Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
35
Erscheinungsjahr:
2003
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000077483/242/
Erfolgsfaktoren von Kleinstaaten Wie schon eingangs erwähnt, ist die Betrachtung von Kleinstaaten in der ökonomischen Theorie sehr einseitig. Aus einer Reihe von Gründen wird gefolgert, dass Kleinstaaten einen erheblichen ökonomischen Nach teil zu tragen haben. Zu den am häufigsten genannten Argumenten zählen die Nachteile aus Skaleneffekten im öffentlichen als auch im pri- vaten Bereich, der zu kleine nationale Markt, der zusätzlich in der Regel geringen Wettbewerb zwischen Anbietern aufweist, die hohe Abhängig - keit vom Ausland bzw. von ausländischen Märkten sowie die kleine selbst erzeugte Produktpalette, die zur Anfälligkeit gegenüber so ge- nannten exogenen Schocks führt, und das Fehlen von internen Aus - gleichs mechanismen im Falle des Eintretens solcher exogener ökonomi- scher Schocks. Tatsächlich sind diese Argumente überzeugend und sollten, der ökonomischen Theorie folgend, zu einem geringeren Wohlstand in Klein staaten im Vergleich zu grösseren Staaten führen, auch wenn es einige Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten gegeben hat, welche die Nachteile für Kleinstaaten vermindert haben. Zu diesen Entwicklungen zählen vor allem die Internationalisierung und die zunehmende Offen - heit der Grenzen für den Güter-, Dienstleistungs- und Personenverkehr, die es den Kleinstaaten zu einem gewissen Grad erlaubt, die geschilder- ten Nachteile, die alle empirisch recht zuverlässig untermauert sind, zu verringern. Auf einen ersten Blick scheint jedoch die empirische Evidenz be- züglich des Wohlstands von Kleinstaaten nicht der theoretischen Vor - her sage zu entsprechen, vor allem wenn man hoch entwickelte Klein - staa ten wie Liechtenstein oder Luxemburg als Beispiele heranzieht. Tatsächlich zeigt eine empirische Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Wohlstand, abgebildet durch das BSP pro Kopf, und der Staats grösse, mithilfe multipler Regressionen, dass der Wohlstand mit grosser Wahrscheinlichkeit unabhängig von der Grösse eines Staates ist, auch wenn man andere den ökonomischen Wohlstand determinierende Faktoren mitberücksichtigt. Daraus ist zu schliessen, dass die ökonomi- sche Theorie nur einen Teil der Argumente beleuchtet, welche die Wohl - fahrt des Kleinstaates bestimmt. Konkret wird viel zu sehr auf die Kos - ten seite abgezielt und die Nachfrageseite, auf der die Vorteile der Klein - heit zum Tragen kommen, vernachlässigt. 242
        

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