Schlüsselfragen des EWR 121 
  
Die Ausübung der bewilligungspflichtigen gebundenen Gewerbe im Rahmen der 
"Dienstleistungsfreiheit" ist Unternehmen aus Liechtenstein (genau wie Unternehmen 
aus der Schweiz) verwehrt. Darunter fallen beispielsweise Baumeister, Zimmermeister, 
Steinmetzmeister, Gas- und Wasserleitungsinstallateure, Elektrotechniker, Technische 
Büros, Chemische Laboratorien u.v.a.m. Die Vorzugsbehandlung, welche die 
ósterreichische Gewerbeordnung EWR-Unternehmen einräumt, entfällt für Liechten- 
steiner Gewerbetreibende. 
Um ein Handwerk oder eines der anderen nicht bewilligungspflichtigen gebundenen 
Gewerbe (gebundenes Gewerbe oder freies Gewerbe) auszuüben, können die 
Gewerbetreibenden aus Liechtenstein um Erteilung der Nachsicht vom vorgeschriebe- 
nen Befähigungsnachweis ansuchen. Die Kompetenz für die Erteilung der Nachsicht 
liegt gemäss § 28 Abs. 1 ôGewO beim Landeshauptmann. Der vorarlbergische Lan- 
deshauptmann hat der St. Galler Regierung in einem Briefwechsel zugesagt, im 
Rahmen der Vollzugspraxis alle Berufsabschlüsse als gleichwertig anzuerkennen, 
wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Im Gegenzug verfolgt der Kanton St. 
Gallen eine entgegenkommende Bewilligungspraxis gegenüber Vorarlberger Unter- 
nehmen. Eine solche Regelung wäre wohl für den Fall eines Nichtbeitritts zum EWR 
auch für Liechtenstein erreichbar. Sie stellt indes nicht viel mehr dar als eine 
Schönwettervereinbarung, die unter veränderten Umständen jederzeit einseitig 
zurückgenommen werden kann. Solche Umstände könnten z.B. eintreten, wenn sich 
tschechische oder ungarische Gewerbeverbände in Wien über die damit verbundene 
Ungleichbehandlung beschweren sollten. 
Damit besteht eine erheblich schlechtere Situation als im Verhältnis zu Deutschland. 
Dort haben dienstleistungswillige Gewerbetreibende aus Drittstaaten keine wesentli- 
chen Probleme. Sie können sich gestützt auf eine Ausnahmevorschrift in der 
deutschen Handwerksordnung ($ 8) auch dann in die Handwerksrolle eintragen 
lassen, wenn sie (was die Regel ist) keine deutsche Meisterprüfung abgelegt haben. 
Voraussetzung ist einzig der Nachweis der Befähigung. 
 
        

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