Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1996
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000071675/67/
Höhe der Renten steigt tendenziell. Nutzniesser dieser Entwicklung sind die Grundeigentümer.15 Die Feststellungen Ricardos erlauben ausserdem, eine "Preis-Wirkungs­ kette" abzuleiten: Ihr zufolge ist die Rente die Wirkung und nicht die Ursache eines hohen Preises.16 Mit anderen Worten: Der Preis eines Bo­ denproduktes ist nicht deshalb hoch, weil eine Grundrente bezahlt wird, sondern die Grundrente wird bezahlt, weil der Preis der Bodenprodukte hoch ist. Aus dieser Aussage folgt ferner, dass die Grundrente mit wirt- schafts- und einkommenspolitischen Massnahmen in Zusammenhang steht, weil letztere zum Teil bewusst auf das Güterpreisgefüge Einfluss nehmen.17 Im Laufe der Zeit wurde die klassische Grundrententheorie um einige Facetten bereichert. So hat H.C. Carey auf den Einfluss des technischen Fortschritts hingewiesen.18 Marshall hat das Zeitmoment in seine Analy­ sen um die Fragen der Grundrententheorie einbezogen. Er ist zu dem Schluss gelangt, dass der Bodenpreis aus der Kapitalisierung der zukünf­ tig erwarteten Nettoerträge resultiert. Schliesslich hat Johann Heinrich von Thünen die Lagerente in den Mittelpunkt seiner Überlegungen ge­ stellt. Er postulierte in seinem Werk "Der isolierte Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und Nationalökonomie", dass die Landrente - wie er die Grundrente bezeichnete - durch die Distanz zum städtischen Ab­ satzmarkt bzw. zum Zentrum bestimmt werde.19 Von den bisher geschilderten Vorstellungen über die Grundrente wei­ chen die Konzepte der sozialistischen Ökonomen beträchtlich ab. Karl Marx etwa geht vom Axiom aus, dass nur durch menschliche Arbeit Werte entstehen können. Durch unbezahlte menschliche Arbeit entste­ hen sogenannte "Mehrwerte", die sich die Besitzer der Produktionsmit­ tel aneignen. Extrem simplifiziert ist demnach jener Mehrwert, den sich Grundbesitzer vorbehalten der Grundrente gleichzusetzen.20 Indem er erstmals das Phänomen einer auf Monopolpreisen beruhenden Rente beschrieb ("Ein Weinberg, der Wein von ganz ausserordentlicher Güte erzeugt, Wein, der überhaupt nur in relativ geringer Quantität erzeugt 15 vgl. Ziercke: Faktorpreisbildung III: Rente, Bodenpreis, 1980, S. 550f. 16 von Nell-Breuning: Grundrente, 1959, S. 1135. 17 vgl. Popp und Schwarzenbach: Der Bodenmarkt, 1989, S. 38. 18 vgl. Seuster und Gabr: Landwirtschaftliche Grenzböden, 1973. 19 vgl. Wächter: Bodenmarktpolitik, 1993. 20 vgl. Ziercke: Faktorpreisbildung III: Rente, Bodenpreis, 1980, S. 554f. 66
        

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