeutet es keine for­ melle Rechtsverweigerung, wenn die Regierung als Beschwerdeinstanz auf die besondere Sachkenntnis der Gemeindebehörden, welche die ört- 17 Vgl. StGH 1994/26, Urteil vom 27.6.1996, LES 1996, S. 195 (202); StGH 1989/5, Urteil vom 3.11.1989, LES 1990, S. 48 (51 f.); StGH 1982/31, Urteil vom 15.10.1982, LES 1983, S. 105; StGH 1982/31/V, Urteil vom 10.2.1983, LES 1983, S. 118 f. In StGH 1988/4, Ur­ teil vom 30./31.5.1990, LES 1991, S. 1 (4) definiert der Staatsgerichtshof die Rechts­ verweigerung als eine schwere Verletzung des formellen Rechts (unter Hinweis auf StGH 1961/1, Urteil vom 12.6.1961, nicht veröffentlicht); VBI 1996/74, Entscheidung vom 10.1.1997, S. 11, Erw. II.c), nicht veröffentlicht. 18 Grundlegend StGH 19?l/12a und 1991/12b, Urteil vom 23.6.1994, LES 1994, S. 96 (97) unter Hinweis auf Müller, Grundrechte, S. 261 f.; StGH 1995/5, Urteil vom 27.6.1996, LES 1997, S. 1 (8); StGH 1989/14, Urteil vom 31.5.1990, LES 1992, S. 1 (3); StGH 1978/3, Urteil vom 24.4.1980, LES 1980, S. 28 (31). " Vgl. StGH 1961/1, Entscheidung vom 12.6.1961, S. 5, nicht veröffentlicht; VBI 1996/74, Entscheidung vom 10.1.1997, S. 11, Erw. II.c), nicht veröffentlicht. 20 Vgl. StGH 1991/12a und 1991/12b, Urteil vom 23.6.1994, LES 1994, S. 96 (97). 21 Vgl. VBI 1955/2, ELG 1955-61, S. 21; VBI 1954/9, ELG 1947-54, S. 5; StGH 1978/11, Entscheidung vom 11.10.1978, LES 1981, S. 99 (102). 22 A.A. VBI 1964/19, Entscheidung vom 12.1.1966, ELG 1962-66, S. 7; VBI 1961/8, ELG 1955-61, S. 20 f.; VBI 1954/10, ELG 1947-54, S. 5; vgl. aber VBI 1960/11, ELG 1955-61, S. 20, wo die drei Instanzen verschiedene Meinungen vertraten, schloss sich die Ver­ waltungsbeschwerdeinstanz der lokalen Behörde, der Gemeindevorstehung, an. 247
        

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