Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000079678/101/
A uslegungsmethoden etwa im Steuerrecht eine gewichtige Rolle, wenn eine vielleicht zwar ge­ rechtere Ermittlungsmethode zu einem unverhältnismässigen Mehr­ aufwand führen würde110. e) Auslegung von Verfassungsrecht Die einzelnen Auslegungsmethoden sind grundsätzlich auf die Interpre­ tation verfassungsrechtlicher Normen anwendbar111. Dabei tritt bei der Auslegung der Verfassung das 
Prinzip praktischer Konkordanz hinzu. Die Normen der Verfassung sind jeweils nicht isoliert zu verstehen. "Vielmehr muss die Verfassung als ganzes ausgelegt werden, und die verschiedenen Bestimmungen der Verfassung sind so zu deuten, dass sie möglichst miteinander zu harmonisieren sind"112. 
Mit andern Worten müssen die verfassungsrechtlich geschützten Rechtsgüter "einander so zugeordnet werden, dass jedes von ihnen Wirklichkeit gewinnt"113. Bei Kollisionen zwischen verfassungsrechtlichen Grundwerten darf nicht eines der betroffenen Güter auf Kosten eines andern Gutes verwirklicht werden. Vielmehr sollen alle Güter harmonisch zu jeweils optimaler Wirkung gelangen können. Das Prinzip praktischer Konkordanz ver­ bietet zwar das vorrangige Abstellen auf ein Auslegungselement nicht. Es untersagt aber die einseitige Argumentationsweise unbesehen davon, welche Rechtsgüter betroffen sind. So verträgt sich die vom österreichi­ schen Verfassungsgerichtshof praktizierte "Versteinerungstheorie"114 kaum mit dem Prinzip praktischer Konkordanz. Das Prinzip praktischer Konkordanz leitet freilich den Verfassungs­ interpreten nicht exakt an, sondern enthält zugegebenermassen ein sehr vages Verhältnismässigkeitsgebot bei der Abwägung verfassungsrecht­ licher Güter. Der Begriff der praktischen Konkordanz hat dennoch in der juristischen Literatur und zum Teil in Urteilen115 einen eigentlichen 110 Vgl. StGH 1988/9, Urteil vom 26.10.1988, LES 1989, S. 59 (61). 111 Vgl. Adamovich u.a., Staatsrecht, S. 37 f. 112 StGH 1982/39, Urteil vom 1.12.1982, LES 1983, S. 117(118). 113 Hesse Nr. 72; vgl. BVerfGE 34, S. 165 (182); 41, S. 29 (50); 52, S. 223 (247, 251); 91, S. 1 (21); vgl. auch z.B. Hangartner I, S. 36; Höfling, S. 102, 106 m.H. 114 Vgl. S. 68 f., 89. 1,5 Der Staatsgerichtshof hat den Gedanken im oben angeführten (einzelnen) Urteil StGH 1982/39 vom 1.12.1982, LES 1983, S. 117 (118) m.E. hinlänglich ausgeführt und begrün­ det. 101
        

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