Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1996
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000071675/159/
von den Landesbürgern zugemessene, eminente Bedeutung lässt sich etwa daran ablesen, dass die einschlägigen Normen und ihre Handha­ bung einen im Lande beinahe immer aktuellen und heiss umstrittenen Gesprächsstoff abgeben. So erhitzen sich denn die Gemüter mancher Stammtischrunde mit Vorliebe an -mehr oder minder fragwürdigen Gerüchten über das Bodengeschäft und über angebliche Unzulänglich­ keiten beim Grundverkehrsgesetz und bei seiner Vollziehung. Genauso vergeht praktisch keine Legislaturperiode, in der nicht Motionen, Inter­ pellationen oder Postulate zu einzelnen Facetten des Grundverkehrs­ rechtes intensive Debatten im Landtag auslösen, was letztlich relativ sehr häufig zu Reformen und Gesetzesnovellen führt. Die Diskussion um das Boden- und hier vor allem um das Grundverkehrsrecht scheint schliesslich wie kaum ein anderes Thema geeignet, das breite Interesse der Bevölkerung zu wecken und die Bürgerschaft zu emotionalisieren.48 Während allem Anschein nach für die Landesbürger selbst die vom Grundverkehrsrecht geweckten Gefühlsregungen im Vordergrund ste­ hen, interessieren dagegen für eine sozial- und wirtschaftswissenschaft­ liche Analyse des Bodenmarktes in erster Linie die präsumtiven ökono­ mischen Konsequenzen der einschlägigen Vorschriften. Die Hauptziel­ richtung der gegenständlichen Untersuchung gebietet deshalb eine 48 Die rege und intensive Beteiligung an den Auseinandersetzungen um das Grundver­ kehrsrecht ergibt sich wohl, weil sich ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung in seinen persönlichen Interessen zumindest potentiell betroffen fühlt. Jene - allem Anschein nach gar nicht so kleine - Zahl an Leuten, die schon Grundeigentümer sind, reflektiert auf ihre Vermögensposition und verfolgt Änderungen in erster Linie aus dieser Sicht. Jene wiederum, die Boden erst kaufen möchten, schenken den Vorgängen Aufmerksam­ keit im Hinblick auf die sich ihnen eröffnenden Möglichkeiten, Chancen und Hoffnun­ gen, dereinst dem "erlauchten Kreis der Besitzenden" angehören zu können. Fast alle vermeinen zumindest intuitiv zu verspüren, dass sie von grundverkehrsrechtlichen Re­ gelungen unter Umständen materielle Auswirkungen zu gewärtigen haben. Dementsprechend gesteht auch die "massenmediale" Berichterstattung in Liechtenstein Grundverkehrsbelangen überdurchschnittlich breiten Raum zu. Bei einer längerfristi­ gen nach Staaten differenzierten Beobachtung der deutschsprachigen Presse kann man sich kaum des subjektiven Eindruckes erwehren, dass sich die relative Häufigkeit bo- denordnungsrelevanter Berichterstattung reziprok proportional zur jeweiligen territo­ rialen Erstreckung verhält. "In den Zeitungen Liechtensteins steht denn auch viel öfter einschlägiges zur Bodenthematik, als etwa in jenen der Schweiz, Österreichs oder gar Deutschlands, obwohl eigentlich gerade dort während der jüngeren Vergangenheit er­ höhte Publizität zu vermuten wäre, weil ja durch die Wiedervereinigung zumindest im Bereich der neuen Bundesländer eine gänzliche Umorganisation des Bodenrechts not­ wendig geworden ist. Dass drückende Flächenarmut das Interesse für Grund und Bo­ den massiv belebt, entspricht im übrigen einer ökonomischen Grundregel, wonach mit schwindender Verfügbarkeit eines Gutes dessen allgemeine Wertschätzung zunimmt." Wytrzens: Bodenordnung im Kleinstaat, 1993, S. 185. 158
        

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