Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1996
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000071675/144/
speziell für jene Grundstücke zu kämpfen, die vielleicht schon seit Generationen nicht mehr über den Markt den Eigentümer gewechselt haben und die schon seit langem in der Hand einer Familie sind. - Schliesslich erweist sich der Gesetzestext selbst als interpretations­ fähig und als präzisierungsbedürftig, enthält er doch weder exakte Definitionen für die verwendeten Wertbegriffe, noch beinhaltet er klare Ausführungsbestimmungen, nach welchen Prozeduren der Schätzvorgang abzulaufen habe. Wie auch immer die Motive für das Vorgehen der Steueradministration geartet sein mögen, für die Vorgänge am Bodenmarkt ist der Endeffekt der Bewertungspraxis entscheidend: Infolge der Tatsache, dass bei Grundstückseigentum mehr oder minder fiktive, jedenfalls sehr niedrige Steuerschätzwerte in Ansatz gebracht werden,18 während man für alle übrigen Vermögensteile Verkehrswerte heranzieht, ergibt sich eine steu­ erliche Begünstigung von Immobilieneigentum. Dies nährt die - schon bei den theoretischen Grundlagen über das Funktionieren des Boden­ marktes ausgeführte - Vermutung, dass die momentanen Modalitäten, wie die Vermögensbesteuerung vollzogen wird, dem Bodenpreisniveau Auftrieb verleiht. Denn die Aussicht auf steuerschonende Thesaurie- rung dürfte einerseits die Neigung von Grundeigentümern, ihre Liegen­ schaften am Markt zu offerieren, bremsen, weil sie nach vollzogenem Verkauf entsprechend dem erzielten Gesamterlös - und damit zum ech­ ten Verkehrswert - besteuert würden; und andererseits scheint diese Perspektive geeignet, vor allem bei besonders Finanzkapitalkräftigen die Immobiliennachfrage zusätzlich anzuregen, weil letztere durch einen Liegenschaftserwerb bei gleichem Substanzwert zu einer verminderten Vermögensteuerbemessungsgrundlage kommen. Freilich ist vorstellbar, dass das geschilderte Kalkül teilweise durch andere (aussergesetzliche) Erwägungen kompensiert wird. So ist zwar von einer Bevorzugung des Grundeigentums bei der Vermögensbesteue­ 18 Wenn die Steuerschätzwerte hier als fiktive Grössen apostrophiert und wenn ihnen zu­ vor schon "Zeitbruche" bescheinigt werden, so könnte daraus der fälschliche Eindruck entstehen, besagte Steuerschätzwertermittlung sei überhaupt ein ziemlich beliebiges oder gar willkürliches Unterfangen. Dagegen entspringt eine gewisse Objektivierung der Schätzvorgänge aus dem Faktum, dass von Amts wegen für jedes Steuerjahr Richt­ linien zur Gebäudeschätzung erlassen werden; darin sind einerseits nach Lage (Ge­ meinde), Gebäudeart und Ausbauzustand differenzierte Leitwerte (als Normsätze pro Kubikmeter umbauten Raumes) und andererseits Kapitalisierungssätze für Ertragswert­ berechnungen angegeben, die als einheitliche Orientierungshilfe dienen. 143
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.