ohnbe- 
völkerung 
Liechten- 
steins: 
10760. 
Das Jahr 1938, in erster Linie der 
Monat März, bildet eine Zäsur in 
der zeitgenössischen Geschichte 
Liechtensteins. 
Nach dem Anschluss Österreichs 
an das Dritte Reich (13.3.) 
spricht sich der liechtensteinische 
Landtag für die Selbständigkeit 
  
  
Am 25. Juli 1938 stirbt Fürst 
Franz L; Fürstin Elsa verstirbt am 
28. September 1947. Fürst Franz 
hatte am 30. März 1938 die Re- 
gentschaft seinem Grossneffen 
Franz Josef überlassen. 
  
  
Am 2. August, es waren ca. 30 Zuhôrer anwesend, nahm Gustav Schädler neu 
als fürstlicher Abgeordneter teil. 
Über den von mehreren Abgeordneten gestellten Antrag auf Aufkündigung des 
Zollvertrages mit Österreich wird nach erfolgter Debatte einstimmig beschlos- 
sen: Der Landtag beschliesst, es sei der im Jahre 1876 abgeschlossene und seit 
1919 provisorisch verlängerte Zollvertrag im Verhandlungswege aufzukündigen. 
Am 25. November stand die Schaffung einer Bürgerwehr zur Debatte. Gustav 
Schádler áusserte dazu kritisch, einige Herren hätten so abgewirtschaftet, dass 
sie nun einer Leibgarde bedürfen. Wilhelm Beck meinte, die Ráuber aus Vorarl- 
berg, die man als Grund für die Schaffung dieser Bürgerwehr angegeben habe, 
seien eine Ausrede. «Ob man etwa die Verfassung im Schatten der Bajonette so 
zurechtrücken móchte, dass sie würdig werde den alten Zustánden?» Abgeord- 
neter Wolfinger bemerkte: «Wir wollen Brot, keine Gewehre.» (Im Zuhörerraum 
ertónen «máchtige Bravos»). Prásident Walser drohte, die Leerung des Zuhôrer- 
raumes anzuordnen. Wilhelm Beck kritisierte, dies sei ein reaktionárer Antrag; 
man sollte besser daran denken, wie die Selbstándigkeit gewahrt bleiben kónne. 
«Viele Leute haben nichts zu essen, was müssen diese denken, wenn man ihnen 
statt Brot Munition und Waffen gibt.» Die Regierung (LV Prinz Karl) solle die Ver- 
trauensfrage stellen. Prinz Karl warf Wilhelm Beck vor, er rede zum Fenster hinaus. 
«Die Hetze muss aufhóren. Warum wurde soviel Volk hierherbestellt. Es ist Methode 
in diesen Angriffen.» 
Beck verwahrte sich energisch dagegen, dass er ein Hetzer sei. Da er diese uner- 
hórten Angriffe als Beleidigung auffasse, trete er ab. (Grosser Beifall aus der Zu- 
hórertribüne; Zuhórer Andreas Vogt posaunte in den Landtag hinein: «Nieder mit 
der Regierung! Hoch die Republik!»). Der Prásident lásst den Zuhàürerraum 
ráumen. Die Sitzung wird abgebrochen. 
 
        

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