Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1996
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000071675/53/
Dem Modellkonzept zufolge sorgt auf den Märkten ein frei fluktuieren­ der Preis für den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage; was in "optimaler" Weise eben dann geschieht, wenn der betrachtete Markt die gerade aufgezählten, von der Theorie geforderten Charakteristika "voll­ kommenen Wettbewerbs" aufweist. Aber sogar unter diesen Gegeben­ heiten sind Fälle bekannt (externe Effekte, Kollektivgüter etc.), in denen der Preismechanismus nicht in idealtypischer Weise funktioniert, also "versagt".65 Weil in der wirtschaftlichen Realität praktisch nie alle Kriterien "voll­ kommener Märkte" erfüllt sind, unterscheiden sich die Ergebnisse, die ein unbeeinflusster Markt erbringt, von den auf Grundlage des neoklas­ sischen Idealtypus abgeleiteten Resultaten. - Eine Feststellung, die in ganz besonderem Masse für die Verhältnisse am Bodenmarkt gilt. Einerseits scheint das Zutreffen mancher der angeführten Vorausset­ zungen beim Bodenmarkt a priori ausgeschlossen. So verleiht etwa vor allem das Faktum, dass Grundstücke hinsichtlich ihrer räumlichen Lage streng genommen per se niemals gleichwertig sein können, weil jedes seine eigenen, ganz spezifischen und unvertauschbaren Koordinaten auf der Erdoberfläche einnimmt, jedem Stückchen Land einen gewissen Unikatscharakter. Die Tatsache der örtlichen Unverrückbarkeit ver­ schafft also jeder Parzelle eine bestimmte Einmaligkeit, welche in der Folge dazu führt, dass die Unterstellung von Homogenität und Fungi- bilität am Bodenmarkt aus prinzipiellen Gründen mehr oder minder Fiktion bleiben muss. Eine wesentliche Abweichung zwischen Realform und Idealtypus von Märkten ergibt sich ferner bezüglich des Informationsstandes der Marktteilnehmer, also der Markttransparenz. In der wirtschaftlichen Praxis ist unvollkommene Information der Standardfall, weil es tech­ nisch unmöglich oder mit zu hohen Kosten behaftet wäre, alle denkba­ ren Optionen rational aufzubereiten.66 Andererseits zeichnet sich - auf den Grundstückshandel bezogen - bei mancher Ausgangshypothese, die der Idee vom vollkommenen Markt innewohnt, keine derartig grundsätzliche Unerreichbarkeit ab. Beispielsweise ist am Immobiliensektor vorderhand kein Grund ersicht­ lich, der die Existenz wechselseitiger Bevorzugungen einzelner Markt­ 65 vgl. Rothschild: Kritik marktwirtschaftlicher Ordnungen, 1980, S. 18ff. 66 vgl. Hofreither: Zur Ordnung österreichischer Agrarmärkte, 1994, S. 142. 52
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.