Erscheinen der fremdsprachigen Soldaten in deutschen Uniformen 
Anfang Mai 1945 zu wild wuchernden Gerüchten und Spekulationen 
führte, die erst allmählich besseren Informationen wichen. 
Der bereits erwähnte Gedenkstein in Schellenberg verweist den Vorbei- 
kommenden in wenigen Worten darauf, daß sich hier Anfang Mai 1945 
Außergewöhnliches abspielte: 
Hier in Hinterschellenberg überschritten in der Nacht vom 2. auf den 3. 
Mai 1945 die asylsuchenden Reste der „1. Russischen Nationalarmee 
der Deutschen Wehrmacht” unter Generalmajor A. Holmston-Smyslo- 
wsky — etwa 500 Personen - in voller Ausrüstung die Großdeutsche 
Reichsgrenze nach Liechtenstein. In der ,,Wirthschaft zum Lowen” fan- 
den die ersten Verhandlungen statt, die zur Asylgewährung durch das 
Fürstentum Liechtenstein führten. Als einziger Staat widersetzte sich 
Liechtenstein damit den sowjetischen Auslieferungsforderungen. Nach 
2 1/2 Jahren wurde den Russen die Ausreise in ein Land ihrer Wahl 
ermöglicht. 
Rolf Hochhuth schrieb im Mai 1984 in der „Weltwoche”: „... Es dürfte 
der Katholizismus des Fürsten von Liechtenstein gewesen sein, der ihm 
— und ihm allein unter allen Staatsmännern 1945 in Europa — vorge- 
schrieben hat, das Urgesetz der Gastfreundschaft heilig zu halten und 
sich in absolut keine Diskussion darüber einzulassen, ob Asylanten aus- 
geliefert werden dürften. Franz Josef II. verdient den Respekt der Nach- 
welt, denn in einer Umgebung, die ihn bedrängte, die 500 Russen aus- 
zuliefern, stand der mutige Fürst mit seiner Regierung und den liech- 
tensteinischen Bürgern auf einsamer Klippe.” 
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