Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000079678/104/
Auslegung des Verfassungs- und Verwaltungsrechts 3. Echte Lücken Eine echte Lücke liegt vor, wenn ein Gesetz eine für dessen Anwendung notwendige Frage nicht beantwortet. Die Verwaltungsbeschwerde­ instanz formuliert dies so: "Im öffentlichen Recht kann es ... eine Lücke nur dann geben, wenn das Gesetz einen logischen Widerspruch auf­ weist, d.h. wenn es eine unvollständige Antwort gibt, z.B. wenn es für die Behörde eine Pflicht statuiert, aber sich über Zuständigkeit oder Ver­ fahren ausschweigt"124. Es handelt sich also um eine "planwidrige"125 und damit unbeabsichtigte Lücke. Eine Gesetzeslücke wird nach ständi­ ger Praxis und den allgemein anerkannten Grundsätzen in analoger An­ wendung von Art. 1 Abs. 3 PGR126 bzw. Art. 1 Abs. 2 SR127 bzw.128 § 7 ABGB129 gefüllt. Die Verwaltungsbeschwerdeinstanz hat zum Beispiel Art. 
2V" Ziff. 2 lit. b des Baugesetzes als lückenhaft angesehen, da nicht ersichtlich ist, "zu welcher Vollgeschossfläche die errechnete 'anzurechnende Ge­ schossfläche' in Relation zu setzen" ist. Die Lücke ist durch Gewohn­ heitsrecht130, 
und wo ein solches fehlt, nach derjenigen Regel zu füllen, die der Richter als Gesetzgeber aufstellen würde. Die Verwaltungsbe­ 124 VBI 1946/12, Entscheidung vom 10.9.1946, ELG 1946—47, S. 60 (64) oder siehe z.B. StGH 1988/9, Urteil vom 26.10.1988, LES 1989, S. 59 (61): "Das Steuergesetz enthält indessen keine Regelung für die Zuordnung von Anlagekostenanteilen im Fall der Auf­ teilung eines Grundstücks in Stockwerke, es besteht insoweit also eine Gesetzeslüke."; VBI 1947/8, Entscheidung vom 10.4.1947, ELG 1946-47, S. 64 (65 f.); Häfelin/Haller Nr. 116; Walter/Mayer, Bundesverfassungsrecht Nr. 136; Bydlinski, S. 245. 125 StGH 1991/14, Urteil vom 23.3.1993, LES 1993, S. 73 (76); Walter/Mayer, Bundesver­ fassungsrecht Nr. 136. 126 Vgl. VBI 1985/34, Entscheidung vom 17.6.1987, LES 1988, S. 10 (19); VBI 1946/12, Entscheidung vom 10.9.1946, ELG 1946—47, S. 60 (63). 127 Vgl. VBI 1946/12, Entscheidung vom 10.9.1946, ELG 1946-47, S. 60 (63). 128 Der oberste Gerichtshof verwendet m.E. zu Recht stattdessen die Bezeichnung "§ 7 ABGB in Zusammenhalt mit Art. 1 PGR", vgl. OGH E 323/8714 und E 1116/87-14, Beschluss vom 7.1.1988, LES 199, S. 32 (35). 129 Vgl. StGH 1991/14, Urteil vom 23.3.1993, LES 1993, S. 73 (76); vgl. auch StGH, Urteil vom 6.10.1960, ELG 1955-61, S. 151 (154); StGH, Urteil vom 6.10.1960, ELG 1955-61, S. 169 (171); VBI 1946/12, Entscheidung vom 10.9.1946, ELG 1946-47, S. 60 (63); OGH 3 C 144/87, Beschluss vom 25.5.1992, LES 1992, S. 144. 130 VBI 1988/3, Entscheidung vom 11.5.1988, LES 1989, S. 1 (2) spricht irrtümlicherweise vom Ortsgebrauch; richtigerweise muss hier das Gewohnheitsrecht in die Lücke treten, da der Ortsgebrauch nur kraft ausdrücklichen gesetzlichen Verweises zur Geltung kommen kann, vgl. Antoniolli/Koja, S. 192 f.; Andreas Kley, Kantonales Privatrecht, St. Gallen 1992, S. 41 f. 104
        

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