„Eine moralische Belastung für die freie Welt” 
18. April 1945: General Holmston hält mit seinen Offizieren einen 
Kriegsrat ab und verkündet der versammelten Truppe: „Die Kapitulati- 
on Deutschlands ist unvermeidlich. Wir können ihren Ausgang nicht 
tatenlos abwarten, sondern müssen die Zeit nutzen. Daher befehle ich 
der Truppe, sich in der Richtung zur neutralen Schweiz in Bewegung zu 
setzen. Das nächste Marschziel ist Memmingen als Versammlungs- 
raum." 
Zwar hat zu diesem Vorhaben das OKH seinen Segen gegeben, weil es 
die Notwendigkeit der Rettung dieser exponierten Truppe ebenfalls 
sieht, aber eigentlich war es General Gehlen, damals Chef Abt. Fremde 
Heere Ost des OKH, dem diese Móglichkeit zu verdanken war. 
Reinhard Gehlen (3. 4. 1902 — 8. 6. 1979), General, war 1942-1945 
Chef der „Abteilung Fremde Heere Ost" und damit Holmstons Vorge- 
setzter. Seit 1948 stand er dem privaten, von den USA finanzierten 
,Nachrichtendienst Gehlen" vor (1955 dem Bundeskanzler unterstellt); 
1957-1968 war er Präsident des Bundesnachrichtendienstes. In einem 
Brief an Holmston schrieb er am 9. 2. 1973: , Diese Episode in Liech- 
tenstein ist der gliicklichere Teil einer dramatischen Entwicklung in 
Deutschland, die fiir die freie Welt — insbesondere fiir die Westalliierten 
— eine moralische Belastung bleiben muss.” 
Einige Fanatiker fordern Kampf bis zum letzten Mann; das wird auch 
deutlich, als die Flucht in letzter Minute beinahe noch durch die SS ver- 
eitelt wird, weil die betreffende Einheit den an sich unumstößlichen 
Geheimbefehl Gehlens einfach zu ignorieren gedenkt und ein Passieren 
verbietet. Der herbeigerufene befehlshabende ranghohe SS-Offizier 
aber läßt passieren: er war damals Offizier vom Dienst, als Holmston im 
Führerhauptquartier Wolfsschanze mit dem hohen Deutschen Adleror- 
den ausgezeichnet wurde! (Dieser Orden für Auslandsoffiziere ist erst- 
mals von April bis Juni in Vaduz/Liechtenstein im Rahmen einer Aus- 
stellung zum Kriegsende öffentlich gezeigt worden.) 
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