Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1996
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000071675/41/
füge einer konkreten Gesellschaft zu bestimmen ist, dass er daher auch jeweils eine für den betreffenden Rechts- und Geltungsraum spezifische Ausgestaltung erfährt und dass er damit infolge von Gesetzesänderun­ gen auch einem zeitlichen Wandel unterliegt.39 Dass sich die inhaltliche Füllung des Eigentums in gewisser Weise als flexibel herausstellt, resul­ tiert im übrigen wohl daraus, dass es im Grunde ein ganzes Bündel von Einzelrechten umfasst; als deren wesentlichste wären zu nennen: das Recht der physischen Innehabung und Kontrolle einer Sache, jenes zum Gebrauch sowie das zur Verfügung über die Sache, aber auch das Recht der Einkommenserzielung mit oder aus ihr, das der Konsumption und Zerstörung, der Veränderung und Modifikation respektive der Veräus- serung bzw. des Vermächtnisses etc.40 So betrachtet entspricht es einer zwar gängigen, aber im Endeffekt doch nur etwas verkürzten Darstel­ lung, wenn als "Eigentum" jenes Recht an einer Sache apostrophiert wird, das die rechtliche und wirtschaftliche Verfügungsmacht gewährt sowie die Abwehr fremder Eingriffe bzw. die Verfolgung unberechtigter Dritter erlaubt.41 Gerade im Falle des Bodeneigentums hängen an der Ausübung ein­ zelner oder aller aufgezählten Teilrechte besondere Verpflichtungen. Dieses Faktum wird unter anderem durch das Schlagwort von der "So­ zialpflichtigkeit des Grundeigentums" zum Ausdruck gebracht. So hat denn beispielsweise auch der Deutsche Bundesverfassungsgerichtshof die Sonderstellung des Liegenschaftseigentums im Eigentumsrecht deut­ lich gemacht: "Die Tatsache, dass der Grund und Boden unvermehrbar und unentbehrlich ist, verbietet es, seine Nutzung dem unübersehbaren Spiel der freien Kräfte und dem Belieben des einzelnen vollständig zu überlassen. Eine gerechte Rechts- und Gesellschaftsordnung dient viel­ mehr dazu, die Interessen der Allgemeinheit beim Boden in weit stärke­ rem Masse zur Geltung zu bringen, als bei anderen Vermögensgütern. Der Grund und Boden ... kann im Rechtsverkehr nicht wie eine mobile 39 Ein typisches - in vielen Staaten anzutreffendes - Beispiel für im Laufe der Zeit immer wieder umgestaltete Umfeldnormen, denen bei der Ausgestaltung des konkreten, indi­ viduellen Eigentumsrechtes an Grund und Boden massgebliche Bedeutung zukommen kann, liefert die - gerade ob ihrer fallweise eigentumsbeschneidenden Effekte meist heiss diskutierte - Denkmalschutzgesetzgebung. Zu deren Wirkung auf das Eigentums­ recht vgl. etwa Gyr: Materielle Enteignung, 1994. 40 vgl. Brocker: Arbeit und Eigentum, 1992, S. 395f. 41 vgl. Lutz: System der Eigentumsübertragungen, 1968, S. 5. 40
        

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