Bezüglich der Parteien in Liechtenstein lässt sich sagen, dass es Spätgeburten 
waren, z. T. könnte man von Zangengeburten sprechen. Die fehlende Einsicht in 
die Notwendigkeit von Parteien im Kleinstaat, die Furcht vor einer Zersplitterung 
der Kräfte, die Abwehr gegen Ideen von aussen erklären diese Verspätung. 
Trotz der fehlenden weltanschaulichen Unterschiede waren die Auseinander- 
setzungen um die richtigen Entscheidungen nicht weniger heftig. Die Lösungs- 
wege für die bevorstehenden Aufgaben waren hart umstritten, die Durchsetzung 
der vorgebrachten Forderungen war leidenschaftlich. 
Im ganzen gesehen, waren im behandelten Zeitraum die «Konservativen» in 
Liechtenstein bestimmende politische Kraft. Die Tatsache, dass zwei konser- 
vative Parteien in heftiger Fehde miteinander lagen, ist durch die verschiedenen 
Wege zum gleichen Ziel begründet. Die Haltung differierte graduell bei der Suche 
nach Lösungen von Einzelproblemen; prinzipielle Unterschiede im ideologischen 
Bereich bestanden nicht.“ 
Die Volkspartei war stärker auf beschleunigtes Verändern bedacht. Ihre Vorstel- 
lungen von den Schwerpunkten der Veränderung bezogen sich auf den Ausbau der 
Volksrechte, auf die soziale Besserstellung des «kleinen Mannes», auf die stärkere 
Beteiligung der Liechtensteiner an Verwaltung und Regierung sowie im aussenpoliti- 
schen Bereich auf die Loslösung von Österreich. Die Fortschrittliche Bürgerpartei 
stand grundsätzlich für dieselben Veränderungen ein, verhielt sich aber im ur- 
sprünglichen Sinne des Wortes konservativer. Sie wollte diese Veränderungen in 
engerem Schulterschluss mit den bestehenden Machtträgern im Staat vornehmen. 
Aus zeitlich distanzierter Sicht kann die Entwicklung der Jahre von 1890 bis 
1918 als wesentlicher Teil der Erneuerungsbewegung gesehen werden, die von 
dem sich 1848 anbahnenden Ansatz über die Station der Verfassung von 1862 
zum Ergebnis von 1921 führte. 
89 Siehe dazu Wille, Regierung und Parteien; ebenfalls Michalsky. 
<> 
   
     
ohnbe- 
vôlkerung 
Liechten- 
steins: 9948. 
Die Stimm- 
bürger lehnen die von der 
Bürgerpartei bekämpfte Ver- 
fassungsinitiative über die Ein- 
führung einer Proporzwahl- 
initiative sowie eine damit 
zusammenhängende Gesetzes- 
initiative ab (2.3.). 
Die vier Volkspartei-Abgeordne- 
ten treten, da sie die Legislatur- 
periode als beendet betrachten, 
aus dem Landtag aus. 
Wahlen für die vier freien 
Landtagssitze. Die Volkspartei 
beteiligt sich nicht (16.3.). 
Im Landtag fehlt bis 1932 
jede Opposition. 
Fürst Franz I. betraut seinen 
Grossneffen Prinz Franz Josef Il. 
fallweise mit der Ausübung 
der Regierung (17.4.). 
Der Landtag beschliesst 
ein Pressegesetz, das im Ausland 
Empörung hervorruft (9.7.); 
Zitate: «mittelalterliche Ver- 
wirrung», «ganz gefährliches 
Maulkrattengesetz», «Zurück 
zum Polizeistaat», «aus einer 
Rumpelkammer des Vormärz 
oder aus dem Gehirn eines 
Bolschewisten», «Geist der 
Unfreiheit», «Attentat auf die 
Pressefreiheit» (9.7.). 
  
 
        

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