Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1996
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000071675/119/
Schliesslich findet die hochgradige Auslandsabhängigkeit des Für­ stentums sogar darin ihren Niederschlag, dass die Möglichkeiten des Staates, auf die ökonomischen Rahmenbedingungen Einfluss zu neh­ men, nicht nur faktisch, sondern auch formal arg beschnitten sind; denn aufgrund bilateraler Vereinbarungen können zentrale Bereiche der Wirt­ schaftspolitik nicht autonom gestaltet werden. Das gilt etwa für die zur Gänze in die Hände der Schweiz gelegte Währungs- und Wechselkurs­ politik genauso wie für die Zoll- und Aussenhandelspolitik. Wegen des geringen internationalen Gewichtes vermag Liechtenstein auch anson­ sten kaum gegen globale Trends der Wirtschaftsentwicklung anzusteu­ ern. Dementsprechend sind auch die Hände, eine eigenständige Kon­ junkturpolitik (etwa Defizitspending) zu verfolgen, eng gebunden. Aus den geschilderten standörtlichen Gegebenheiten heraus erweist sich Liechtenstein für boden- und ressourcenorientierte Wirtschafts­ zweige als weitgehend ungeeignet. Dementsprechend verlor der primäre Sektor stetig so sehr an Bedeutung, dass im Jahre 1991 gerade noch 1,7 % der Beschäftigten dort ihr Einkommen schöpften. Der Mangel an eigenen Rohstoffen verhindert zusammen mit dem Feh­ len typischer Massengütertransportwege (Liechtenstein verfügt ja über keinen Zugang zu Schiffahrtsstrassen) und gemeinsam mit der Margina- lität des Binnenmarktes im sekundären Sektor die Etablierung von Mas­ sengüterfertigungen. Dennoch gilt der Staat als hochindustrialisiertes Land, was ja auch darin zum Ausdruck kommt, dass 10.435 Personen oder 51,1 % aller Beschäftigten im sekundären Sektor schaffen - also in der In­ dustrie respektive im produzierenden Handwerk und Gewerbe tätig sind. Neben einem in erster Linie für den örtlichen Bedarf arbeitenden Ge­ werbe, dessen vielleicht prominentester Vertreter mit 1.482 Beschäftigten das Baugewerbe darstellt, sind hier komplett exportorientierte Industrien beheimatet, in derer Produktpalette forschungs- und entwicklungsinten­ sive Spezialerzeugnisse dominieren. Diese Verhältnisse widerspiegeln sich unter anderem im Umstand, dass ca. 3.900 Berufstätige im Bereich Maschinen-, Apparate- und Fahrzeugbau Arbeit finden, während die Branchen Metall-Industrie bzw. -gewerbe, Holzverarbeitung und Nah­ rungsmittelverarbeitung erst mit deutlichem Abstand folgen.33 Ein Land ohne Rohstoffe, das deshalb gezwungen ist, sich auf know- how-intensive Güter und Dienste zu spezialisieren, ist für den pronon- 33 vgl. ebd., 1992, S. 3. 118
        

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