Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1996
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000071675/84/
Gesetze" wenigstens zu streifen, die als "landläufige Haltung" die Einstellungen zum Grundeigentum sowie zu dessen Erwerb respek­ tive Veräusserung prägen. Dadurch erhellt sich nämlich nicht nur der gesellschaftliche Hin­ tergrund des Bodenrechtes, sondern damit lassen sich auch entschei­ dende - in der Literatur eher selten gewürdigte - Einflussfaktoren auf den Bodenmarkt offenlegen. Aus dem weit gefächerten Spektrum so­ zialer Rahmengrössen seien dabei die Erbsitten, die sozialstatusver- mittelnde Funktion des Grundeigentums sowie dessen Symbolfunk­ tion als jene Determinanten herausgegriffen, die vermutlich relativ häufig bei Grundverkehrsgeschäften zum Tragen kommen. Die Erbsitten sind zwar primär massgeblich für die Übertragung des Grundeigentums von einer Generation auf die nächste und sie scheinen sohin für Grundstückstransfers im Kaufwege nicht von be­ sonderer Relevanz. Sekundär sind jedoch sehrwohl auch Wechselbe­ ziehungen zwischen Erbsitten und Marktgeschehen anzunehmen. Die Erbsitten variieren nämlich je nach örtlicher Gepflogenheit, so­ dass in Mitteleuropa zwischen Zonen mit geschlossener Vererbung (Anerbengebiete) und Gegenden mit ausgesprochener Realteilung so­ wie Mischgebieten zu differenzieren ist. Wo das Anerbenrecht dafür sorgt, dass der Grundbesitz nur einem Erben zufällt (wobei die sogenannten "weichenden" Erben in der Re­ gel monetär abgefunden werden), herrscht offenbar ein "geistiges Kli­ ma", das die Idee der Substanzerhaltung bzw. des Zusammenhaltens von Immobiliarvermögen in den Vordergrund rückt. Als Folge davon müssen Grundbesitzer vor dem Verkauf von Flächen eine besonders hohe psychische Hemmschwelle überwinden. Ein derartiges soziales Umfeld scheint somit geeignet, die Angebotsbereitschaft zu dämpfen. Demgegenüber sieht die Realteilung eine quotenmässige Aufsplitte­ rung des gesamten Erbes (einschliesslich des Grundbesitzes) vor. Mit­ hin erhöht sich im Erbfall - sofern mehrere Erbberechtigte zu beteilen sind - jeweils die Zahl der Bodeneigentümer; womit gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit wächst, dass sich allenfalls auch Leute mit weniger starker emotionaler Bindung an den Boden in einer Eigentümerrolle wiederfinden. Aus dieser Sicht wäre in Gebieten, wo die Realteilung praktiziert wird, eher eine Angebotsbelebung am Grundstücksmarkt zu erwarten. Angebotserhöhend dürfte die Realteilung zudem dann wirken, wenn sich eine grosse Zahl von Erben einen relativ kleinen 83
        

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