Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000079678/19/
Geschichtliche und begriffliche Einführung sehe allgemeine Verwaltungsrecht bildete sich heraus. Diese Entwick­ lung wurde durch die Tatsache begünstigt, dass der Conseil d'Etat als zentrale Instanz für ganz Frankreich zuständig war und ihm ausgewie­ sene Fachleute angehörten, die durch ihr Schrifttum die Ausbildung des allgemeinen Verwaltungsrechts noch unterstützten. Das Verwaltungs­ recht unterschied sich darin wesentlich vom Zivilrecht, welches nur über ein Kassationssystem zusammengehalten wurde. Das in Frankreich weit entwickelte Verwaltungsrecht wurde durch den elsässischen Rechtsanwalt Otto Mayer (1846-1924), später Profes­ sor in Strassburg und Leipzig, für Deutschland rezipiert. Es hat sich mit den eigenständigen Wurzeln des Verwaltungsrechts ("PolizeyWissen­ schaft" und Kameralistik) der konstitutionellen Monarchien7 und den Forderungen der Rechtsstaatsbewegung8 eigentümlich vermengt. Mayer hat sich als eigentlicher Schöpfer des deutschen Allgemeinen Ver­ waltungsrechts stark an die französische Praxis und Wissenschaft ange­ lehnt. Davon zeugt die erste Auflage seines zweibändigen Werks "Deut­ sches Verwaltungsrecht" (Leipzig 1895/1896)9: "Nichts wäre verfehlter als zu glauben, die Idee des Rechtsstaates sei eine ganz besondere deutsche Eigentümlichkeit. Sie ist uns in allen wesentlichen Grundzügen gemeinsam mit unseren Schwesterna­ tionen, welche die gleichen Entwicklungsstufen durchgemacht haben; insbesondere mit der französischen, mit welcher das Schicksal uns nun einmal trotz alledem geistig zusammengebunden hat. Sollen wir das Wesen dieses Rechtsstaates hier noch einmal zu­ sammenfassen, so mögen wir immerhin von ihm sagen, dass er seine Wirksamkeit gegenüber Untertanen bestimmt in der Weise des Rech­ tes, dass er eine Rechtsordnung und Rechte der Untertanen aner­ kennt und aufrecht erhält auch in der Verwaltung. Greifbare Merk­ male erhält er erst durch die besondere Art und Weise, wie er das be­ werkstelligt. Diese stellt sich dar in gewissen Grundregeln, die ihm eigentümlich sind, Regeln von verschiedener Natur: zum einen Teil 7 Vgl. Adamovich/Funk, S. 80 f.; Wolff I, S. 56 ff.; Ernst Hellbling, Österreichische Ver- fassungs- und Verwaltungsgeschichte, 2. Aufl., Wien/New York 1974, S. 331. 8 Allen voran sind hier Otto Bähr und Rudolf Gneist zu nennen, vgl. Kley, Rechtsschutz, S. 49 f., 155 ff. 9 2. Aufl. 1914/1917; 3. Aufl. 1924. 18
        

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