Volltext: Die Schlossabmachungen vom September 1920

1. Verhandlung. 
Am Freitag, den 10. Sept., begab sich dann Dr. Beck mit seinem Zeugen Abg. 
Schádler in das fürstl. Absteigequartier und sprach sich dort mit Peer von 11'/: 
vormittags bis 9'/. abends grundsátzlich aus. In einer sehr langen Einleitung 
referierte Peer zunächst darüber, wann und wie seine Berufung erfolgte. Prinz 
Eduard habe wohl an eine definitive Anstellung Peer’s gedacht, [Seite 2/3] 
allerdings hätte Peer zunächst nur als Sekretär des Prinzen Karl oder sonst unter 
einem Titel nach Liechtenstein gebracht werden sollen. Peer will von Anfang an 
nur ein Provisorium von einem Jahr in Aussicht genommen haben und war auch 
nicht für die Rolle eines Sekretárs zu gewinnen;* er verlangte vielmehr als Chef 
der Regierung antreten zu kónnen.? 
Zum 1. mal sei er, Peer, am 16. Márz zum Fürsten berufen worden und er habe 
diesem gegenüber kein Hehl daraus gemacht, dass in Liechtenstein von dem 
fürstl. Land.-Verwes. oft unklug amtiert worden sei. Namentlich habe Kabi- 
nettsrat von In der Maur in zu selbstherrlicher Weise und ohne das Volk re- 
giert. Der Fürst hátte dann nach [Seite 3/4] der definitiven Inaussichtnahme 
Peer's geglaubt, in Liechtenstein seien die Wege hiefür schon geebnet. Prinz 
Eduard musste zugeben, dass dem nicht so sei, bemerkte aber, dass er nun 
schnell nach Liechtenstein fahre, wo er die Angelegenheit im Sinne der in Wien 
im Geheimen schon fertigen Anstellung im Handumdrehen erledigen werde. 
Peer wies nach, dass sich der Fürst über ihn nicht nur beim Prásidenten des 
Verwaltungsgerichtshofes, sondern auch in Innsbruck und Vorarlberg habe 
erkundigen lassen und bei dieser Erforschung auf «Herz und Nieren» habe 
Prinz Eduard besonders mitgewirkt.? Dr. Peer bezeichnete den seinerzeitigen 
4. [Stenographische Ergánzung 3] 
5. [Marginalie in anderer Schrift]: Bereits hatten Dr. Peer und Frau in Aussicht genommen, in Vaduz die 
silberne Hochzeit im Mai zu feiern, wie Peer sich selber áusserte. 
6. [Marginalie in anderer Schrift]: Die Unterhándler gewannen den bestimmten Eindruck, dass Dr. Peer 
Sehr schlecht auf Prinz Eduard zu sprechen ist. 
<P 
1993 
ohnbe- 
völkerung 
Liechten- 
steins: 
30310. 
Neujahrstreffen der Vater- 
ländischen Union mit dem 
Rahmenthema «75 Jahre — 
liberal, sozial, menschlich», 
das die Brücken von der 
Vaterländischen Union zur 
Volkspartei schlägt. Die 
Historiker Rupert Quaderer 
und Peter Geiger referieren über 
die Geschichte der Volkspartei, 
ihre Vereinigung mit dem 
Liechtensteiner Heimatdienst 
und das erste Jahrzehnt der 
Geschichte der Vaterländischen 
Union (6.1.). 
Die Landtagswahlen bringen 
das interessante Resultat, dass 
die VU trotz des klar höchsten 
Stimmenanteils nur elf Mandate 
erreicht, die FBP mit einer 
deutlich kleineren Stimmenzahl 
aber ihre zwölf Sitze hält. 
Die Freie Liste gewinnt 
in jedem Wahlkreis einen Sitz. 
Erstmals keine absolute 
Mandatsmehrheit einer Partei 
im Landtag (5./7.2.). 
Regierungschef Hans Brunhart 
gibt den Rücktritt bekannt (7.2.). 
Mit 19 Jahren vollamtlicher 
Regierungstätigkeit, davon 
15 Jahren als Regierungschef, 
  
  
  
  
 
	        

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