Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
35
Erscheinungsjahr:
2003
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000077483/241/
der öffentlichen Güter eine untergeordnete Rolle. Begünstigt sind vor al- lem Festlandkleinstaaten, die offene Grenzen zu den anderen Staaten in der Region haben. D.h., alle europäischen Kleinstaaten, mit Ausnahme von Island und Malta können als begünstigt betrachtet werden. Ihr Grös sennachteil ist relativ gering. Demgegenüber sind abgelegene Klein - staa ten, insbesondere Inselkleinstaaten, und Kleinstaaten in weniger sta- bilen Regionen benachteiligt. Sie bekommen den Grössennachteil im öf- fentlichen Sektor (und auch im privaten Sektor) besonders stark zu spüren. Neben dem internationalen Outsourcing beobachten wir, dass es Kleinstaaten in gewissen Fällen vorziehen, bestimmte Güter überhaupt nicht bereitzustellen, ohne dass die Bürger davon negativ betroffen wären, weil es sich meist um Güter handelt, die auch privat bereitgestellt werden können. Ausserdem gibt es in allen Kleinstaaten das Bestreben, öffentliche Güter an die Grösse des Staates anzupassen. In diesem Sinne gibt es z.B. in der Mehrheit der Kleinstaaten eine Armee, aber meist han- delt es sich dabei um eine kleine Grenztruppe, die nicht in der Lage wäre, das Land gegen einen grösseren Nachbarn im Falle eines Angriffs zu verteidigen. Da solche Angriffe für die meisten Kleinstaaten als sehr unwahrscheinlich gelten, ist diese Strategie der nur teilweisen militäri- schen Sicherung der Souveränität durchaus rational, vor allem auch, weil die meisten Kleinstaaten explizite oder implizite Abkommen mit wich- tigen regionalen Staaten haben, die ihre Unabhängigkeit garantieren. Die Grenztruppen dienen dann auch in den meisten Fällen anderen Auf ga - ben, wie z.B. der Bekämpfung des Drogenschmuggels. Die Bereitstellungsarrangements der Kleinstaaten bei öffentlichen Gütern sind nicht nur aus Sicht der Kosteneffizienz der Kleinstaaten von grossem Interesse, sondern auch als Beispiele für tiefe Integration. Dabei geht es um die Organisation der Bereitstellung öffentlicher Güter, um die Verteilung auf die verschiedenen Ebenen (Gemeinde, Länder, Staat, regionale Integrationszone (EU), Welt) und die Möglichkeiten grenzü- berschreitender Zusammenarbeit zwischen regionalen Einheiten grösse- rer Staaten. Der Beispielcharakter einiger, insbesondere europäischer Kleinstaaten in diesem Zusammenhang wurde bisher in der ökonomi- schen Literatur viel zuwenig beachtet.241
        

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