falls meist als Trugschluß entpuppte. Von den diesen Weg wählenden 
237 Personen aus dem Fürstentum Liechtenstein, die nicht nach Argen- 
tinien reisen wollten, kehrten vier wieder ins Lager zurück, weil die 
Bedenken dann doch überwogen, die zwei Polen und der Engländer 
waren sofort nach dem Grenzübertritt über die Schweiz heimgereist. 
Eine schicksalsträchtige Episode 
geht zu Ende 
Zum Zeitpunkt der hier geschilderten Ereignisse war Liechtenstein noch 
ein armes Land und die monatlichen Internierungskosten von 30 000 
SFr. bei weitem keine Kleinigkeit; immerhin kamen an Kosten für das 
von den Kriegsfolgen wirtschaftlich gezeichnete und mit Versorgungs- 
schwierigkeiten kämpfende Land SFr. 449 298,— zusammen, die dann 
aber, wie schon erwähnt, von Bonn zurückgezahlt wurden, und zwar in 
drei Raten bis 1956. Dabei war die Nahrung ebenso bescheiden wie die 
eines großen Teils der Bevölkerung gewesen. Pro Mann und Tag gab es 
im September 1945 1/10 1 Vollmilch oder 1/2 1 Magermilch (für Frauen 
4/10 1 Vollmilch), 500 g Brot, 400 g Kartoffeln, 40 g Magerkäse, 20 g 
Suppeneinlagen und 16 g Zucker. Für Kranke gab es nach ärztlicher 
Verordnung Sonderzuteilungen. Zudem gab es monatlich vier Eier und 
zweimal wöchentlich 50 g Fleisch. Nach heutigen Begriffen also kei- 
neswegs eine besonders abwechslungsreiche und luxuriöse Ernährung. 
Die offizielle Auflösung der Armee war am 18. Mai 1945 auf Anord- 
nung der Regierung im Einvernehmen mit ihrem Befehlshaber erfolgt. 
Nun ist es soweit: die Stunde des Abschieds rückt näher. Sie schlägt für 
den letzten der Russen am 20. Februar 1948, 2 1/2 bis 2 3/4 Jahre hat- 
ten sie im unfreiwilligen Interniertendasein in Liechtenstein gelebt, 
einem Land, das der größte Teil von ihnen vorher nicht einmal dem 
Namen nach kannte. In dieser Zeit aber hatten sie, nach eigenen Aussa- 
gen, mehr an christlicher Nächstenliebe erfahren, als in all den Jahren 
zuvor. Sie kamen als Fremde und gehen nun als Freunde. Viele, sehr 
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