Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000079678/206/
Rechtsgleichheit Kriterium für die Beurteilung unterschiedlicher Behandlungen in der Gesetzgebung14: Der Gesetzgeber ist an die Verfassung gebunden. "Insbesondere darf kein Gesetz erlassen werden, wenn es sich nicht auf ernsthafte sach­ liche Gründe stützen lässt, sinn- und zwecklos ist oder rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund nicht ersicht­ lich ist. Ein solcher Erlass widerspräche dem Gleichheitsgrundsatz von Art. 31 LV bzw. dem darin enthaltenen Willkürverbot". Nach einer anderen Formulierung des Staatsgerichtshofes fordert die Rechtsgleichheit bei der Gesetzgebung eine sachliche Differenzierung nach "objektiven Merkmalen"15. "Nach der gefestigten Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes ist der Gleichheitsgrundsatz nicht nur bei der Rechtsanwendung, sondern auch bei der Rechtsetzung zu berücksichti­ gen. Auch und gerade der Gesetzgeber darf keine sachlich ungerechtfer­ tigte Differenzierungen vornehmen, durch die bestimmte Personenkate­ gorien bevorzugt oder benachteiligt werden"16. In diesem Sinne wurde eine Regelung als verfassungswidrig aufgehoben, welche nur den Unfall­ versicherungsrentnern mit mehr als 40%iger Invalidität einen Teue­ rungsausgleich gewährte17. Die Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes lehnt sich direkt an die Praxis des österreichischen Verfassungsgerichts­ hofes zur Rechtsgleichheit an. Nach der ständigen österreichischen Rechtsprechung gestattet der Gleichheitsgrundsatz nur sachlich gerecht­ fertigte Differenzierungen18. Eine Differenzierung ist nur '"sachlich be­ gründet', wenn sie nach objektiven Unterscheidungsmerkmalen ('aus Unterschieden im Tatsächlichen') erfolgt. (...) Der Gesetzgeber ist dem­ 14 StGH 1987/21 und 1987/22, Urteil vom 4.5.1988, LES 1989, S. 45 (47). Vgl. ferner VBI 1995/14, Entscheidung vom 12.4.1995, LES 1995, S. 76 (77); VBI 1996/17, Entscheidung vom 29.5.1996, LES 1997, S. 40 (45); vgl. auch die etwas andere Formulierung in StGH 1963/1, Urteil vom 17.10.1963, ELG 1962-66, S. 204 (206). 15 StGH 1963/1, Urteil vom 17.10.1963, ELG 1962-66, S. 204 (206). 16 StGH 1988/21, Urteil vom 27.4.1989, LES 1989, S. 129 (131); Gutachten des Staats­ gerichtshofes vom 15.7.1952, ELG 1947-54, S. 163 f. sowie Gutachten vom 1.9.1958, ELG 1955-61, S. 131. 17 Vgl. StGH 1988/21, Urteil vom 27.4.1989, LES 1989, S. 129. 18 Vgl. z.B. VfGH v. 3.3.1995, Urteil B 816/94, ÖJZ 1996, S. 476; VfGH v. 13.10.1993, G 248/91, ÖJZ 1995, S. 276; VfGH v. 2.12.1993, G 175, 176/92, ÖJZ 1995, S. 277 (278); VfGH v. 11.3.1994, G 73/93 u.a., ÖJZ 1995, S. 471 (472); VfGH v. 23.6.1993, G 250/92, ÖJZ 1994, S. 670 (671); VfGH v. 18.12.1993, G 227/92, ÖJZ 1994, S. 677; VfGH v. 13.10.1992, G 10/92, ÖJZ 1993, S. 671; VfGH v. 18.12.1992, ÖJZ 1993, S. 775 (777). 206
        

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