Alternativen zum EWR 145 
  
Schliesslich ist Bilateralismus gleichbedeutend mit der Notwendigkeit dauernden 
Nachvollzugs von EU-Recht. Der Nachvollzug schafft freilich nur die Voraussetzung 
für den Abschluss bilateraler Vertráge. Im Ergebnis bedeutet er damit nichts anderes 
als vorauseilender Gehorsam unter vólliger Preisgabe jedes Mitspracherechts. Der 
Souveránitátsverlust ist damit beim bilateralen Ansatz weitaus grósser als im EWR. 
2. EU-Beitritt 
Die Variante EWR-Nein mit anschliessendem EU-Beitritt ist, soweit ersichtlich, bislang 
in der politischen Debatte kaum erórtert worden. Im Blick auf die geographischen 
Gegebenheiten würde ein EU-Beitritt Liechtensteins wohl eine institutionelle Reform 
der EU voraussetzen. Immerhin ist nicht zu vergessen, dass Malta bereits vor einigen 
Jahren ein Beitrittsgesuch in Brüssel deponiert hat. Ein EU-Beitritt würde allerdings die 
Übernahme des EU-Rechts auch im Bereich der Steuern voraussetzen. 
3. "Sonderabkommen" mit der EU 
In der liechtensteinischen Diskussion wird z.T. die Auffassung vertreten, nach einem 
Verzicht auf die Ratifizierung des EWR-Abkommens kónnte das Fürstentum ein 
bilaterales "Sonderabkommen" mit der EU aushandeln. Im Blick auf die Gróssen- 
verháltnisse werden dabei Andorra und San Marino genannt. Gegen eine solche 
Annahme spricht zunáchst die Verschiedenheit der Wirtschaftsstrukturen. Das 
"Europáische Fürstentum Andorra" spielt als Offshoreplatz nur eine untergeordnete 
Rolle. Seine Anziehungskraft beruht hauptsächlich auf der Mäglichkeit des steuerfreien 
Wareneinkaufs. Nachdem sich Hoffnungen Andorras, einen Sonderstatus nach dem 
Vorbild der Kanalinseln und der Insel Man zu erlagen, zerschlagen haben, schloss es 
am 26. 6. 1990 einen Zollunionsvertrag für gewerbliche Waren mit der Gemeinschaft. 
Die Republik San Marino gehórt aufgrund einer Zollunion mit Italien zum Zollgebiet der 
Gemeinschaft. Auch in San Marino spielen die Vermógensverwaltung und der Zufluss 
ausländischen Kapitals nur eine untergeordnete Rolle. Haupteinnahmequellen sind die 
Industrie, die Landwirtschaft sowie der Tourismus und der Verkauf von Briefmarken. 
 
        

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