politische rückt zunächst in den Hintergrund und soll erst etwas später 
an Brisanz gewinnen. Man steht vor der Aufgabe, den Armeestab, die 
Kader zweier Regimenter und eine Troßabteilung zu versorgen und sich 
bezüglich ihres weiteren Schicksals Gedanken zu machen. Da man 
zunächst annimmt, die Internierten würden sich nur eine kurze Zeit, 
sozusagen auf der Durchreise, in Liechtenstein befinden, bringt man sie, 
wie schon aus den Augenzeugenberichten hervorgeht, bei Privaten, in 
Schulen und Gasthäusern in Ruggell, Gamprin, Mauren und Schellen- 
berg unter. Die Bevölkerung nimmt das mit erstaunlicher Gelassenheit 
zur Kenntnis. Es macht den Eindruck, als ob man im Zuge der dramati- 
schen Ereignisse auf dem europäischen Kriegsschauplatz auch solches 
Geschehen irgendwie als normal ansieht, wobei natürlich auch eine 
Rolle spielt, daß man heilfroh ist, relativ ungeschoren den Krieg über- 
standen zu haben. Wer durch Radio und Presse informiert ist, ahnt aller- 
dings, daß ein genauer Plan im Zusammenwirken mit Klugheit und 
gutem Willen vernünftig gebliebener militärischer Führer im OKH und 
viel „Glück” bewirkt hatten, daß die Russen buchstäblich in den letzten 
Tagen und Stunden des Zweiten Weltkriegs einem schlimmen Schicksal 
entronnen sind. Ohne General Holmstons Entscheidung allerdings, sich 
ausgerechnet nach Liechtenstein mit seinen Leuten abzusetzen, wäre es 
um die Ehrenrettung der europäischen humanistischen und christlichen 
Tradition schlecht bestellt gewesen... 
Die Waffen schweigen! 
Am Tag nach dem Grenzübertritt nach Liechtenstein, der in der Nacht 
vom 2. auf den 3. Mai erfolgte, am 4. Mai, ergeben sich alle deutschen 
Truppen in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden 
dem englischen General Montgomery; am Tag darauf kapituliert die 
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Kesselring nördlich der Alpen. 
Im Hauptquartier des amerikanischen Generals Eisenhower im franzó- 
sischen Reims ergibt sich das Deutsche Reich am Morgen des 8. Mai 
um 2.41 Uhr bedingungslos. 
 
        

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