Herausgeber:
Karitative Vereine
Erscheinungsjahr:
cop. 1996
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000072004/15/
  
leinerziehenden Eltern waren 91% Frauen und 
9% Männer. 
Familienfunktionen 
Die 
Schutz, etc.) sind durch die Geschichte hin- 
Familienfunktionen (Versorgung, 
durch Veränderungsprozessen unterworfen. 
Verschiedentlich wird gar von einem „Funkti- 
onsverlust“, oder, abgeschwächt, einer „Funkti- 
onsabgabe“ der Familie gesprochen (Mitterau- 
er). Das führte dazu, dass zahlreiche der früher 
mehr oder minder von der Familie zentral 
wahrgenommenen Aufgabenbereiche heute 
mehr und mehr von ausserfamiliären Einrich- 
tungen, Gruppen oder Vereinen übernommen 
werden. Darunter fallen Funktionen wie die so- 
ziale und ôkonomische Sicherung, Erziehung 
und auch die Pflege der alten Familienmitglie- 
der. Dies war ein treibender Faktor auf dem 
Weg zu den Wandlungsprozessen der Familie 
(Mitterauer). Auf der anderen Seite sind viele 
der den Familien verbliebenen Funktionen 
komplexer und differenzierter geworden, etwa 
hinsichtlich der Sozialisation („Pädagogisie- 
rung der Kindererziehung“) und der Hausar- 
beit. Als weitere Faktoren der Veränderung er- 
weisen sich ausserdem die Entwicklung gesell- 
schaftlicher Einrichtungen wie Spital und 
Schule, neue Formen des Siedlungswesens, und 
der Abbau kollektiver zugunsten individueller 
Identitäten. Für den Wandel des Familienle- 
bens ist der säkulare Prozess der Individualisie- 
rung der entscheidende Faktor (Mitterauer). 
Sozialhilfe und soziales Handeln 
Die neue Situation, in welche die Nach- 
kriegsfamilien gerieten, als auch der Verände- 
rungsdruck, unter dem die traditionale wie 
auch heutige Familie aufgrund der modernen 
Gesellschaftsentwicklung stehen, erforderten 
Massnahmen seitens der öffentlichen Hand wie 
auch von privater Seite. Dem Staat wuchsen 
während des Wirtschaftsbooms neue Mittel zu, 
die zu einer neuen Sozialpolitik verpflichteten. 
Die Familie im gesellschaftlichen Wandel 
13 
  
Das private Engagement, teilweise von Kir- 
chen- und Gemeindevertretern gesteuert und 
initiiert, fand seine Motivation nicht zuletzt in 
gesellschaftspolitischen Überlegungen, in er- 
ster Linie aber in der Überzeugung, dass prak- 
tische Hilfe vor Ort geleistet werden muss. 
Eine institutionalisierte Sozialhilfe im eigent- 
lichen Sinne gibt es in Liechtenstein erst in Jün- 
gerer Zeit. Notsituationen mussten früher mit 
familien- und verwandtschaftsinternen Hilfs- 
massnahmen oder durch Nachbarschaftshilfe 
gemeistert werden. Die öffentliche Hand, also 
hauptsáchlich die Gemeinden, waren erst in 
zweiter und letzter Linie zustándig, wenn es 
um die Betreuung von Personen wie Alte, 
Kranke, Gebrechliche oder Witwen und Wai- 
sen ging. Der Kreis der Unterstützungsberech- 
tigten war klein. Die heutige Sozialhilfe wurde 
seit den beginnenden Siebzigerjahren differen- 
zierter und spezialisierter. Sie steht, im Gegen- 
satz zu früher, allen offen und wird von Stellen 
der öffentlichen Hand, von privaten Sozialhilfe- 
trágern und Selbsthilfeorganisationen geleistet. 
Erste gemeinnützige Tätigkeiten im gesell- 
schaftlich-sozialen Bereich leisteten verschie- 
dene der Frauenvereine, die in den ersten Jahr- 
zehnten dieses Jahrhunderts in Liechtenstein 
entstanden. 1894 wurde ein „Allgemeiner 
Krankenunterstützungsverein“ gegründet, 
1913 in Schaan ein „Verein für Kranken- und 
Wöchnerinnenpflege“ (Krankenpflegeverein) 
ins Leben gerufen, der im Bedarfsfalle für eine 
„geordnete Hauspflege“ sorgen wollte. Gewis- 
se unterstützende Funktionen konnten die un- 
ter kirchlicher Leitung stehenden Mütterverei- 
ne (heute Frauenvereine) wahrnehmen, deren 
erster Zweck es jedoch war, den Mitgliedern 
bei der christlichen Erziehung der Kinder zu 
helfen. Erst mit der Gründung von „Familien- 
hilfen“ seit 1956 in einzelnen Gemeinden er- 
kämpfte sich der gemeinnützige und ehren- 
amtliche Einsatz in Liechtenstein eine ausser- 
ordentliche und gesellschaftlich relevante Be- 
deutung. 
 
        

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