1910 
ohnbe- 
völkerung 
Liechten- 
steins: 7970. 
Landtagswahl 
durch Wahlmänner im Oberland 
(2.8.) und im Unterland (4.8.). 
2.1. Vorbemerkung 
Die politische Entwicklung Liechtensteins ist für gewöhnlich gewissen Verzöge- 
rungen unterworfen. Dies gilt auch für die Entstehung der politischen Parteien. 
Politische Parteien können definiert werden als «gesellschaftliche Organi- 
sationen, die bei Wahlen miteinander konkurrieren, um einen Anteil an der Macht 
zu erhalten.»' Von diesem Standpunkt aus betrachtet, sind die Voraussetzungen 
für die Entstehung von Parteien vor allem dann gegeben, wenn bestimmte 
Interessengruppen einer Gesellschaft bestrebt sind, an den Entscheidungs- 
prozessen beteiligt zu sein und politischer Freiraum zur aktiven Betátigung gege- 
ben ist. 
Die verzógerte Parteienentwicklung in Liechtenstein kann auf verschiedene Ursa- 
chen zurückgeführt werden. Einige der wichtigsten seien angeführt: 
— Fürst Johann Il., geboren 1840, seit 1858 an der Regierung, verfolgte eine Po- 
litik des Ausgleichs und war zu Veránderungen und Zugestándnissen bereit. 
- Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung seit 1852 (Zoll- und Steuerverein 
mit Österreich) bewirkte einen bescheidenen materiellen Wohlstand und liess 
ein Bedürfnis nach politischer Tätigkeit eher zurücktreten. 
— Die Verfassung von 1862 hatte der Bevölkerung Liechtensteins wichtige 
Grundrechte gewährt und eine intensive Reformtätigkeit in verschiedenen 
Gebieten bewirkt. 
— Die Bevölkerung war bäuerlich-konservativ ausgerichtet und bejahte in ihrer 
überwiegenden Mehrheit die bestehende Form der Monarchie . 
— Parteien wurden von massgebenden Persönlichkeiten im Staat als hinderlich, 
ja als schädlich für die Landespolitik betrachtet. 
Solange die wirtschaftliche Lage einigermassen erträglich war, bot die liechten- 
steinische Bevölkerung keine Hand zu weitgehenden Änderungen im politischen 
1 Silvano Móckli, Parteien und Verbánde im fóderalistischen Staat. Institut für Politikwissenschaften 
Hochschule St. Gallen; Beitráge und Bericht Nr. 158/1991, S. 3. 
D»
        

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